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Experteninterview mit Matthias Rückel: "Live Online Training interkultureller Gruppen" (2)

kleinen Unternehmen, die ersten, die dieses Neuland schrittweise betreten. Auf alle Nationen und alle Kulturen kann man nicht vorbereitet sein. Bei konzerninternen Veranstaltungen wird die von globalen Unternehmen angestrebte „Corporate Culture“ eine Hilfe sein.

Online Tutoring Journal: Welche Fähigkeiten benötigt ein Live Online Trainer Ihrer Erfahrung nach?

Matthias Rückel: Live Online Trainer benötigen generell ein hohes Maß an Spontanität gepaart mit Gelassenheit und sollten Überraschungen eher lieben. Die genutzte Software beherrschen, den Kommunikations- und Lernprozess bewusst steuern, die Inhalte vermitteln und das Ganze in einer Fremdsprache und oft ohne Blickkontakt - dies erfordert schon den ganzen Einsatz und ist deutlich anstrengender als ein Präsenztraining. Das oben beschriebene globale Szenario stellt natürlich die höchst möglichen Anforderungen und kommt (noch) entsprechend selten vor. Ein kurzer Fachvortrag in Deutsch ist natürlich um ein vielfaches einfacher.
Um professionelle Live Online Trainings durchführen zu können, hilft nur „üben“, „üben“ und nochmals „üben“. Als erster Schritt ist es wichtig, Erfahrungen mit virtuellen Klassenräumen als Teilnehmer zu sammeln. Dann sollte die Software erlernt und beherrscht(!) werden. Zum Kennenlernen bieten viele Systemhersteller zum Teil sehr kostengünstige Qualifizierungen an. An diesem Punkt können Sie den „virtuellen Stift“ halten und auf die „virtuelle Flipchart“ schreiben. Wie Sie diese virtuellen Mittel innerhalb eines Kommunikations- und Lernprozesses z.B. Im Rahmen eines zweistündigen Moderationsprozesses im virtuellen Raum nutzen, ist der nächste Erfahrungs- bzw. Kompetenzschritt. Und diese Kompetenzen können Sie sich nicht 'anlesen'. Diese Kompetenzen können Trainer nur durch aktives und regelmäßiges Praktizieren im virtuellen Raum aufbauen oder durch die aktive Teilnahme an einer entsprechenden Qualifizierung.

Online Tutoring Journal: Können Ihrer Meinung nach (kostengünstige) Live Online Trainings im virtuellen Raum (teure) Trainings vor Ort langfristig ersetzen? Welche Voraussetzungen müssten dafür noch geschaffen werden?

Matthias Rückel: Die Frage stellt sich meiner Meinung nach überhaupt nicht. Weder durch Telefon, noch durch Handy oder Briefe bzw. E-Mail sind persönliche Treffen überflüssig geworden. Warum sollte es durch Webkonferenzen oder virtuelle Klassenräume so sein? Die Alternativen stellen sich anders dar. Die Wirtschaftsbeziehungen werden über immer größere Distanzen geführt und werden
immer internationaler. Das ist hoffentlich eine unbestrittene Bestandsaufnahme. Damit wächst der Kommunikations- und Trainingsbedarf über räumliche Distanzen. Diesen Bedarf können Unternehmen nicht mehr ohne technologische Unterstützung erfüllen, wenn Sie weiterhin wirtschaftlich erfolgreich sein wollen. Die Frage lautet meiner Meinung nach: Qualifizieren wir unsere Mitarbeiter und Geschäftspartner und Kunden mit virtuellen Trainings über Distanzen oder lassen wir es ganz bleiben?

Dazu ein Beispiel: Ein Kunde von mir ist ein mittelständisches Softwarehaus. Mit Hilfe Dutzender von Partnern in der BRD wird eine Software für Arztpraxen vertrieben und betreut. Jedes Quartal gibt es aufgrund neuer gesetzlicher Regelungen ein Softwareupdate. Die Updateschulungen dauern je nach Modul 1-2 Stunden. Die Partner setzen sich für ein zweistündiges Training nicht 400 Kilometer ins Auto. Einen Trainer auf Rundreise zu schicken dauert bei so vielen Partnern zu lange. Die einzig mögliche Alternative sind schlecht qualifizierte Mitarbeiter und Partner oder regelmäßige Live Online Trainings. Dazu vielleicht noch eine Zahl: Nach einer Umfrage von Wainhouse Research ersetzen fast 40% der Unternehmen bestehende Trainings nicht durch Live Online Trainings und 87,1 %(!) nutzen virtuelle Räume für neue Trainings die vorher gar nicht stattgefunden haben. Die Umfrage bezieht sich auf US-amerikanische Unternehmen und zeigt meiner Meinung nach, dass sich Trainer auf neue zusätzliche (Schulungs-) aufgaben freuen dürfen. Wenn Sie bereit sind, sich auf die Technologie einzulassen.

Online Tutoring Journal: Herr Rückel, vielen Dank für dieses interessante Interview!

Interviewerin: Gabriela Pflüger


„Erfolgreiche Zusammenarbeit über Distanzen“ ist das Ziel von Matthias Rückel, Dipl. Päd. und seit 2003 selbstständig. Als Geschäftsleiter der Firma direct dialog berät und unterstützt er Kunden bei der Einführung von Webkonferenzen, virtuellen Klassenräumen und Desktop-Videokonferenzen. Er hat sich auf die Ausbildung von Live-Online-Trainern und Qualifizierungen für virtuelle Teams spezialisiert. Als Leiter des Bereiches E-Learning bei T-Systems Training (heute Telekom Training), verantwortet er die erfolgreiche Weiterentwicklung von einem Präsenztrainingsanbieter zum Blended-Learning-Anbieter. Über aktuelle Entwicklungen informiert er in seinem Weblog www.realtime-collaboration.de. Weitere Informationen finden Sie unter www.direct-dialog.de.


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Thema der aktuellen Ausgabe: "Interkulturelle Lerngruppen"

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 Editorial

 Experteninterview mit Matthias Rückel

 Artikel: Lernplattform für eine interkulturelle netzbasierte Zusammenarbeit

 Artikel: Developing a Culturally-Aligned Foundation for Virtual Collaborative Learning in the International Context

 Proposals Ausgabe 3/2006

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Online Tutoring Journal, Ausgabe 2, 2006, Experteninterview mit Matthias Rückel, S. 2.