powered by
Jobbörse für qualifizierte Teletutoren
Christian Poschmann :

"Virtuelle Nähe in interkulturellen Gruppen"

Abstract
Dieser Artikel geht der Frage nach, wie man virtuelle Nähe in interkulturell besetzten Lerngruppen erzeugen kann. Der Autor vertritt die Auffassung, dass in der Vielzahl von „Distanzen“, die für das Lernen zwischen den Kulturen charakteristisch ist, ein großes Potential liegt, dass durch professionelle Betreuung freigesetzt werden kann.

Es ist schon paradox!
Erst schaffen wir die technischen Voraussetzungen, die es ermöglichen, Lerner und Lehrende zu trennen und dann zerbrechen wir uns den Kopf, wie wir eben diese Trennung wieder aufheben können.

Unbestritten ist: Online-Lernen ist umso Erfolg versprechender, je besser es gelingt, die vielfältigen Distanzen zwischen Lernern und Lehrenden zu überbrücken. Räumliche und zeitliche Distanzen lassen sich mittels ausgereifter technischer und organisatorischer Maßnahmen gut überbrücken. Wie sieht das aber mit kulturellen Distanzen aus? Interkulturell besetzte Lerngruppen sind ja geradezu charakteristisch für die Entwicklung des E-Learning-Sektors während der letzten Jahre. Kann man angesichts völlig unterschiedlicher Lebensrhythmen, Lernformen und Kommunikationsgewohnheiten innerhalb einer Lerngemeinschaft, überhaupt darauf hoffen, dass in einem eng begrenzten Zeitraum virtuelle Nähe

entsteht? Man kann. Allerdings erfordert eine oft löchrige, sprachliche, kulturelle und fachliche Basis einen besonderen tutoriellen Ansatz.

Virtuelle Nähe entsteht im monokulturellen Online-Lernen durch Betonung von Gemeinsamkeiten – im interkulturellen Online-Lernen durch Betonung von Unterschieden.

Viele Tutoren betrachten die Arbeit im interkulturellen Bereich als „tutoriellen Super-GAU.“ Wie kann man mit Menschen kommunizieren, die nicht einmal zur gleichen Zeit wach sind, die keine gemeinsame Muttersprache oder einen vergleichbaren fachlichen oder sozialen Hintergrund haben?

Interessanterweise suchen viele Kollegen den Ausweg aus diesem Dilemma, indem sie sich intensiv auf den kulturellen Hintergrund der LernerInnen vorbreiten. Die Teilnehmerschaft wird zunächst regional kategorisiert. Anschließend schlägt man in der einschlägigen Literatur Verhaltens- und Kommunikationsmuster nach, die es dann im Tutoring zu berücksichtigen gilt. Heraus kommt allzu oft ein Tutoring-Konzept, das sich am kleinsten gemeinsamen Nenner orientiert und das Problemfelder weitgehend ausklammert.
Virtuelle Nähe kann so sicherlich nicht erreicht werden – höchstens political correctness.
Sicherlich gibt es wichtige kulturelle Besonderheiten und es wäre falsch, diese Tatsache beim Tutoring völlig zu vernachlässigen. Letztlich besteht eine Lerngemeinschaft aber immer aus Individuen und nicht aus kulturellen Gruppen.

Online Tutoring Journal, Ausgabe 1, 2006, Poschmann, Christian: Virtuelle Nähe in interkulturellen Gruppen, S.1.  

Thema der aktuellen Ausgabe: "Virtuelle Nähe"

Startseite

Editorial


Experteninterview mit Katja Bett

Artikel: "tele-TASK und CHESt"

Artikel: Virtuelle Nähe in interkulturellen Gruppen

Proposals Ausgabe 2/2006

Impressum