Ariane Anders :

Von der technischen Redakteurin zur Drehbuchautorin

Abstract: Immer wieder stellt sich im Berufsleben die Frage, wie und auf welche Art eine Weiterbildung erfolgen soll. Einfach loslegen und Fachbücher studieren oder eine Qualifizierungsmaßnahme absolvieren? Wie erreicht man am schnellsten die neue Qualifikation und was bringt sie?
Als selbstständige technische Redakteurin schreibt Ariane Anders Softwarehandbücher. Sie entschied sich 2005 für eine ENLT-Qualifizierung, um sich als Drehbuchautorin ein weiteres Berufsfeld zu erschließen.
In ihrem Erfahrungsbericht zeigt sie auf warum sie sich für eine bestimmte Qualifizierungsmaßnahme entschieden hat, wie sie die Qualifizierung in Ihren Alltag integriert hat und was ihr die Qualifizierung gebracht hat.

Einstieg
Alles begann am Rande einer Fachveranstaltung, als mir eine Netzwerkkollegin erzählte, dass sie Drehbücher für „E-Learnings“ schreibt. Beim Stichwort Drehbuch fiel mir Kino oder Fernsehfilm ein, aber E-Learning?


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Sie erzählte mir noch ein wenig davon, es klang interessant und am nächsten Tag fing ich an zu recherchieren.
  • Passt es zu meinem Profil als technische Redakteurin?
    Als technische Redakteurin muss ich komplexe Sachverhalte so einfach wie möglich darstellen und Wissen vermitteln. Genau das ist auch die Aufgabe eines E-Learnings.

  • Bringt es meinen Kunden einen Mehrwert?
    Die Frage ist schwierig zu beantworten und hängt auch davon ab, wie viel Arbeit und letztlich Geld ein Unternehmen in die Dokumentation bzw. Schulung seiner Anwender investieren will.

  • Könnte ich mir damit ein zweites Standbein aufbauen?
    Als anerkannte Drehbuchautorin kann ich meinen potenziellen Kundenkreis um die Anbieter von E-Learnings, Verlage und Agenturen erweitern.

Nachdem ich alle Fragen mit ja beantwortet hatte, stand mein Entschluss fest, mich in Richtung E-Learning und dabei speziell zur Drehbuchautorin weiterzubilden.

Learning by doing oder qualifizierte Ausbildung?
Als Nächstes galt es die Frage zu beantworten, ob „Learning by doing“ oder eine qualifizierte Ausbildung der bessere Weg zum Ziel ist. Dabei habe ich mich von folgenden Überlegungen leiten lassen.

  • „Learning by doing“ würde mindestens drei Jahre dauern, während eine qualifizierte Ausbildung schon in neun Monaten absolviert werden kann.

  • Es war mir auch nicht klar, welches Fachwissen ich unbedingt brauche und welches nicht ganz so wichtig ist. Ferner ist es als Laie schwierig herauszufinden, welche Fachliteratur maßgeblich ist.

  • Ein wichtiger Grund für eine qualifizierte Ausbildung war das Zertifikat, das mir die Ausbildung und die dort erlernten Techniken bescheinigt. Ich versprach mir davon bessere Möglichkeiten zum Einstieg in ein neues Berufsbild. Ein Sachverhalt, der sich später auch bewahrheiten sollte.

Die Wahl: Expertin für Neue Lerntechnologien Ich entschied mich dann für eine Ausbildung zur Expertin für neue Lerntechnologien (ENLT) bei der tele-akademie der Hochschule Furtwangen. Diese Qualifizierung hatte für mich folgende Vorteile:

  • Überwiegend online – nur zwei Präsenztermine.

  • Persönliche Empfehlung durch eine Absolventin, die ebenfalls Drehbücher schreibt.

  • Zugangsvoraussetzung ist ein Studium oder einschlägige Berufserfahrung.

Dipl. Ing. FH Ariane Anders ist seit 1995 als freiberufliche technische Redakteurin tätig und schreibt Handbücher und Onlinehilfen für Software.

Seit 2006 hat sie sich den Bereich der elektronischen Lernmedien erschlossen. Sie ist Expertin für Neue Lerntechnologien, Drehbuchautorin für Lernmedien und Gründungsmitglied des Berufsverbands für Online-Bildung (www.bv-online-bildung.de).

"Als Drehbuchautorin verbinde ich Didaktik und technisches Wissen mit Schreibtechniken aus der technischen Redaktion. Eine Kombination, die in Zukunft zunehmend an Bedeutung gewinnen wird."

Kontakt: www.softaid.de

  • Überschaubarer Zeitraum von 9 Monaten.

  • Hoher Praxisbezug durch eigenverantwortliche Projektphase.

  • Die Kosten waren vertretbar und es gab die Möglichkeit der Ratenzahlung.

  • Das Zertifikat ist in der E-Learning-Szene bekannt.

Die Ausbildung in den Alltag integrieren
Als selbstständige technische Redakteurin war die wichtigste Grundbedingung für die Qualifizierung, weiterhin Projekte bearbeiten zu können. Dafür benötigte ich einen möglichst hohen Freiheitsgrad beim Lernen.
Die Ausbildungsinhalte wurden durch PDFs und WBTs vermittelt. Diese Art der Wissensvermittlung ließ mir einigen zeitlichen Spielraum. Die PDFs druckte ich aus und konnte sie überall bearbeiten: auf dem Sofa, im Zug, auf dem Weg zum Kunden, im Grünen. Die WBTs standen die ganze Zeit online zur Verfügung. Die Lernaufgaben konnten flexibel eingereicht werden.
Außerdem wurde auf einer Lernplattform in der Gruppe gelernt, man nennt das kollaborativ lernen. Die Lerngruppe bekam eine Lernaufgabe, die auf das Lernmaterial abgestimmt war. Damit wurde das Wissen direkt in die Praxis umgesetzt. Eine Teletutorin unterstützte die Gruppe und ein Lerntagebuch erleichterte den Einstieg in die Lernplattform. Ein wöchentlicher Chat-Termin festigte das Gruppengefühl. Für den Chat reichte die normale Telefonleitung aus. Da ich in der Wohnung kein ISDN oder DSL hatte, war das optimal.

In der Projektphase halfen feste Termine und Vorgaben für das Projektmanagement die persönlichen Lernziele zu erreichen. Die Projekt-Teams fanden sich während der ersten Präsenzphase. Mein Lernziel war die Entwicklung eines WBTs: und zwar von der Idee bis zur Umsetzung. Es sollte auch ein Marketinginstrument für meinen Berufseinstieg werden. Tabea Grosser wollte Ihr Wissen über die Kommunikationswerkzeuge noch vertiefen. So entstand duo practico. Mit dem Ziel ein WBT für die Kommunikationstools zu entwickeln.

Hier finden Sie das WBT: http://www.softaid.de/ENLT/duo-practico.html

Das Lernziel im Auge behalten
Für eine nebenberufliche Weiterbildung, die geführt und doch offen ist, ist die Eigenverantwortung für das persönliche Lernziel groß. Der Gestaltungsspielraum sollte genutzt werden, um bestimmte Lernunterlagen zu vertiefen und andere eventuell nur oberflächlich zu bearbeiten - je nach persönlicher Priorität. Dabei ist es sehr wichtig sein eigenes Lernziel genau zu kennen und immer wieder zu überprüfen.

Gerade die Praxisphase lässt viel Spielraum für Experimente. Dabei stehen nicht unbedingt die perfekten Ergebnisse im Mittelpunkt, sondern die Lernziele der einzelnen Teammitglieder. Im Gegenzug bringt jeder sein spezielles Fachwissen und seine Praxiserfahrung ein und man kann sehr viel voneinander zu lernen. Eine Chance, die man im Eigenstudium niemals hat.

Was hat mir die Qualifizierung gebracht
Am Abschlusstag der Weiterbildung sollten wir einen Brief an uns selbst schreiben. Darin sollte stehen, was wir in einem halben Jahr erreicht haben wollen.

Als der Brief sechs Monate später bei mir ankam, hatte sich in puncto Drehbuchschreiben noch nichts getan und ich war etwas enttäuscht. Doch dann kamen nach und nach Netzwerkkontakte dazu und die ersten kleinen Aufträge.
Heute, drei Jahre nach der Ausbildung, habe ich meine ersten größeren Drehbuchprojekte bearbeitet. Darunter waren Drehbücher für die Einführung einer Software für klinische Abläufe der Firma Siemens Medical Care, die ich im Auftrag der Agentur Spirit Link GmbH geschrieben habe. In diesem Projekt konnte ich meine Erfahrungen aus der Softwaredokumentation optimal mit dem neuen Wissen verbinden.

Fazit
Ohne eine strukturierte Qualifizierung hätte ich mein zweites Standbein nur sehr viel langsamer aufbauen können. Der Praxistransfer war für mich gegeben. Ich nutze heute Techniken aus der WBT-Entwicklung für die technische Redaktion und umgekehrt.

In der Gruppe kollaborativ zu lernen begeistert mich noch immer, da ich dadurch das neu erworbene Wissen direkt in der Teamarbeit anwenden konnte. In den Diskussionen lernte ich unterschiedliche Sichtweisen von Praktikern und Pädagogen kennen und bekam einen Einblick in deren Berufspraxis.

Wenn ich heute erzähle was ich so mache, muss ich schmunzeln, wenn ich die erstaunten Gesichter sehe, und erinnere mich an ein Gespräch am Rande einer Fachveranstaltung...

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Online Tutoring Journal, Ausgabe 1 (14), Mai 2010, Anders, A.: Von der technischen Redakteurin..., S. 1.  

Thema der aktuellen Ausgabe:
"Optimierung des Praxistransfers"

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