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Dr. Ojstersek, Nadine:

"E-Learning-Qualität aus der Lernendenperspektive" (2)

Die meisten Lernenden haben das Bedürfnis nach einer intensiven, aktiven und lernerorientierten Betreuung in fachlicher und pädagogischer Hinsicht. Diese kann durch einen vielfältigen Medieneinsatz erfolgen, um verschiedene Möglichkeiten der Kommunikation zu ermöglichen. Die Lernenden erwarten insbesondere im didaktischen Bereich Unterstützung und wünschen sich face-to-face-Kontakte.
Entsprechend der identifizierten Bedürfnisse können die Unterstützungsmaßnahmen gestaltet und die heterogenen Erwartungen der Lernenden an die Betreuung berücksichtigt werden.

Qualitätsansprüche von Lernenden an die Betreuung
Qualitätssicherung und -verbesserung sind die zentralen Ziele der Evaluation von E-Learning-Angeboten. Aus den Ergebnissen können praktische Konsequenzen für die Weiterentwicklung des Lernangebotes abgeleitet werden. Im Rahmen der Evaluation des weiterbildenden Online-Studienprogramms Educational Medien [Link; Literatur: Ojstersek 2007] wurde eine Befragung der Lernenden durchgeführt, um ihre Erwartungen an die Betreuung zu ermitteln.
Diese Erwartungen wurden erfasst und faktorenanalytisch zu den Dimensionen „Didaktik/Methodik und face-to-face-Kontakt“, „persönliche Beziehung und Erreichbarkeit“, „fachliche Unterstützung“ sowie „Intensität der Betreuung“ gebündelt. Diese Dimensionen können als Untergliederung des Qualitätsfeldes „Tutorielle Betreuung“ betrachtet werden. Die Evaluationsergebnisse zeigen, dass die Ansprüche der Lernenden hinsichtlich aller Dimensionen hoch sind. Neben der didaktisch-methodischen Unterstützung bewerten die Lernenden den face-to-face-Kontakt als besonders wichtig.

Gerade zu Beginn eines Lernangebotes ist insbesondere die intensive Unterstützung im technischen, sozialen sowie im didaktisch-methodischen Bereich für die Lernenden von Bedeutung. Dieser Wunsch nach einer intensiven Unterstützung und einer gewissen Fremdorganisation scheint den Grundsätzen des erwachsenengerechten, selbstgesteuerten Lernens zu widersprechen. Da zu Beginn jedoch nicht alle Lernenden über die notwendigen Kompetenzen verfügen, selbstgesteuert zu lernen, benötigen diese eine intensive Unterstützung, die schrittweise reduziert wird.

Dr. Nadine Ojstersek

Entsprechend der zunehmenden Selbstlern- und Medienkompetenzen nehmen die Erwartungen an die technische und fachliche Betreuung im Verlauf des Studiums signifikant ab. Auch der Wunsch nach einer konsequenten Einhaltung von Abgabefristen (z.B. Lernaufgabenlösungen) wird geringer. In höheren Semestern haben sich die Lernenden bereits aufeinander "eingespielt‘ und ihren eigenen Bearbeitungsrhythmus entwickelt, wodurch die Notwendigkeit der tutoriellen Unterstützung abnimmt.

Da die Studierenden zumeist beruflich und familiär stark eingebunden sind, können sie dennoch zeitweise "aus dem Takt‘ geraten. Daher wird es für die Lernenden im Studienverlauf immer wichtiger, dass ihrem Bedürfnis nach Flexibilität entsprochen wird und zugleich gewährleistet wird, dass sie ihre (Lern-)Ziele erreichen. Die didaktisch-methodische und soziale Betreuung bleibt dementsprechend über das gesamte Lernangebot hinweg außerordentlich wichtig. Ebenso bleibt das Bedürfnis nach regelmäßigen virtuellen Treffen (einmal pro Monat) mit dem Tutor bzw. der Tutorin, nach einer schnellen Beantwortung von Anfragen (zwei bis drei Werktage) und nach einem ausführlichen, schriftlichen Feedback zu Aufgabenlösungen (spätestens sieben Werktage) während des gesamten Studiums konstant.

Das Qualitätsfeld „Tutorielle Betreuung“ kann jedoch nicht alleine an den Erwartungen der Lernenden ausgerichtet werden. Die Kenntnisse über die Ansprüche und Bedürfnisse der Lernenden können jedoch einen wertvollen Beitrag zur Entwicklung eines realistisch umsetzbaren, maßgeschneiderten Betreuungskonzeptes leisten, in dem die jeweils einzigartige Ausgangslage für jedes E-Learning-Angebot Berücksichtigung findet (vgl. Kerres 2001; 2005). Auf diese Weise können die Qualitätsansprüche der Lernenden im Rahmen umfassender Qualitätssicherungsmaßnehmen integriert werden.

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Literatur:

Ehlers, U. D. (2004a): Erfolgsfaktoren für E-Learning: Die Sicht der Lernenden und mediendidaktische Konsequenzen. In S. O. Tergan & P. Schenkel (Hrsg.), Was macht E-Learning erfolgreich? Grundlagen und Instrumente der Qualitätsbeurteilung. Berlin: Springer.

Ehlers, U. D. (2004b): Qualität im E-Learning aus Lernersicht. Grundlagen, Empirie und Modellkonzeption subjektiver Qualität. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

Kerres, M. (2001): Multimediale und telemediale Lernumgebungen. Konzeption und Entwicklung. München: Oldenbourg.

Kerres, M. (2005). Didaktisches Design und eLearning. Zur didaktischen Transformation von Wissen in mediengestützte Lernangebote. In D. Miller (Hrsg.), eLearning. Eine multiperspektivische Standortbestimmung. Bern: Haupt.

MMB Institut für Medien- und Kompetenzforschung (2004). Ergebnisbericht zur Studie: eLearning-Anwendungspotentiale bei Beschäftigten. Verfügbar unter: Link

Ojstersek, N. (2007). Betreuungskonzepte beim Blended Learning. Gestaltung und Organisation tutorieller Betreuung . Münster, New York, München, Berlin: Waxmann.


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Online Tutoring Journal, Ausgabe 1(8), Januar 2008, Ojstersek: Lernendenperspektive, S. 2.  

Thema der aktuellen Ausgabe: "Was bedeutet Qualität beim E-Learning"

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 Experteninterview mit Dr. Thomas Jechle und Karsten Bieberle (tele-akademie Furtwangen)

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