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Gabriela Pflüger :

"Praxis des Virtual Classroom"

Abstract
In diesem einführenden Artikel werden die Grundbegriffe des virtuellen Klassenzimmers erklärt und auf die Fähigkeiten eingegangen, die ein Teletutor oder Online-Moderator für das Live-Training im Virtual Classroom benötigt.

Einleitung
„Virtual Classroom“ oder „Virtuelles Klassenzimmer“ nennt man eine Software, die Elemente aus einem realen Seminarraum im Internet oder Intranet abbildet, um Lernende an verteilten Standorten gemeinsam und zeitgleich bzw. synchron an einem dozentengeleiteten Seminar teilnehmen lassen zu können, ohne Reisekosten und -zeit aufwenden zu müssen.
Virtuelle Klassenzimmer ermöglichen es demnach, an live im Internet stattfindenden Seminaren (auch: „Webinare“ oder „Live-E-Learning“ genannt) teilzunehmen und mit dem Dozenten und anderen Teilnehmern in Echtzeit-Kontakt zu treten. Im Unterschied zu asynchronen Formen der Kommunikation können Fragen zu Lerninhalten oder zum Kursablauf unmittelbar gestellt und direkt beantwortet werden und von der ganzen Lerngruppe gleichzeitig erfasst werden.
Bei der selbstständigen Erarbeitung von Lerninhalten mittels eines CBTs, WBTs oder Studienbriefes ist der Lernende weitgehend auf sich alleine gestellt. Beim Live-E-Learning im virtuellen Klassenzimmer tritt der soziale Aspekt des Lernens dagegen stärker in den Vordergrund. Zudem kann sich der Dozent oder Moderator eher am Vorwissen der Lerngruppe orientieren und die Unterrichtsinhalte dahingehend modifizieren und differenzieren. Wie in einem realen Seminarraum können jederzeit Fragen gestellt und Diskussionen geführt werden. In Gruppenräumen („Break-Out Groups“), die der Moderator kurzfristig einrichten kann, können die Teilnehmer der Session in Teams oder Kleingruppen vertiefende oder weiterführende Fragestellungen erarbeiten und anschließend im Plenum bzw. Hauptraum vorstellen.
Dieses flexible Eingehen auf die Lernenden im Virtual Classroom wird von einer Reihe an Funktionen wie Whiteboard, Shared Pointer u.a. unterstützt, die den aus Präsenzseminaren bekannten Werkzeugen wie Tafel, Zeigestock etc. ähneln (vgl. 1.).
Die Vorbereitung von Unterrichtssessions im virtuellen Klassenzimmer ist dabei je nach didaktischem Anspruch und zu vermittelndem Inhalt arbeitsintensiv, da auch die Interaktionen detailliert geplant und vorbereitet werden müssen. im Vergleich zur Gestaltung herkömmlicher E-Learning-Materialien wie WBT oder CBT sind Live-Sessions jedoch kostengünstig und schnell zu realisieren. Auch die Durchführung einer Session selbst ist - zumindest bis eine gewisse Routine vorhanden ist im Umgang mit dem Medium - anstrengend für den Online-Dozenten, dieser kann aber durch den Einsatz eines Co-Moderators mit fest gelegten Aufgaben hervorragend unterstützt werden (vgl. 1.3.). Auf der Teilnehmerseite sind neben dem Kauf eines Headsets mit Mikro, der Installation der Client-Software und einem kurzen Technik-Check keine weiteren Anforderungen zu erfüllen. Teilnehmer gut gestalteter Live-Seminare im virtuellen Klassenzimmer sind in der Regel begeistert von dieser modernen Möglichkeit des Fernunterrichts.

1. Tools im Virtual Classroom
Die meisten der im Folgenden beschriebenen Funktionen ähneln sich auf den verschiedenen auf dem Markt erhältlichen Plattformen. Dennoch gibt es Unterschiede, wie z.B. ob Werkzeuge wie das Whiteboard gemeinsam und zeitgleich benutzt werden können, oder ob nacheinander und nur nach Freigabe durch den Moderator oder Co-Moderator damit gearbeitet werden kann.
Die Anzahl und die funktionale Ausgestaltung der zur Verfügung stehenden Tools entscheidet dabei über die Möglichkeit, hochinteraktive Sessions gestalten zu können (vgl. auch Artikel von Matthias Rückel). Das zugrundeliegende didaktische Konzept und dessen kreative Umsetzung durch den Online-Dozenten bildet den Rahmen für einen individuell zu erstellenden Sitzungsleitfaden, in welchem in einer Art Dramaturgie der Einsatz der zur Verfügung stehenden Werkzeuge an geeigneten Stellen des Unterrichtsverlaufs festgelegt wird.

1.1. Whiteboard, Shared Pointer, Synchrones Browsen, Application Sharing
Das Whiteboard entspricht der Tafel oder dem Flipchart im herkömmlichen Klassenzimmer. Die anfangs leere Fläche im Hauptfenster kann vom Online-Dozenten oder einem autorisierten Teilnehmer für alle im virtuellen Seminarraum Anwesenden sichtbar beschrieben oder bemalt werden. Als Werkzeuge für die Arbeit auf dem Whiteboard stehen Zeichen-, Text- und Malwerkzeuge, wie sie aus MS Paint, Powerpoint oder Word bekannt sind, zur Verfügung. Manche Whiteboards erlauben auch das Beschreiben und Bearbeiten von als Hintergrund hinterlegten Grafiken oder Folien. In der Regel lassen sich die auf dem Whiteboard erstellten Dateien lokal auf den Rechnern der Teilnehmer abspeichern und ausdrucken.
Der Shared Pointer ist eine Art Zeigestock, der medienunabhängig über den gesamten Bildschirm zum Einsatz kommen kann. Mit Hilfe dieses Werkzeugs kann der Dozent z.B. Details präsentierter Folien hervorheben und rasch auf das Wesentliche eines demonstrierten Inhalts aufmerksam machen.
Synchrones Browsen oder „Websafari“ ist der Begriff für das gemeinsame Surfen von Teilnehmern und Moderator während einer Session im Web. Beim Aufruf einer HTML-Seite im virtuellen Seminarraum oder beim Folgen eines Hyperlinks werden gleichzeitig bzw. synchron die Seiten der Teilnehmer aktualisiert. In der Regel können die Seminarteilnehmer auch individuell weitersurfen um z.B. eine kurze Selbstlernphase zu absolvieren oder um individuelle Aufgabenstellungen zu erledigen.

Gerade im Bereich von Softwareschulungen ist Application Sharing weit verbreitet (vgl. Artikel von Annett Kienitz), da damit gemeinsam auf Dokumente und Programme zugegriffen werden kann, die auf dem Rechner des Dozenten oder eines Teilnehmers vorhanden sind, ohne dass diese Dokumente oder Programme auf dem eigenen PC installiert sein müssen. Im Rahmen von Kleingruppenarbeit (vgl. 1.3. Break-Out Gruppen), kann auf diese Weise sehr intensiv gearbeitet werden, da durch Application Sharing z.B. gemeinsames Mindmapping zur Ideenfindung und -strukturierung aber auch das gemeinsame Erstellen von Text- oder Tabellendokumenten problemlos möglich ist.

1
Online Tutoring Journal, Ausgabe 1 (4), 2007, Pflüger, G.: Praxis des Virtual Classroom, S.1.  

Thema der aktuellen Ausgabe: "Methodik und Didaktik des Live-E-Learning im virtuellen Klassenzimmer"

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 Editorial

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