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Dr. Ojstersek, Nadine:

"E-Learning-Qualität aus der Lernendenperspektive"

Abstract:
Qualitätsentwicklung stellt einen wichtigen Faktor für das E-Learning dar. Geht es um die Frage, was unter Qualität zu verstehen ist, wird zur Beantwortung dieser Frage verstärkt die Perspektive der Lernenden berücksichtigt. Kennzeichnend für diese Subjektorientierung ist die Auffassung, dass Qualität entsprechend das ist, was Lernende sich wünschen sowie aktuelle Entwicklungen prozessbezogener Qualitätsmanagementansätze und -standards. Im Rahmen dieser Konzepte verspricht die Ermittlung von Qualitätsansprüchen aus der Perspektive von Lernenden wichtige Anhaltspunkte für die Qualitätsentwicklung und -sicherung. In diesem Beitrag wird anhand eines Beispiels aufgezeigt, welche Qualitätsansprüche im Bereich „Tutorielle Betreuung“ ermittelt werden konnten und welche Konsequenzen sich hieraus ableiten lassen.

Verständnis von E-Learning-Qualität
Ebenso wie in der Weiterbildungspraxis, rücken auch in der aktuellen Diskussion hinsichtlich der Frage, was unter Qualität beim E-Learning zu verstehen ist, die Lernenden und ihre Ansprüche an die Qualität eines Lernangebotes in den Vordergrund. Nicht mehr alleine die Festlegung und Überprüfung objektiver Qualitätskriterien und -standards werden zur Beurteilung der Qualität herangezogen.
Die Qualität von E-Learning kann nicht per se zugeschrieben werden. Sie entsteht erst im Prozess des Lernens und wird von den Lernenden mitbestimmt (vgl. Kerres 2001). Daher sollte ein ausgewogenes Qualitätskonzept neben der Perspektive des Bildungsanbieters insbesondere die der Lernenden berücksichtigen. Aus diesem Grund ist es kaum möglich, die Qualität eines E-Learning-Angebotes vorab zu bestimmen.
Die verstärkte Selbststeuerung und Eigenverantwortung der Lernenden wird insbesondere durch die aktuellen Web 2.0-Diskussionen deutlich [Linktipp]. Die Lernenden werden durch das Erstellen und Modifizieren von Beiträgen in einem Wiki aktiv an der Produktion eines Bildungsangebotes beteiligt. Diese produzierten Inhalte können im Rahmen des E-Learning-Angebotes zukünftigen Lernenden zur Verfügung gestellt werden. Ebenso werden bei der Lösung von Lernaufgaben größere Freiräume hinsichtlich der Art der Bearbeitung und der Medienwahl eingeräumt. Hierbei handelt es sich um einen interaktiven Prozess mit zumeist nicht klar definierbarem Ausgang. Infolgedessen sind neben dem Bildungsanbieter zunehmend auch die Lernenden für die Qualität verantwortlich. Ein solches Qualitätsverständnis setzt voraus, dass seitens der Lernenden ein Bewusstsein für die eigene Verantwortung hinsichtlich des Entstehens von Lernqualität geschaffen wird. Auf Seiten des Bildungsanbieters ist vor allem eine hohe Lernendenorientierung erforderlich. Aus dieser Perspektive betrachtet, ist „Qualität“ schwer standardisierbar.

Einige Initiativen und Organisationen haben es sich zum Ziel gesetzt, nachhaltig hochwertige Qualität und neue Standards im E-Learning zu entwickeln [Linktipp: Qualitätsinitiative E-Learning in Deutschland und Qualitätssiegel E-Learning].  Kennzeichnend für die beschriebene Subjektorientierung ist die Verbreitung und zunehmende Bedeutung prozessbezogener Qualitätsmanagementansätze und -standards (z.B. EFQM, ISO Normreihe, Publicly Available Specification), die versuchen, den kompletten Entwicklungszyklus eines E-Learning-Angebots und somit auch die tutorielle Betreuung zu erfassen.

 

Es gibt jedoch keine allgemeingültigen Rezepte für die Qualitätsentwicklung und -sicherung. Auch wenn Qualitätskriterienkataloge einige Anhaltspunkte bieten, ist der Qualitätsanspruch abhängig von den Lernenden und dem jeweiligen Szenario. Die folgenden Ausführungen haben daher nicht den Anspruch einer Standardlösung, sondern zeigen exemplarisch auf, welche Erwartungen von Lernenden im Rahmen eines spezifischen Szenarios mit dem Qualitätsfeld „Betreuung“ verknüpft sein können.

Qualitätsfeld Betreuung
Es lassen sich verschiedene Bereiche unterscheiden, mit denen die Qualität beim E-Learning aus Sicht der Lernenden beschrieben werden kann. In einem von Ehlers (2004b) konstruierten Qualitätsmodell werden die Erwartungen von Lernenden an E-Learning-Angebote in den Vordergrund gestellt und sieben Qualitätsfelder ermittelt. Ihr Zusammenspiel bestimmt die Qualität des Lernangebotes. Das Qualitätsfeld „Tutorielle Betreuung“, auf das im Folgenden näher eingegangen wird, umfasst die Erwartungen und Qualitätsansprüche der Lernenden hinsichtlich der Betreuung. Hierzu zählen tutorielle Aufgaben, Verhaltensanforderungen, Ansprüche an die Verfügbarkeit sowie Qualifikationsanforderungen und Aussagen über gewünschte Kommunikationsmedien. Dieses Qualifikationsfeld steht in enger Verbindung mit den Qualifikationsfeldern „Kollaboration“, „Technologie“, „Kosten-Erwartung-Nutzen“, „Informationstransparenz bei Angebot/Anbieter“, „Kursverlauf/Präsenzveranstaltungen“ und „Didaktik“. Den einzelnen Feldern lassen sich verschiedene Qualitätsansprüche der Lernenden zuordnen. Hierzu zählen im Qualitätsfeld „Tutorielle Betreuung“ etwa die Interaktionsorientierung, die E-Moderation, das Tutorverhalten (Lerner- u. Inhaltsorientierung), die individualisierte Unterstützung der Lernenden sowie die Entwicklungs- und Lernförderung. Ein eigenständiges Qualitätsfeld für die tutorielle Betreuung ist durch die Erkenntnis gerechtfertigt, dass die Betreuungskomponente eine wesentliche Rolle für den Erfolg beim E-Learning spielt.

Ansprüche an die Betreuungsintensität
Es wurde bereits auf die Abhängigkeit des didaktischen Feldes und der jeweils einzigartigen Ausgangslage (vgl. Kerres 2001) im Hinblick auf das Verständnis von E-Learning-Qualität hingewiesen. So sind die Qualitätsansprüche seitens der Lernenden von unterschiedlichen Faktoren (bildungsbiographischen Erfahrungen, individuellen Lernkompetenzen etc.) abhängig. Es lassen sich verschiedene Typen von Lernenden mit unterschiedlichen Erwartungen an die tutorielle Betreuung unterscheiden und in drei Bereiche zusammenfassen: Lernende mit geringen, mittleren und hohen Erwartungen an die Betreuungsintensität (vgl. Ehlers 2004a, MMB 2004, Ojstersek 2007): Lernende mit geringen Erwartungen an die Betreuungsintensität sind inhaltsorientierter und lernen bevorzugt in Eigeninitiative. Sie nehmen vor allem Unterstützung im inhaltlichen Bereich in Anspruch. Eine indirekte fachliche Betreuung, die nur bei Bedarf kontaktiert wird, könnte die Bedürfnisse der Lernenden besonders berücksichtigen. Die Lernenden mit mittleren Erwartungen an die Betreuungsintensität lernen bevorzugt eigenständig und zielorientiert. Sie können bei ihrer Zielerreichung unterstützt werden, indem die Betreuenden den Lernprozess beobachten und bei Gefährdung der Zielerreichung Hilfestellungen anbieten. Darüber hinaus sollten vielfältige fachliche Austauschmöglichkeiten angeboten werden.

- Lesen Sie weiter auf S. 2-

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Online Tutoring Journal, Ausgabe 1(8), Januar 2008, Ojstersek: Lernendenperspektive, S. 1.  

Thema der aktuellen Ausgabe: "Was bedeutet Qualität beim E-Learning"

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 Editorial

 Experteninterview mit Dr. Thomas Jechle und Karsten Bieberle (tele-akademie Furtwangen)

 Artikel: Qualitätsmanagement von Online-Kursen

 Artikel: E-Learning-Qualität aus der Lernendenperspektive

   Artikel: Standards- Qualität - Zertifizierung

 Proposals Ausgabe 2/2008

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