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Franka Fleischhack :

"Lernplattform für eine interkulturelle netzbasierte Zusammenarbeit" (5)

1) Die Rahmenbedingungen ließen sich auf der Lernplattform problemlos festlegen: Kursrelevante Informationen sollten für alle Teilnehmer gleich, jederzeit und von überall über eine Lernplattform abrufbar sein.
2) Als Dozenten konnte man relativ schnell und einfach die Zielgruppe analysieren. Eine initiierte Vorstellungsrunde im virtuellen „Café“, das Namensverzeichnis mit integrierter Homepage (+ Foto) und die Anzeige der E-Mail-Adressen ermöglichten sowohl der Dozentin als auch den Teilnehmern, sich kennen zu lernen bzw. miteinander zu kommunizieren. PC-/ Interneterfahrungen der einzelnen Teilnehmer ließen sich beispielsweise über unbenotete Tests auf der Lernplattform ermitteln.
3) Im Vordergrund des Wissenserwerbs stand die interkulturelle Sensibilisierung in den Bereichen: Wahrnehmung, Bedeutungserschließung, Kulturvergleich und Gesprächsstrategien (vgl. Bachmann/ Gerhold/ Müller/ Wessling 1996). Die Teilnehmer wurden ermutigt, ihre persönlichen Einstellungen zum interkulturellen Lernen zu hinterfragen und in der interkulturellen Gruppenarbeit praktisch umzusetzen.
4) Diese Lehrveranstaltung lässt sich gemäß SCHULMEISTERs (2003, S. 175-187) Szenarien für netzbasiertes Lernen dem zweiten Szenario: Gleichrangigkeit von Präsenz- und Netzkomponente zuordnen. Die asynchrone Kommunikation und der Dateiaustausch spielten eine wesentliche Rolle.
5) Bei der methodischen Umsetzung orientierte sich die Autorin an den Vorschlägen aus ihrer ersten Untersuchung. Die Arbeit mit der Lernplattform gestaltete sich derart, dass die Teilnehmer sich mit ihr zuerst vertraut machen und sie problemlos benutzen sollten. Dazu diente ein Tutorium, welches neben dem Erläutern der Funktionsweise der Lernplattform auch das Lösen von Aufgaben durch die Teilnehmer beinhaltete. Außerdem diente die Lernplattform als Wissensspeicher zur Hinterlegung der Präsentationen, Arbeitsblätter, Materialien u.ä. Die asynchrone Kommunikation verlief über die Ankündigung, die E-Mail-Funktion, die Gruppenforen und diverse Diskussionsforen. Bezüglich der Gruppenarbeit wählte sich jeder Teilnehmer anhand vorgegebener Texte auf der Lernplattform ein Thema aus. Jede Gruppe bestand aus vier Teilnehmern, wobei ein ausländische/r Kommilitone/in dabei sein musste. Anschließend bekam jede Gruppe eine Warming-up-Aufgabe. Diese Aufgabe bestand darin, eine Kriterienliste für wissenschaftliches Arbeiten anhand eines „guten“ oder „schlechten“ Beispiels gemeinsam zu erstellen und im Plenum vorzustellen. Nach jeder Präsentation besprachen wir im Seminar die Vorgehensweise bei der Gruppenarbeit.
Danach bearbeitete jede Projektgruppe ihr eigentliches Thema. Erwähnenswert ist, dass die Teilnehmer eine „Rund-um-Betreuung“ durch einen Tutoren erhielten und nicht völlig auf sich allein gestellt waren.

Nun stellt sich in Bezug auf einen Vergleich zum eingangs beschriebenen Seminar die Frage, wie stark sich die Teilnehmer auf der Lernplattform während des Seminars beteiligten.
Im zeitlichen Verlauf gesehen meldete sich der Großteil der Teilnehmer trotz einer Wilkommens- Email erst kurz vor dem Tutorium an. Danach stiegen die Zugriffe auf der Lernplattform enorm an. Sobald jedoch der Neuigkeitseffekt verflogen war, konnte die Spannungskurve auf der Lernplattform nicht mehr aufrechterhalten werden. Um dem entgegen zu wirken, sollten die Teilnehmer ab Anfang Dezember 2005 die online zur Verfügung gestellten Arbeitsblätter ausgedruckt in die dafür vorgesehene Sitzung mitbringen. Auch in den Gruppenräumen kam es nach der Kennlernphase nicht mehr zu der von der Dozentin gewünschten intensiven Interaktion. Der hohe Zugriff auf das Namensverzeichnis (E-Mail-Adressen-Verzeichnis der Teilnehmer) zu Beginn des Seminars ist ein Indiz dafür, dass ein großer Bedarf am Austausch der E-Mail-Adressen bestand. Vermutlich ergriffen die Teilnehmer im Laufe des Semesters andere Kommunikationswege wie z.B. E-Mail, und waren nicht mehr auf die Lernplattform angewiesen. Die Teilnehmer beschwerten sich über die zum Teil mangelhafte Benutzerfreundlichkeit der Lernplattform, wie beispielsweise die als kompliziert bzw. umständlich empfundene Verlinkung („zu viele Klicks“). Trotz allem fanden die bereitgestellten Materialien unter dem Menüpunkt „Sitzungen“ einen großen Zuspruch. Wie erwartet. wurden initiierte Foren wie das „Café“ oder „Referatsvergabe“ mit einer präzisen Aufgabenstellung und einer Terminvorgabe deutlich besser angenommen als unmoderierte freiwillige Foren.

Diese Erfahrungen aus den beiden vorgestellten Seminaren zeigen, dass eine Lernplattform einerseits die interkulturelle Gruppenarbeit hinsichtlich der Interaktion, der Kommunikation und des Informations- und Wissensaustausch erleichtern kann. Andererseits bleibt eine Lernplattform nur ein technisches Werkzeug und sollte angemessen bedient werden können.

Literaturliste (PDF)

Die Autorin:

Franka Fleischhack ist seit Dezember 2004 als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Kommunikationswissenschaften, Abt. Medien-wissenschaften, an der Universität Bonn beschäftigt. Ihre Tätigkeit umfasst die selbstständige Konzeption und Durchführung von Seminaren für Studierende über die hochschulinterne Lernplattform. Gleichzeitig betreut sie die Online-Gruppenarbeit.
Als studentische Mitarbeiterin arbeitete sie drei Jahre im BMBF-Projekt "Modulang" an der Universität des Saarlandes.

5
Online Tutoring Journal, Ausgabe 2, 2006, Fleischhack, F.: Lernplattform für eine interkulturelle netzbasierte Zusammenarbeit, S. 5.  

Thema der aktuellen Ausgabe: "Interkulturelle Lerngruppen"

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 Experteninterview mit Matthias Rückel

 Artikel: Lernplattform für eine interkulturelle netzbasierte Zusammenarbeit

 Artikel: Developing a Culturally-Aligned Foundation for Virtual Collaborative Learning in the International Context

 Proposals Ausgabe 3/2006

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