"Das Lerntagebuch als Methode zur
Unterstützung individuellen Lernens im virtuellen Raum"
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Als ebenso hilfreich hat
sich erwiesen, wenn die Lernenden dazu aufgefordert werden,
die Lernprotokolle ihrer Mitlernenden zu bewerten und ihnen
eine Rückmeldung zu geben. Wenn die Gruppe zu groß
ist, können auch Lerntandems gebildet werden, die sich
gegenseitig kommentieren. Hiezu merken Renkl et al. (2004)
an: „Differenzen zwischen der Selbstbewertung und der
Bewertung durch den Lernpartner können dazu anregen,
dass der einzelne Lernende seine eigene Vorgehensweise einer
kritischen Prüfung unterzieht und das Protokoll ggfs.
überarbeitet.“
Erfahrungen beim
Einsatz eines Lerntagebuchs an der Universität Stuttgart-Hohenheim
Die Identifikation mit der
Methode Lerntagebuch und somit auch die Einsicht, dass das
Lerntagebuch gewinnbringend sein kann, kann noch durch folgende
Maßnahme erhöht werden, die an der Universität
Hohenheim von Prof. Dr. J. Müller gewählt wurde:
die Studierenden entwickelten gemeinsam mit dem Dozenten in
der ersten Veranstaltungseinheit die Aspekte, die das Lerntagebuch
als Strukturierungsvorgabe enthalten soll.
Die Studierenden wählten folgende Struktur:
Das waren die Inhalte der Veranstaltung (Keywords):....
Diese Erkenntnisse nehme ich mit ("Take-Home-Message"):...
So kann ich das Gelernte umsetzen:...
Diese Fragen sind bei mir noch offen:...
Hier würde ich mich gerne weiter vertiefen:...
Das bleibt noch zu sagen:...
In der abschließenden
Auswertungsrunde (Gruppendiskussion) zur Methode Lerntagebuch,
bewerteten die Studierenden das Lerntagebuch als sehr hilfreich
für den Lernprozess. Auch der Dozent war von der Methode
überzeugt und wies darauf hin, dass die Einträge
im Lerntagebuch von ihm jedes Mal in der darauf folgenden
Veranstaltung berücksichtigt wurden: die ersten 5 bis
10 Minuten der Lehrveranstaltung dienten dazu, auf die Einträge
im Lerntagebuch einzugehen und (offene) Fragen zu beantworten.
Dieses Beispiel zeigt, dass
ein Lerntagebuch insbesondere dann gewinnbringend ist, wenn
es zu
einem
integralen Bestandteil einer Veranstaltung wird und nicht
im „stillen Kämmerlein“ anonym geführt
wird.
Fazit
Der Einsatz eines Lerntagebuchs
fördert den individuellen Wissenserwerb und die Wissensverarbeitung,
den Wissenstransfer und die Reflexion über den eigenen
Lernprozess. Gerade im E-Learning-Bereich, in dem der zeitliche
Anteil an selbstorganisierten Lernphasen meist sehr hoch ist,
ist es wichtig, dass die Lernenden nicht alleine gelassen
werden, sondern eine individuelle Unterstützung erhalten.
Dazu ist das Lerntagebuch bestens geeignet - insbesondere
dann, wenn auch noch Feedbackschleifen zum individuellen Lernprozess
integriert werden.
Alsheimer, M. & Müller, U.
(o.J.). Tagebuch schreiben. Grundlagen der Weiterbildung -
Praxishilfen. Lose-Blatt-Sammlung, Systemstelle 7.40.20.12.
Neuwied: Luchterhand.
Friedrich, H. F. & Mandl, H. (2006).
Lernstrategien: Zur Strukturierung des Forschungsfeldes.
In H. Mandl & H.F. Friedrich (Hrsg.), Handbuch Lernstrategien,
(S. 1-23) Göttingen u.a.: Hogrefe.
Renkl, A., Nückles, M., Schwonke,
R., Berthold, K., & Hauser, S. (2004). Lerntagebücher
als Medium selbstgesteuerten Lernens: Theoretischer Hintergrund,
empirische Befunde, praktische Entwicklungen. In M. Wosnitza,
A. Frey, & R. Jäger (Hrsg.), Lernprozess, Lernumgebung
und Lerndiagnostik. Wissenschaftliche Beiträge zum
Lernen im 21. Jahrhundert, (S. 101-116). Landau: Verlag
Empirische Pädagogik.
Rambow, R. & Nückles M (2002).
Der Einsatz des Lerntagebuchs in der Hochschullehre. Das
Hochschulwesen, 50, 113-120.
Renkl, A. (1996). Träges Wissen.
Wenn Erlerntes nicht genutzt wird. Psychologische Rundschau,
47, 78-92.
Software
Hier kann man die Software eHelp runterladen, die von Renkl
und Mitarbeitern für die Erstellung von Lerntagebüchern
entwickelt wurde: [Link]
Katja Bett ist Diplom-Pädagogin und Trainerin,
Tutorin und Beraterin im E-Learning-Bereich. Seit 2006
ist sie selbstständig. Ihre Themenschwerpunkte
sind: Konzeption und Gestaltung von E-Learning-Szenarien
(Instruktionsdesign), Virtuelles Lernen und Arbeiten
in Gruppen, E-Moderation/E-Tutoring, Gestaltung von
Lernmaterialien für das Netz. Zurzeit arbeitet
sie an einer Dissertation zum Thema "E-Moderation".