Experteninterview
mit Katja Bett: "Virtuelle Nähe - Definitionsversuche
und Entstehungsbedingungen aus teletutorieller Perspektive"
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Online
Tutoring Journal: Häufig wird behauptet, Teletutoren
seien für den Rahmen und Prozess des Online-Lernens und
nicht für das Ergebnis verantwortlich. Würde dieses
Rollenverständnis aber nicht an die Teilnehmer transportiert
(z.B. in einer Art Meta- Diskussion zu Beginn eines Online-Kurses),
so sei Frustration auf beiden Seiten vorprogrammiert. Sehen
Sie dies auch so? Wie viel Führung haben Onlinekurs-Teilnehmer
nötig?
Katja Bett: Das ist
abhängig vom Lehr-/Lernziel der jeweiligen Veranstaltung.
Generell halte ich aber die Beschränkung auf die organisatorische
und didaktische sowie motivationale Rolle für schwierig.
Wenn es um Lernprozesse geht, dann habe ich als Teilnehmender
auch ein Recht darauf zu erfahren, ob das Lernprodukt, die
Diskussion, die Thesen und Aussagen inhaltlich korrekt sind
oder nicht. Außerdem sollte das zu erlernende Wissen
auch in weitere Kontexte eingebunden werden. Und hier sind
natürlich die Tutoren gefragt in ihrer Rolle als „Inhalts-
oder Fachexperten“.
Online Tutoring
Journal: Noch immer ist die Abbrecherquote bei Fernlehrgängen
sehr hoch (bis zu 50%). Woran könnte dies Ihrer Ansicht
nach liegen?
Katja Bett:
Das Problem liegt meist nicht bei den Teilnehmenden, sondern
im didaktischen Konzept, in der Betreuungsstrategie oder in
der fehlenden Ausbildung der Tutoren. In Bezug auf das didaktische
Konzept ist es wichtig, dass der Lernprozess zeitlich getaktet
wird und mit Teilaufgaben versehen wird. So ist der Lernprozess
in einen Rahmen eingebettet, der die Lernenden auffordert,
sich „gleichmäßig“ zu beteiligen. Außerdem
sollten aktivierende Methoden ausgewählt werden, die
die Auseinandersetzung mit dem Lerninhalt fördern oder
auch Diskussionen anregen. Oft empfiehlt es sich, regelmäßig
Feedback-Schleifen zu integrieren, die den Teilnehmenden ermöglichen,
den eigenen Lernfortschritt zu überprüfen
(Online-Tests, Einsende-Aufgaben mit Rückmeldung vom
Tutor etc.). Für das Betreuungskonzept gilt, dass die
Lernenden nicht alleine gelassen werden, sondern in einen
sozialen Kontext eingebunden sind. Das muss nicht immer Gruppenarbeit
bedeuten, aber zumindest dass ein Tutor als Ansprechpartner
da ist. Dabei reicht es nicht aus, dass der Tutor quasi immer
angeschrieben werden kann, sondern der Tutor muss auf die
Teilnehmenden aktiv zugehen, ihnen eine Rückmeldung über
ihre Beteiligung geben, bei Problemen und Schwierigkeiten
nachfragen und viele Maßnahmen ergreifen, die ich bereits
oben beschrieben habe.
Online
Tutoring Journal: Frau Bett, herzlichen Dank für dieses
interessante Interview!
Interviewerin: Gabriela
Pflüger
Katja Bett ist Diplom-Pädagogin und arbeitet
seit acht Jahren als Trainerin, Tutorin und Beraterin
im E-Learning-Bereich, zuerst zwei Jahre bei einem
Weiterbildungsträger, dann sechs Jahre in anwendungsorientierten
Projekten an einem Forschungsinstitut. Seit einem
Jahr ist sie selbstständig. Ihre
Themenschwerpunkte sind: Konzeption und Gestaltung
von E-Learning-Szenarien
(Instruktionsdesign), Virtuelles Lernen und Arbeiten
in Gruppen, E-Moderation/E-Tutoring, Gestaltung von
Lernmaterialien für das Netz.
Außerdem arbeitet sie zurzeit an einer Dissertation
zum Thema "E-Moderation".