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Jobbörse für qualifizierte Teletutoren

Hildegard Meister:

"Senioren lernen online - ein Erfahrungsbericht"

Abstract: Die Autorin beschreibt, welche Erfahrungen sie bei der teletutoriellen Betreuung älterer Online-Lerner gemacht hat und gibt Empfehlungen für die Unterstützung selbstorganisierter Lernprozesse dieser Zielgruppe.

Seit 2004 betreue ich Online-Kurse für ältere Erwachsene, die ihr Berufsleben hinter sich gelassen haben, und als Seniorinnen und Senioren nach „neuen Ufern“ Ausschau halten. Die Kursthemen sind „Autobiografisches Schreiben“, Grund- und Aufbaukurs, und „Interkulturelles Training Polen-Deutschland“. Der Grundkurs „Autobiografisches Schreiben“ findet auf einer einfachen Lernplattform der Universität Ulm statt, Aufbaukurs und „Interkulturelles Training“ werden mit moodle durchgeführt.

Was macht das Online-Lernen für ältere Erwachsene attraktiv?

Computer und Internet erfreuen sich bei älteren Menschen wachsender Beliebtheit, wenn es darum geht, den Geist in Schwung zu halten und interessante Kontakte zu Gleichgesinnten zu knüpfen. Die meisten Teilnehmer/innen meiner Kurse sind körperlich fit und wollen ihr Leben nach dem Beruf aktiv gestalten. Nur eine kleine Gruppe ist mehr oder weniger stark ans Haus gebunden (z. B. durch die Pflege des Ehepartners oder durch Einschränkungen beim Gehen). Die faszinierenden Möglichkeiten, die Computer und Internet bieten, lernen ältere Menschen oft über Kinder und Enkelkinder kennen. Manche steigen auch über die Anschaffung eines digitalen Fotoapparats in das neue Medium ein, das sie für die Bearbeitung von Familien- oder Vereinsfotos nutzen möchten. Die Unter-65jährigen hatten z.T. bereits in ihrem Beruf mit Computer und Internet zu tun. Als wichtigster Grund für die Teilnahme an einem Online-Kurs wird genannt, dass man über das Internet interessante Kontakte mit Gleichgesinnten knüpfen kann. Online-Kurse zu bestimmten Themen sind also zugleich eine Art Kontaktbörse für „Communities 50plus“. Die neue technische Herausforderung wird von den Teilnehmer/innen dabei aktiv angenommen, auch und gerade von den älteren Frauen! Die älteste meiner Teilnehmerinnen war 90 Jahre alt. Sie nahm sehr erfolgreich am Grundkurs „Autobiografisches Schreiben“ teil, der auf der Lernplattform des ViLE-Netzwerkes (Virtuelles Lernen für ältere Erwachsene, Universität Ulm) stattfand [Link]

Wie gehen ältere Menschen mit dem neuen Medium um?

Voraussetzung für die Teilnahme an den Online-Kursen ist, falls notwendig, ein technischer Einführungskurs (Präsenzveranstaltung), in dem die Seniorinnen und Senioren Grundkenntnisse im Umgang mit einem Textverarbeitungsprogramm, Schreiben von E-Mails und Recherche im Internet erlernen. Auf dieser Basis steigen die meisten dann in einen Online-Kurs ein. Ist das schon genug, um eine Lernplattform zu verstehen und die Regeln der Online-Kommunikation anzuwenden?
Die Erfahrung zeigt: Ja! Entscheidend ist dabei, dass die älteren Menschen von der Tutorin an die Hand genommen werden, genaue Anleitungen bekommen und jederzeit anrufen können! Während der telefonische Kontakt zur Betreuerin von jungen Online-Lernenden kaum genutzt wird, ist er für die Seniorinnen und Senioren eine Sicherheit, auf die gerne zurückgegriffen wird. Ältere Erwachsene wollen technische Fragen in der Regel schnell geklärt haben. Rückmeldung zur Funktionalität der Lernplattform und (positive wie negative) Kritik zu Kursinhalten erfolgen sofort und ohne Umschweife, z.B.: „Ich kann mein Bild nicht hochladen. Was mache ich falsch?“, „Das Clustern fand ich zuerst doof, habe dann aber gemerkt, wie sehr es mir beim Schreiben hilft.“, oder „Ich habe Schwierigkeiten mit diesem Thema, weil es für mich wie Beschäftigungstherapie klingt“. Wie gerne von älteren Erwachsenen Foren und Chats genutzt werden, hängt in erster Linie vom Lernthema ab. Im Kurs „Interkulturelles Training“ diskutierten die Teilnehmer/innen mit den polnischen Partnern am liebsten im Forum. Das ging soweit, dass die Partnerarbeit, vorgesehen per E-Mail, weitgehend ins Forum verlegt wurde (Fokussierung auf einen Kommunikationskanal). Der Chat wurde von dieser Lerngruppe dagegen als „zu schnell und chaotisch“ abgelehnt. Im Aufbaukurs „Autobiografisches Schreiben“ war das Gegenteil der Fall: Das Chatten in kleinen Gruppen wurde als schnelle Möglichkeit des Austausches sehr geschätzt, die Foren waren dagegen wenig besucht. Der Blog (moodle) als weiteres Arbeitsmittel beim „Autobiografischen Schreiben“ wurde nach anfänglichem Zögern als Möglichkeit gesehen, den eigenen Text aus der Privatsphäre herauszuholen und der gesamten Lerngruppe vorzustellen. Im Vergleich zum E-Mail-Anhang bietet der Blog bei moodle verschiedene Grade der Veröffentlichung. Für den Lernprozess des Schreibens wirkte sich dieses Werkzeug sehr positiv aus. Die Blog-Texte wurden sorgsam überarbeitet und z.T. mit Bildern illustriert. Zur Bildbearbeitung selbst kamen in allen Kursen erstaunlich wenige Nachfragen. Es ist anzunehmen, dass hier bei Bedarf Familienmitglieder oder Freunde zu Rate gezogen wurden.

1
Online Tutoring Journal, Ausgabe 2 (5), April 2007, Meister, H.: Senioren lernen online, S. 1.  

Thema der aktuellen Ausgabe: "Wie Teletutoren selbstorganisiertes Lernen fördern können"

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 Experteninterview mit Dr. Ulrike Cress

 Artikel: Das Lerntagebuch als Methode

 Erfahrungsbericht: Senioren lernen online

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