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Matthias Rückel:

"Das Interaktionsradar - Vergleich der methodisch-didaktischen Möglichkeiten im virtuellen Klassenzimmer"

Abstract
In diesem Artikel wird ein Modell vorgestellt, mit dem die Werkzeuge virtueller Klassenzimmer, die Basis der methodischen und didaktischen Gestaltung einer Session sind, anschaulich verglichen werden können.

Gerade für Live-Online-Trainings gilt die Regel, dass die Funktionen im virtuellen Klassenraum nach methodisch-didaktischen Gesichtspunkten beurteilt werden und keinen Selbstzweck darstellen sollten. Mehr Funktionen oder Werkzeuge bedeuten nicht zwangsläufig einen besseren und interaktiveren Live-Online-Unterricht. Trotzdem steht bei der Auswahl eines virtuellen Klassenraums viel zu häufig die Anzahl der technischen Funktionen im Vordergrund.

Tabellarische Vergleiche virtueller Klassenräume bieten zwar eine schnelle und bequeme Möglichkeit zu erkennen, ob ein System über eine gewünschte Funktion verfügt. Was im Detail das Whiteboard (virtuelle Wandtafel) oder das Application Sharing bietet, ist den Tabellen leider nicht zu entnehmen, ebenso wenig wie das Zusammenspiel der einzelnen Funktionen als „Orchester“. Im Zentrum der Beurteilung der interaktiven Funktionen sollte daher nicht ihre Anzahl stehen, sondern ob eine angemessene Umsetzung von Übungen, Aufgaben und Visualisierungen mit Hilfe der Software möglich ist.

Wie notwendig oder angemessen ein Werkzeug ist, hängt zum einen von den Lehrinhalten ab. EDV-Trainings in virtuellen Räumen benötigen eine andere funktionale Unterstützung als Sprachtrainings oder Verhaltenstrainings. Werden rhetorische Verhandlungstricks im virtuellen Raum geschult, sind hochauflösende und gute Videobilder sinnvoll, für EDV-Trainings dagegen ist Application Sharing mit Vollbild-Modus von zentraler Bedeutung. Über diese Inhalte hinaus stellt das Veranstaltungsformat weitere Anforderungen. Vorträge mit einer sehr großen Teilnehmerzahl benötigen eine bessere Unterstützung des Teilnehmer- und Einladungsmanagements als kleine interaktive Seminare mit Gruppenarbeit. Was sind die Lernziele und die Zielgruppe? Welche Ressourcen und Übungen möchte ich mit welchen Zielsetzungen nutzen? Im Idealfall stellt sich erst nach der Beantwortung dieser Frage die nächste: Welcher virtuelle Klassenraum erfüllt diese Anforderungen?

Steht der virtuelle Klassenraum hingegen schon zu Beginn fest, ist zu überlegen, wie die Lernziele mit dem vorhandenen System erreicht werden können.

„Gemeinsames Surfen“ als methodisches Element

Nehmen wir als Beispiel ein Sprachtraining. Für Sprachtrainings im virtuellen Klassenraum ist es sinnvoll die Ressourcen des Internets im Unterricht einzubinden. Im Internet gibt es eine Vielzahl von Wörterbüchern, Lexika und interaktiven Übungen, die im Sprachunterricht genutzt werden können. Darüber hinaus bieten Webseiten der Nachrichtenagenturen die wunderbare Möglichkeit aktuelle Ereignisse in den Unterricht einzubinden. Folgerichtig ist die Möglichkeit zum „gemeinsamen Surfen“ für Sprachtrainings in virtuellen Klassenraum von großer Bedeutung. Viele virtuelle Klassenräume bieten spezielle Funktionen zum sogenannten „Co-Browsing“ an. Können Sprachtrainings deshalb nur in virtuellen Räumen mit dieser Funktion durchgeführt werden? Mitnichten, denn auch ohne spezielle Co-Browsing-Funktionalität gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten Webseiten im Unterricht einzubinden. Ob Sie ausreichen, hängt von der konkreten methodischen und didaktischen Zielsetzung und den daraus resultierenden Interaktionen und Übungen ab.

Ein Link in einem Textchat stellt die einfachste Möglichkeit dar, eine Webseite in ein Live-Online-Training zu integrieren. Die Teilnehmer klicken selbstständig auf den Link und surfen in einem separaten Fenster.
Möchten Sie hingegen als Trainer gemeinsam mit den Teilnehmern eine Webseite besuchen, leistet die Funktion „Application Sharing“ sehr gute Dienste.

Für eine intensive Diskussion im Unterricht, ist es unter Umständen sinnvoll, die Webseite mit einer „Schnappschuss-Funktion“ zu fotografieren und mit Hilfe des Whiteboards wichtige Stellen zu markieren oder als Basis für einen Lückentext zu nutzen.

Die gezeigten Beispiele sollen und können „echte“ Co-Browsing-Szenarien in ihrer ganzen Breite nicht ersetzen. Sie zeigen aber, dass methodische Ansätze in ihrer konkreten Umsetzung nicht als „Funktionsliste“ missinterpretiert werden dürfen. Viele funktionale Wege führen zum didaktischen „Rom“.

Doch welche „Grundkategorien“ gibt es im virtuellen Klassenraum und wie lassen sich die umfangreichen Funktionslisten der Systeme diesen zuordnen?

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Online Tutoring Journal, Ausgabe 1 (4), 2007, Rückel, M.: Das Interaktionsradar, S. 1.  

Thema der aktuellen Ausgabe: "Methodik und Didaktik des Live-E-Learning im virtuellen Klassenzimmer"

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 Experteninterview mit Lore Reß

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