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Reß, Lore :

"Standards - Qualität - Zertifizierung"

Abstract:
Standards, Qualität und Zertifizierung stehen in einem direkten Bezug zueinander. Nationale und internationale Standards werden zur Qualitätssicherung entwickelt und darauf basierende Zertifizierungen dokumentieren einen Qualitätsanspruch und helfen diesen Anspruch umzusetzen. Bei der Betrachtung der Zusammenhänge zwischen Qualität, Standards und Zertifizierungen soll hier nicht nur der besondere Aspekt des „E“-Learning betrachtet werden, sondern alle Bildungsangebote. Viele Angebote bestehen heute aus einer Kombination von Online-Lernen und Präsenzunterricht und der Begriff „eLearning“ wird vielfach (noch) als Synonym für WBTs und CBTs angesehen. Dieser Artikel gibt einen Überblick über die wichtigsten Standards und Zertifizierungen im Bildungsbereich.

Definitionen:

Normen / Standards, Spezifikationen, Modelle
Der deutsche Begriff „Norm“ wird häufig durch den internatonalen Begriff „Standard“ ersetzt. In beiden Fällen ist ein Standard ein durch ein nationales oder internationales Standardisierungsgremium veröffentlichtes Dokument. Standards sind immer Empfehlungen, keine Gesetze. Speziell im technischen Bereich ist es anzuraten die Standards einzuhalten, um am Markt konkurrenzfähig zu bleiben. Ein noch so schönes Papier hätte – zumindest im geschäftlichen Umfeld - keine Absatzchancen, wenn es nicht nach den DIN-Angaben zugeschnitten wäre. Doch nicht alles, was landläufig als „Standard“ bezeichnet wird ist auch einer. Es gibt Spezifikationen, die sich durchgesetzt haben ohne einen Standardisierungsprozess durchlaufen zu haben. Bestes Beispiel hierzu ist das Protokoll HTTP, auf dessen Basis die Internetkommunikation funktioniert. Solche Spezifikationen werden als "De-facto-Standards" bezeichnet.
Für Verbraucher, das heißt Endverbraucher und Unternehmen, sind Standards sehr wichtig. Sie bieten eine Investitionssicherheit und gewährleisten ein Zusammenspiel verschiedener Geräte und Prozesse. Entstehen konkurrierende Spezifikationen, wie aktuell gerade im Bereich HDTV, der DVD-Nachfolge, können die konkurrierenden Spezifikationen einen ganzen Markt an der Expansion hindern.

Spezifikationen sind überwiegend im technischen Bereich angesiedelt. Im Bereich eLearning ist das IMS Global Learning Consortium, Inc. führend [Link].

Ein Modell, oder besser Referenzmodell, beschreibt eine typische Anwendung. Modelle basieren in der Regel auf Standards und Spezifikationen, die zu einem Anwendungsszenario zusammengefasst werden. Im Bereich des eLearning sind dies SCORM und AICC.

Qualität, Qualitätsmanagement
In der ISO 9000 wird Qualität wie folgt beschrieben: „Vermögen einer Gesamtheit inhärenter (lat. innewohnender) Merkmale eines Produkts, eines Systems oder eines Prozesses zur Erfüllung von Forderungen von Kunden und anderen interessierten Parteien.“ Qualität beschreibt also, wie das Produkt die Ansprüche der Kunden und anderer Beteiligter erfüllt. Zur Bewertung müssen entsprechende Qualitätskriterien festgelegt werden. Diese sind in dem Qualitätsmodell beschrieben.

Als Qualitätsmanagement werden grundsätzlich alle organisierten Maßnahmen bezeichnet, die der Verbesserung von Produkten, Prozessen oder Leistungen jeglicher Art dienen.

Ein Qualitätsmanagementsystem umfasst den gesamten Prozess der Analyse, Erstellung, Bearbeitung, Archivierung, Distribution, Nutzung und der Evaluation. Das Qualitätsmanagementsystem ist Bestandteil eines übergeordneten Managementsystems.

Zertifizierung
Durch eine Zertifizierung wird bestätigt, dass ein Produkt oder eine Organisation einem bestimmten Qualitätsmodell entspricht. Eine Zertifizierung hilft einem Unternehmen oder einer Organisation den eigenen Qualitätsanspruch weiterzuentwickeln und Schwachstellen durch einen externen Audit aufzudecken. Gleichermaßen dient eine Zertifizierung zur Bestätigung nach Außen (Marketing). Zertifizierungen werden von Organisationen durchgeführt, die hierzu berechtigt, sprich akkreditiert, sind. Der Bereich der Akkreditierung ist in Deutschland recht unübersichtlich. Es wird hier unterschieden zwischen dem gesetzlich geregelten Bereich (z. B. Abnahme und Zulassung technischer Geräte und Anlagen) und dem nicht gesetzlich geregelten Bereich. In letzterem darf jeder eine Akkreditierung aussprechen, sprich Zertifizierungen ermöglichen.

Standards / Normen im Bildungsbereich:

Während im technischen Umfeld Standards eine Selbstverständlichkeit sind und der Nutzen allgemein anerkannt ist, werden Standards in der Bildungsbranche häufig noch argwöhnisch betrachtet. So wird ein Standard häufig als starres Regelwerk angesehen, das eventuell die Kreativität einschränken könnte. Standards helfen aber zum einen Dinge vergleichbar zu machen, die Interoperabilität zu sichern und Prozesse zu verbessern. Die Qualitätsinitiative „Q.E.D.“, die in den Jahren 2004 – 2007 vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) gefördert wurde, hat eine Reihe von Aktivitäten unterstützt, die die Qualitätssicherung und Entwicklung im Bildungsbereich mit besonderer Berücksichtigung von eLearning zum Ziel hatten. Unterstützt wurde die Entwicklung verschiedener PAS (Publicly Available Specification. Publicly Available Specification, abgekürzt PAS, heißt "öffentlich verfügbare Spezifikation". Eine PAS ist noch keine Norm. Die Veröffentlichung durch das Deutsche Institut für Normung e.V. (DIN) verleiht ihr aber ein besonderes Gewicht. Eine PAS ist eine Übereinkunft unter den Verfassern - ohne dabei den gesellschaftlichen Konsens sicherzustellen - wie es eine Norm erfordert. Die Verantwortung für den Inhalt der PAS liegt im Unterschied zur Norm nicht beim DIN, sondern bei den Verfassern). So entstanden die PAS 1032-1 und PAS 1032-2, die PAS 1068 und PAS 1069, die in der hier verlinkten Tabelle (PDF-Link) kurz beschrieben sind.

Ziel der Entwicklung einer PAS ist in der Regel die Einbringung dieser in die internationale Normung. Dies wurde mit der PAS 1032-1 erfolgreich durchgeführt. Die PAS 1032-1 diente als Basis zur ISO/IEC 19796-1, die als internationale Norm veröffentlicht wurde. Die ISO/IEC 19769-1 ist der erste ISO/IEC-Standard (RFDQ) für Qualitätsmanagement im E-Learning und in der Personalentwicklung insgesamt.
Die ISO/IEC 19696-1 ist Teil eines Multi-Part-Standards, der kontinuierlich weiterentwickelt wird.

Neben der Implementierung eines Prozessmodells zur Entwicklung und Durchführung von Bildungsangeboten, ist ein Qualitätskriterium die Information der Interessenten und Kunden zu dem eigenen Bildungsangebot. Bei einem Vergleich von Bildungsangeboten im Internet ist schnell zu sehen, dass die Angaben der einzelnen Anbieter sehr willkürlich gewählt werden und manche wichtige Frage zu dem Angebot offen bleibt. Basierend auf den Kriterien der PAS 1032-1 wurden in der PAS 1068 die notwendigen Angaben zu einem Bildungsangebot zusammengestellt.

Die Entwicklung der Standards geht kontinuierlich weiter und wird auch den praktischen Gegebenheiten angepasst (siehe Beispiel LOM in der Tabelle). Wichtig bei der Entwicklung von Standards ist heute die Internationalisierung. So ist es auch Ziel aller nationalen Projekte eine internationale Anerkennung zu erhalten und die internationale Zusammenarbeit zu fördern.

- Lesen Sie weiter auf S. 2 -

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Online Tutoring Journal, Ausgabe 1(8), Januar 2008, Reß: Standards, Qualität, Zertifizierung, S. 1.  

Thema der aktuellen Ausgabe: "Was bedeutet Qualität beim E-Learning"

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 Editorial

 Experteninterview mit Dr. Thomas Jechle und Karsten Bieberle (tele-akademie Furtwangen)

 Artikel: Qualitätsmanagement von Online-Kursen

 Artikel: E-Learning-Qualität aus der Lernendenperspektive

   Artikel: Standards- Qualität - Zertifizierung

 Proposals Ausgabe 2/2008

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