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Jobbörse für qualifizierte Teletutoren

Nina Göddertz, Timo van Treeck, Mirco Wieg:

"Zwischen trügerischer Ruhe und fieberhafter Arbeit - Betreuung von Blended Learning Seminaren"

Abstract: Die Autoren beschreiben ein erfolgreiches Blended-Learning-Angebot für Studierende und demonstrieren anschaulich die typischen "Klippen", die es als TeletutorIn im Laufe eines Semesters zu "umschiffen" gilt. Originalzitate von Teilnehmenden und TeletutorInnen sorgen für Authentizität der Darstellung, die abgerundet wird durch eine Schätzung des (häufig unterschätzten) Zeitbedarfs der TeletutorInnen für die Seminarbetreuung.

Ein nächtliches Szenario
Es ist Dienstagabend, 23.56 Uhr, nur kurz noch einen Blick auf die ILIAS-Lernplattform werfen. Nur, um sich zu vergewissern, dass alles gut läuft und anschließend beruhigt ins Bett fallen. Soweit der Plan.
Bereits bei der Eingabe meines Namens und Passwortes beschleicht mich ein ungutes Gefühl, seltsam ruhig gewesen den ganzen Tag: Keine verzweifelten E-Mails, weil die Arbeitsaufgaben nicht gefunden wurden, keine Nachricht über panische Forumsbeiträge, weil der Chat auf einmal leer war und nun vermeintlich nicht exportiert werden konnte. Doch kaum auf meinem persönlichen Schreibtisch angekommen, bestätigt sich meine Vorahnung, denn in meinem Postfach türmen sich E-Mails und Nachrichten über Forenbeiträge. Das Versenden von Nachrichten an den privaten E-Mail-Account war bei einem Update nicht aktiviert worden, weshalb ich auch keine einzige Mail über die neuen Foreneinträge erhielt.
Also durchatmen und eins nach dem anderen. Die Moderatorin der Gruppe A versucht seit heute Mittag mich zu erreichen und schrieb im Ganzen drei E-Mails mit den Betreffen „wird evtl. knapp“, „wird bestimmt knapp“ und „klappt auf gar keinen Fall“. Gemeint ist ein Termin, den die Gruppe mit einer Schule hätte vereinbaren sollen, um sich vor Ort per Interviews über ein Streitschlichtungsprogramm zu informieren. „Terminliche Absprachen mit LehrerInnen kurz vor den Weihnachstferien zu treffen, ist einfach unmöglich“, schreibt die Gruppenmoderatorin. In einer beschwichtigenden E-Mail biete ich einen Chattermin für den darauffolgenden Tag an, um den schlimmsten Ärger zu besänftigen und mache ihr Mut, dass das bestimmt noch klappen wird. Eine Einschätzung, die sich angesichts der von der Gruppe vorzüglich bearbeiteten Aufgabe zum Glück dann auch bestätigt.
Natürlich ist dieses geschilderte Szenario nicht der Normalfall, sondern der Super-Gau: die Abgabefrist für die Arbeiten der Studierenden ist nicht mehr weit, Weihnachten steht kurz bevor und zu allem Überfluss streikt die Technik. Beachtlich ist aber: selbst dann wenn in einem eLearning-Seminar solche Probleme auftauchen, fällt die Bewertung dieser Seminarform an der Heine-Universität Düsseldorf überaus positiv aus (vgl. Abb. 1).


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Abb. 1: Evaluationshighlights

Für die guten Ergebnisse sind verantwortlich: einerseits die engagierte, zeitaufwändige teletutorielle Betreuung, andererseits aber auch die Seminarform selbst, die als Blended-Learning-Setting gewissermaßen das Beste aus Präsenz- und Onlinelehre kombiniert.

Rahmen und Struktur - Informationen zum Bildungsangebot

Das Konzept der hier dargestellten teletutoriell begleiteten Blended-Learning-Angebote ist aus dem von 2001-2003 vom BMBF geförderten Projekt „Online-Lehrbuch Jugendforschung“ hervorgegangen. Damals wurden 20 Lernmodule zum Thema Jugendforschung entwickelt, die sich an Studierende der Erziehungswissenschaften, der Entwicklungspsychologie sowie an Lehramtsstudierende richteten (Modulübersicht unter www.online-lehrbuch.de). Nach Projektende wurden weitere Seminare für die Fächer Kunstgeschichte, Sozialwissenschaften (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf) sowie Sozial- und Kulturwissenschaften (FH Düsseldorf) entwickelt und durchgeführt.

Überblick über das Seminarkonzept

Die Seminarinhalte werden auf der Lernplattform ILIAS studentischen Kleingruppen von circa fünf Studierenden bereitgestellt. Die Arbeitsaufgaben innerhalb der Lernmodule sind so gestaltet, dass sie unterschiedliche Herausforderungen für die Gliederung in Teilaufgaben und für die Gruppenarbeit mit sich bringen (Sammlung von Links, Sammlung, Diskussion und Darstellung von Forschungsergebnissen, Porträts von Einrichtungen, Reportagen über pädagogische Projekte, Theorie- und Praxisaufgaben).
Mittels Foren, Mails und Chats tauschen sich die TeilnehmerInnen in Kleingruppen bei der Aufgabenbearbeitung aus und erhalten zu jedem Modul eine ausführliche schriftliche Rückmeldung. Sie umfasst formale und inhaltliche Kriterien, aber auch ein Feedback zum online dokumentierten Verlauf der Gruppenarbeit. Um die Koordination der Gruppenarbeit zu erleichtern, übernimmt jeweils ein Gruppenmitglied pro Modul die Rolle des/der GruppenmoderatorIn (vgl. Abb. 2).

Abb. 2: Informationsaustausch über Kleingruppenarbeit

Ausgewählte Ergebnisse der Gruppenarbeiten werden zusätzlich von den Gruppen in Präsenzveranstaltungen präsentiert und dabei unter allen SeminarteilnehmerInnen vertiefend diskutiert (vgl. Abb. 3). Eine Präsenzveranstaltung zu Beginn des Kurses dient der Einführung in Technik und Seminarkonzeption sowie der Bildung der Arbeitsgruppen. In diesem Rahmen werden zudem die mit der Seminarform verbundenen besonderen Anforderungen an die Studierenden in den Bereichen Zeitmanagement, selbstgesteuertes Lernen und Online-Organisation von Gruppenprozessen besprochen.

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Abb. 3: Abfolge Online- und Präsenzphase

Die Online- und Präsenzphasen sind somit eng miteinander verzahnt. Die Lernmodule werden zeitlich getaktet mit einer Bearbeitungszeit von 14 oder bei Praxismodulen 21 Tagen nacheinander freigegeben.

- Lesen Sie weiter auf S. 2 -

1
Online Tutoring Journal, Ausgabe 2(9), April 2008, Göddertz et al. Trügerische Ruhe, S. 1.  

Thema der aktuellen Ausgabe: "Aus der Praxis für die Praxis"

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 Editorial

 Experteninterview mit Amer Kakish (Questionmark): Best Practice Beispiele als Kommunikationsanlass

 Artikel: Gendersensibles Teletutoring für lernentwöhnte Zielgruppen

 Artikel: Zwischen trügerischer Ruhe und fieberhafter Arbeit - Betreuung von Blended Learning Seminaren

 Proposals Ausgabe 3/2008

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