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Katja Bett:

"Das Lerntagebuch als Methode zur Unterstützung individuellen Lernens im virtuellen Raum" (3)

Als ebenso hilfreich hat sich erwiesen, wenn die Lernenden dazu aufgefordert werden, die Lernprotokolle ihrer Mitlernenden zu bewerten und ihnen eine Rückmeldung zu geben. Wenn die Gruppe zu groß ist, können auch Lerntandems gebildet werden, die sich gegenseitig kommentieren. Hiezu merken Renkl et al. (2004) an: „Differenzen zwischen der Selbstbewertung und der Bewertung durch den Lernpartner können dazu anregen, dass der einzelne Lernende seine eigene Vorgehensweise einer kritischen Prüfung unterzieht und das Protokoll ggfs. überarbeitet.“

Erfahrungen beim Einsatz eines Lerntagebuchs an der Universität Stuttgart-Hohenheim

Die Identifikation mit der Methode Lerntagebuch und somit auch die Einsicht, dass das Lerntagebuch gewinnbringend sein kann, kann noch durch folgende Maßnahme erhöht werden, die an der Universität Hohenheim von Prof. Dr. J. Müller gewählt wurde: die Studierenden entwickelten gemeinsam mit dem Dozenten in der ersten Veranstaltungseinheit die Aspekte, die das Lerntagebuch als Strukturierungsvorgabe enthalten soll.

Die Studierenden wählten folgende Struktur:

Das waren die Inhalte der Veranstaltung (Keywords):....
Diese Erkenntnisse nehme ich mit ("Take-Home-Message"):...
So kann ich das Gelernte umsetzen:...
Diese Fragen sind bei mir noch offen:...
Hier würde ich mich gerne weiter vertiefen:...
Das bleibt noch zu sagen:...

In der abschließenden Auswertungsrunde (Gruppendiskussion) zur Methode Lerntagebuch, bewerteten die Studierenden das Lerntagebuch als sehr hilfreich für den Lernprozess. Auch der Dozent war von der Methode überzeugt und wies darauf hin, dass die Einträge im Lerntagebuch von ihm jedes Mal in der darauf folgenden Veranstaltung berücksichtigt wurden: die ersten 5 bis 10 Minuten der Lehrveranstaltung dienten dazu, auf die Einträge im Lerntagebuch einzugehen und (offene) Fragen zu beantworten.

Dieses Beispiel zeigt, dass ein Lerntagebuch insbesondere dann gewinnbringend ist, wenn es zu

einem integralen Bestandteil einer Veranstaltung wird und nicht im „stillen Kämmerlein“ anonym geführt wird.

Fazit

Der Einsatz eines Lerntagebuchs fördert den individuellen Wissenserwerb und die Wissensverarbeitung, den Wissenstransfer und die Reflexion über den eigenen Lernprozess. Gerade im E-Learning-Bereich, in dem der zeitliche Anteil an selbstorganisierten Lernphasen meist sehr hoch ist, ist es wichtig, dass die Lernenden nicht alleine gelassen werden, sondern eine individuelle Unterstützung erhalten. Dazu ist das Lerntagebuch bestens geeignet - insbesondere dann, wenn auch noch Feedbackschleifen zum individuellen Lernprozess integriert werden.

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Literatur:

Alsheimer, M. & Müller, U. (o.J.). Tagebuch schreiben. Grundlagen der Weiterbildung - Praxishilfen. Lose-Blatt-Sammlung, Systemstelle 7.40.20.12. Neuwied: Luchterhand.

Friedrich, H. F. & Mandl, H. (2006). Lernstrategien: Zur Strukturierung des Forschungsfeldes. In H. Mandl & H.F. Friedrich (Hrsg.), Handbuch Lernstrategien, (S. 1-23) Göttingen u.a.: Hogrefe.

Renkl, A., Nückles, M., Schwonke, R., Berthold, K., & Hauser, S. (2004). Lerntagebücher als Medium selbstgesteuerten Lernens: Theoretischer Hintergrund, empirische Befunde, praktische Entwicklungen. In M. Wosnitza, A. Frey, & R. Jäger (Hrsg.), Lernprozess, Lernumgebung und Lerndiagnostik. Wissenschaftliche Beiträge zum Lernen im 21. Jahrhundert, (S. 101-116). Landau: Verlag Empirische Pädagogik.

Rambow, R. & Nückles M (2002). Der Einsatz des Lerntagebuchs in der Hochschullehre. Das Hochschulwesen, 50, 113-120.

Renkl, A. (1996). Träges Wissen. Wenn Erlerntes nicht genutzt wird. Psychologische Rundschau, 47, 78-92.

Software
Hier kann man die Software eHelp runterladen, die von Renkl und Mitarbeitern für die Erstellung von Lerntagebüchern entwickelt wurde: [Link]


Katja Bett ist Diplom-Pädagogin und Trainerin, Tutorin und Beraterin im E-Learning-Bereich. Seit 2006 ist sie selbstständig. Ihre Themenschwerpunkte sind: Konzeption und Gestaltung von E-Learning-Szenarien (Instruktionsdesign), Virtuelles Lernen und Arbeiten in Gruppen, E-Moderation/E-Tutoring, Gestaltung von Lernmaterialien für das Netz. Zurzeit arbeitet sie an einer Dissertation zum Thema "E-Moderation".

Online Tutoring Journal, Ausgabe 2 (5), April 2007, Bett, K.: Das Lerntagebuch als Methode, S. 3.  

Thema der aktuellen Ausgabe: "Wie Teletutoren selbstorganisiertes Lernen fördern können"

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 Artikel: Das Lerntagebuch als Methode

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