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Experteninterview mit Katja Bett: "Virtuelle Nähe - Definitionsversuche und Entstehungsbedingungen aus teletutorieller Perspektive" (3)

Online Tutoring Journal: Häufig wird behauptet, Teletutoren seien für den Rahmen und Prozess des Online-Lernens und nicht für das Ergebnis verantwortlich. Würde dieses Rollenverständnis aber nicht an die Teilnehmer transportiert (z.B. in einer Art Meta- Diskussion zu Beginn eines Online-Kurses), so sei Frustration auf beiden Seiten vorprogrammiert. Sehen Sie dies auch so? Wie viel Führung haben Onlinekurs-Teilnehmer nötig?

Katja Bett: Das ist abhängig vom Lehr-/Lernziel der jeweiligen Veranstaltung. Generell halte ich aber die Beschränkung auf die organisatorische und didaktische sowie motivationale Rolle für schwierig. Wenn es um Lernprozesse geht, dann habe ich als Teilnehmender auch ein Recht darauf zu erfahren, ob das Lernprodukt, die Diskussion, die Thesen und Aussagen inhaltlich korrekt sind oder nicht. Außerdem sollte das zu erlernende Wissen auch in weitere Kontexte eingebunden werden. Und hier sind natürlich die Tutoren gefragt in ihrer Rolle als „Inhalts- oder Fachexperten“.

Online Tutoring Journal: Noch immer ist die Abbrecherquote bei Fernlehrgängen sehr hoch (bis zu 50%). Woran könnte dies Ihrer Ansicht nach liegen?

Katja Bett: Das Problem liegt meist nicht bei den Teilnehmenden, sondern im didaktischen Konzept, in der Betreuungsstrategie oder in der fehlenden Ausbildung der Tutoren. In Bezug auf das didaktische Konzept ist es wichtig, dass der Lernprozess zeitlich getaktet wird und mit Teilaufgaben versehen wird. So ist der Lernprozess in einen Rahmen eingebettet, der die Lernenden auffordert, sich „gleichmäßig“ zu beteiligen. Außerdem sollten aktivierende Methoden ausgewählt werden, die die Auseinandersetzung mit dem Lerninhalt fördern oder auch Diskussionen anregen. Oft empfiehlt es sich, regelmäßig Feedback-Schleifen zu integrieren, die den Teilnehmenden ermöglichen, den eigenen Lernfortschritt zu überprüfen

(Online-Tests, Einsende-Aufgaben mit Rückmeldung vom Tutor etc.). Für das Betreuungskonzept gilt, dass die Lernenden nicht alleine gelassen werden, sondern in einen sozialen Kontext eingebunden sind. Das muss nicht immer Gruppenarbeit bedeuten, aber zumindest dass ein Tutor als Ansprechpartner da ist. Dabei reicht es nicht aus, dass der Tutor quasi immer angeschrieben werden kann, sondern der Tutor muss auf die Teilnehmenden aktiv zugehen, ihnen eine Rückmeldung über ihre Beteiligung geben, bei Problemen und Schwierigkeiten nachfragen und viele Maßnahmen ergreifen, die ich bereits oben beschrieben habe.

Online Tutoring Journal: Frau Bett, herzlichen Dank für dieses interessante Interview!


Katja Bett ist Diplom-Pädagogin und arbeitet seit acht Jahren als Trainerin, Tutorin und Beraterin im E-Learning-Bereich, zuerst zwei Jahre bei einem Weiterbildungsträger, dann sechs Jahre in anwendungsorientierten Projekten an einem Forschungsinstitut. Seit einem Jahr ist sie selbstständig. Ihre Themenschwerpunkte sind: Konzeption und Gestaltung von E-Learning-Szenarien (Instruktionsdesign), Virtuelles Lernen und Arbeiten in Gruppen, E-Moderation/E-Tutoring, Gestaltung von Lernmaterialien für das Netz. Außerdem arbeitet sie zurzeit an einer Dissertation zum Thema "E-Moderation".

Weiterführende Literatur:

Maier-Häfele, K./Häfele, H.: 101 e-le@rning Seminarmethoden, 2. Aufl. 2005, managerSeminare Verlags GmbH.

Busch, F./Mayer, T.B. : Der Online-Coach. Wie Trainer virtuelles Lernen optimal fördern können. 2002, Weinheim/Basel, Belz.

Graf, M.: eModeration - Lernende im Netz begleiten. 2004, h.e.p.-Verlag, Bern.

Thema der aktuellen Ausgabe: "Virtuelle Nähe"

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Editorial


Experteninterview mit Katja Bett

Artikel: "tele-TASK und CHESt"

Artikel: Virtuelle Nähe in interkulturellen Gruppen

Proposals Ausgabe 2/2006

Impressum

Online Tutoring Journal, Ausgabe 1, 2006, Experteninterview mit Katja Bett, S. 3.