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Annett Kienitz:

Online-Lernen mit Betreuung - ein Erfahrungsbericht (2)

Bisher habe ich über Kurse berichtet, in welchen die Kommunikation fast ausschließlich asynchron ablief.

Inzwischen erlangte eine weitere Form des Online-Lernens meine Aufmerksamkeit: das Live-Online-Lernen. Zunächst meldete ich mich zu einigen Schnupperstunden an. Meine ersten Live-Online-Stunden im virtuellen Klassenraum erlebte ich als ziemlich anstrengend. Das Arbeiten unter Kopfhörern war ungewohnt, zusätzlich zum vermittelten Inhalt musste die Software bedient werden: eine Taste zum Sprechen gedrückt, die Werkzeuge für das Schreiben auf das Whiteboard sinnvoll benutzt werden, Feedbacksymbole angeklickt werden etc.pp. Die Sprachübertragung erfolgte manchmal etwas zeitversetzt, auch dies war gewöhnungsbedürftig.

Live-Online-Trainings bieten die Möglichkeit, innerhalb recht kurzer Zeit ortsunabhängig ein Thema zu behandeln und ein unmittelbares Feedback auf Fragen zu bekommen. Ein weiteres interessantes Feld für Online-Trainer.

Ich nahm also an einer Kursreihe für Live-Online-Trainer teil. Hier ging es ähnlich wie im zuerst erwähnten Online-Kurs für Online-Trainer darum, Online-Kurse zu konzipieren, ein Seminardrehbuch und die Seminarmaterialien zu erstellen, die zur Verfügung stehenden Werkzeuge kennenzulernen und sinnvoll einzusetzen und auch der Umgang mit Störungen wurde thematisiert. Das alles speziell für Live-Online-Kurse, und am Kursende führte jede/r Teilnehmer/in eine eigene kleine Live-Online-Schulung durch.

Jetzt wollte ich auch Live-Online-Seminare als Teilnehmerin erleben.

Eine hervorragende Möglichkeit dazu bietet meine Mitgliedschaft im Teletutoren-Netzwerk. Hier werden regelmäßig Qualitätszirkel und Qualifizierungsworkshops zu verschiedenen für Online-Trainer/innen interessanten Themen durchgeführt, z.B. über NLP, Laterales und Paralleles Denken, Accelerated Learning, Moodle, Online-Coaching und vieles mehr. Die Teilnahme an diesen Veranstaltungen bietet neben den eigentlichen Inhalten die Möglichkeit, zu erleben, wie Kolleg/innen ihre Online-Seminare gestalten und so von ihnen zu lernen. Mal gibt es mehr, mal gibt es weniger Interaktionen. Häufig wird zum Seminarende hin die Zeit knapp. Einmal weil sehr viel Inhalt vermittelt werden soll, aber auch, weil die Teilnehmer/innen eben geübte Live-Online-Lerner/innen sind und sich sehr aktiv beteiligen.
Und immer mal wieder tauchen technische Hürden auf, meist mit der Audioübertragung: jemand ist dann nicht, zu leise oder nur zeitweise zu hören.

Auch auf dem freien Markt habe ich nach Angeboten für Live-Online-Seminare gesucht und ein für mich attraktives Angebot für Office-Schulungen entdeckt und daraufhin ein Seminar gebucht. Da als Virtuelles Klassenzimmer Centra benutzt wurde, fühlte ich mich dort gleich sicher und war gespannt, wie hier das Live-Online-Seminar ablaufen würde. Aber genau am Seminartag flog ich wegen schlechter Internetverbindung nach kurzer Zeit aus dem Seminarraum. Wie sich dann herausstellte, war meine eigene Netzwerk-Hardware defekt, so ein Pech. Das war nun mein eigenes Risiko. Trotzdem hätte ich mich sehr gefreut, wenn ich aus Kulanz einen freien Platz an einem anderen Seminartag bekommen hätte. Diese Möglichkeit wurde mir jedoch leider nicht eingeräumt.

Mein Fazit:

Obwohl ich Präsenzseminare auch nicht missen möchte, nehme ich gerne an Online-Kursen teil.

Ein wesentlicher Vorteil ist dabei die Ortsunabhängigkeit. Ich kann mich mit Themen beschäftigen, die hier vor Ort im Norden Deutschlands gar nicht oder nicht zum gewünschten Zeitpunkt angeboten werden. Die zeitliche Flexibilität ist ein weiterer Vorteil. Dabei ist allerdings zu beachten, dass man in der Online-Seminarzeit auch wirklich Zeit für die Beschäftigung mit den Lernmaterialien haben sollte. Gerade in den asynchronen Online-Kursen gibt es viel zu lesen, die Lernaufgaben wollen schriftlich bearbeitet werden, und der Blick in die Beiträge der Mitlernenden beansprucht auch seine Zeit.

Nach meiner Erfahrung ist die in den Seminarbeschreibungen veranschlagte Lernzeit eher knapp bemessen und reicht gerade für die Bearbeitung der eigenen Aufgaben, und die Kommunikation innerhalb der Lerngruppe erfordert zusätzlich Zeit. Ich konnte mein Lernpensum meist gut schaffen, da ich in Zeiten mit geringen anderen zeitlichen bzw. beruflichen Anforderungen an Online-Kursen teilnahm. Häufig erlebte ich jedoch, dass zum Seminarende hin die Beteiligung geringer wurde, gerade bei den relativ kurzen Workshops, bei denen täglich eine neue Lernaufgabe zu bearbeiten war.

Zu jeder bearbeiteten Lernaufgabe gehört ein Feedback durch die Online-Trainer/innen bzw. Workshopleiter/innen (Sonst bräuchte man ja keine betreuten Kurs zu belegen) Die Antworten auf Fragen als auch das Feedback zu den bearbeiteten Lernaufgaben erfolgten meist sehr schnell und kompetent.

Auch wenn ein Online-Kurs als Gruppenkurs ausgeschrieben ist und es um sehr fachbezogene Kursinhalte geht (eher Wissensvermittlung), lernt man meist eher allein. Trotzdem ist der eigene Lernfortschritt innerhalb des Kurses öffentlich.

Deshalb gehört für mich zu einer angenehmen Lernatmosphäre unbedingt, dass sich die Teilnehmer/innen zu Kursbeginn vorstellen und alle mit ihren echten Namen auftreten.

Hilfreich für den eigenen Lernprozess (und manchmal auch für bzw. gegen den inneren Schweinehund) sind verbindliche Abgabetermine für Lernaufgaben und dann eine rasche Rückmeldung dazu.

Die leichte, am besten intuitive, Bedienbarkeit der verwendeten Lernplattform ist ebenso ein wesentliches Kriterium für einen angenehmen Kursverlauf. Weniger ist da oft mehr, und Übersichtlichkeit ist sehr wichtig.

Gerade bei den asynchronen Online-Kursen ist es ganz wichtig, sehr verständlich und klar formulierte Lernunterlagen zu erhalten. Schließlich kann man nicht mal eben nachfragen, sondern muss wiederum seine Frage gut formulieren und auf eine Antwort auch etwas warten können.

Für die Kursauswahl sehr wichtig ist auch die Kursbeschreibung. Diese sollte über die Kursinhalte sowie den Kursablauf informieren und daher nicht zu knapp ausfallen.

Weitere wichtige Kriterien sind natürlich der Anmeldevorgang, sowie die Kosten und auch die Art der Bezahlung.

Für Live-Online-Kurse sollte es vorab die Möglichkeit geben zu testen, ob man mit der eigenen technischen Ausstattung teilnehmen kann. Hierzu sind auch Informationen über die technischen Voraussetzungen wichtig sowie eventuell eine Beschreibung der Softwareinstallation. Auch hier sollte man mit seinem echten Namen auftreten.

Online-Lernen, gerade auch mit Betreuung lohnt sich, und erweitert die Möglichkeiten, Lernangebote wahrzunehmen, beträchtlich.

Download des Arikels als PDF

Über die Autorin

Dipl. Ing. Annett Kienitz ist sowohl im Präsenz- als auch im Onlinebereich als EDV-Trainerin und Teletutorin tätig. Schwerpunktmäßig schult sie Anwender/innen zu den Grundlagen der EDV und Computerbenutzung, Internetnutzung, zu den Office-Programmen sowie der Benutzung firmenspezifischer Anwendersoftware.

 

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Online Tutoring Journal, Ausgabe 1(12), April 2009, Kienitz, A.: Online-Lernen mit Betreuung, S. 2.  

Thema der aktuellen Ausgabe: "Stolpersteine und Hürden beim Online-Lernen"

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