"Mobile
Learning - Definition und Anforderungen
an Trainer und Teletutoren"
Online
Tutoring Journal: Herr Weinreich, bitte stellen
Sie sich unseren Lesern kurz vor!
Uwe Weinreich (SMS-Coaching):Gerne. Das lässt
sich am besten gleich mit dem Einstieg ins Thema 'mobiles
Lernen' verknüpfen. Ich bin Jahrgang 1961, habe meine
Jugend also noch computer- und handyfrei verlebt. Nach dem
Studium der Psychologie und einer kurzen Wissenschaftsrunde
bin ich mit einer eigenen Firma in den Bereich wirtschaftspsychologischer
Beratung und Training eingestiegen. Praktisch aus der Notwendigkeit
heraus, mehr Nachhaltigkeit in Trainings zu erzeugen, habe
ich mit Kollegen zusammen SMS-Coaching entwickelt. Und wir
waren damit völlig wider alle Erwartungen einer der großen
Spieler im sich neu entwickelnden Segment „Mobiles Lernen“.
Online
Tutoring Journal: Was
verstehen Sie unter "mobilem Lernen"?
Uwe Weinreich
(SMS-Coaching): Bisher gibt es keine eindeutige Definition.
Es hat sich gerade ein DIN-Arbeitskreis gebildet, um Standards
zu entwickeln. Meiner persönlichen Auffassung nach umfasst
mobiles Lernen all das, was orts- und zeitunabhängig
Bildung ermöglicht. Moderne Endgeräte, wie Smartphones,
PDA und andere haben Möglichkeiten eröffnet, die
es vor wenigen Jahren noch nicht gab. Aber lassen Sie uns
auch über den technischen Tellerrand hinaus schauen.
Mobiles Lernen gibt es schon länger als Elektronik. Schon
immer haben Menschen unterwegs gelernt. Bei mir waren es z.B.
die kleinen Karteikarten mit den Lateinvokabeln, die in den
kleinen Pausen des Alltags dafür gesorgt haben, dass
ich mein Abitur geschafft habe.
Online Tutoring
Journal: Welche Geräte
sind für mobiles Lernen geeignet und welche Unterschiede
gibt es dabei?
Uwe Weinreich (SMS-Coaching):Smartphones,
Blackberries, Palm und andere PDAs sind natürlich die
ersten Geräte, die einem sofort einfallen. Mit SMS-Coaching
haben wir aber zum Beispiel ein System entwickelt, das nicht
unbedingt Geräte der neuesten Generation braucht, sondern
auch mit ganz alten "Mobilfunk-Knochen" noch perfekt
funktioniert. Das Notebook würde ich nur zu den bedingt
mobilen Endgeräten zählen. Es ist nicht so schnell
intuitiv zu nutzen wie die anderen Geräte und passt
nur in Handtaschen größeren Formats.
In den nächsten Jahren werden die Welten aber immer
mehr zusammen wachsen. Mobiltelefone werden noch mehr können
und auch MP3-Player, wie der iPod, werden sich im Bildungsmarkt
etablieren. Kaum abzuschätzen ist eine Entwicklung,
die aus einer Ecke kommt, die häufig als bildungsfeindlich
gilt, dem Spielebereich. Hier kann ich mir vorstellen, dass
durch virtuelle Realitäten Spiel und Lernen immer weiter
zusammen rücken. Dabei können auch ganz neue Endgeräte
ins Spiel kommen, die jetzt noch keine Rolle spielen.
Aber egal, welches Endgerät genutzt wird, was wichtig
ist, ist, dass es sich um alltagstaugliche Geräte handelt.
Also solche, die man mit Lust und ohne großen Aufwand
ständig mit sich herum tragen mag.
Online Tutoring
Journal: Wo fängt
das mobile Lernen eigentlich an und wann kann man eigentlich
nur von einer 'Unterstützung der Lernorganisation'
sprechen?
Uwe Weinreich (SMS-Coaching):
Ich würde an dieser Stelle keine Unterscheidung
treffen wollen. Das überlasse ich denen, die sich akademisch
damit auseinander setzen müssen. Ich bin der festen
Überzeugung, dass Lernen ständig stattfindet.
Wir sind lernende Wesen und wenn wir nicht lernen, entwickeln
wir uns zurück. Kinder lernen von der ersten Minute
ihres Lebens an und das hört im besten Falle nie auf.
Wenn wir von Lernorganisationen sprechen – und Schule
ist für die meisten die prägendste, aber selten
eine gute Erfahrung -, dann handelt es sich um organisierte
Sondersituationen. Die große Hoffnung, die stets an
Lernorganisationen geknüpft wird, ist, dass Lernen
hier schneller, effektiver und nachhaltiger stattfindet.
Betrachten wir mobiles Lernen, so kann man feststellen,
dass durch die jetzt möglichen Angebote dieser Anspruch
von Effizienz und Nachhaltigkeit aus den Organisationen
heraustreten kann und jenseits der Lernorganisation Wirkung
entfaltet.
Das hat zwei Konsequenzen: Auf der einen Seite wirkt mobiles
Lernen dann am besten, wenn Lernorganisationen sich so umstrukturieren,
dass sie eine gewisse Offenheit haben. Den Lernenden muss
mehr Freiheit und mehr Eigeninitiative zugebilligt werden.
Auf der anderen Seite entsteht die gewollte Wirkung natürlich
nur, wenn auch das mobile Lernen wieder in gewisser Weise
organisiert wird.
Beide Lernformen finden daher am besten eine gute und einander
ergänzende Koexistenz in sogenannten Blended-Learning-Konzepen.
Ich gebe zu, wir stehen da bisher ganz am Anfang der Entwicklung.
Technisch ist heutzutage fast alles mit überschaubarem
Aufwand realisierbar. Das woran es hapert, das sind die
didaktischen Konzepte.
Online Tutoring
Journal: Wie ändert
sich die Didaktik durch mobiles Lernen? Müssen Trainer
und Teletutoren neue Kenntnisse oder gar Qualifikationen
erwerben? Wie entscheidend ist die Rolle des Trainers beim
von Ihnen beschriebenen SMS-Coaching im Vergleich zur Technik?
Uwe Weinreich (SMS-Coaching):
Ja, auch Trainer müssen dazu lernen, wenn
sie mobile Konzepte verfolgen. Auf der einen Seite fällt
es vielen schwer, Teilnehmern tatsächlich die gerade
geforderte Freiheit zu geben. Da knebelt uns alle noch die
Einbahnstraßenlogik der Schule. Moderne, mobile Lernformen
werden sich im Gegensatz dazu durch starke Interaktivität
der Lernenden untereinander, also durch Lern-Communities,
auszeichnen. Der Trainer kommt stärker in die Rolle
eines Coaches oder Tutors als vorher.
Eine Besonderheit, die wir bei unserem SMS-Coaching erleben
ist, dass es Trainern teilweise sehr schwer fällt,
die neuen Möglichkeiten zu sehen. Wir haben mit SMS-Coaching
ein Werkzeug in der Hand, mit dem wir praktisches Lernen
in den Alltag der Menschen tragen können. Da ist Praxis
gefordert, kleine Anleitungen und Aufgaben. Was aber oftmals
geschieht, ist, dass das Medium zu Wissensabfragen „missbraucht“
wird. Natürlich geht das auch, aber es ist wieder eine
Reduktion auf die klassischen Methoden des schulischen Lernen.
Der neu mögliche Praxis- und Transfereffekt wird verspielt.