"Mit
der Lernmaschine vom E-Learning zum E-Doing - oder: Wie
kann man Können lernen?"
Abstract
Der Autor beschäftigt sich mit Problemen, die einem nachhaltigem
Lernen im Rahmen der beruflichen Weiterbildung häufig
im Wege stehen, und behandelt wichtige Lösungsansätze.
Anschließend zeigt er auf, welche Aufgaben eine von
ihm neu entwickelte Software bei diesen Lösungen übernehmen
kann.
Einführung
In einem Magazin für
Teletutoring davon zu berichten, dass und warum erfolgreiches
Lernen häufig am Arbeitsplatz scheitert, heißt
einerseits Eulen nach Athen zu tragen. Andererseits gibt es
jedoch auch reichlich Diskussionsbedarf: Beim Behandeln der
dafür verantwortlichen Gründe stellt sich schnell
heraus, auch hier steckt der Teufel im Detail.
Die Ausgangsidee für
meine brandneue Software “Die Lernmaschine” stammt
noch aus einer Zeit, in der E-Learning oder Teletutoring völlig
unbekannt waren. Zusammen mit einem Partner veranstaltete
ich damals über mehrere Jahre hinweg ein sehr erfolgreiches
mehrtägiges Training für einen großen deutschen
Konzern. Der äußere Rahmen war mit einem Bauernhaus
mitten im Schwarzwald traumhaft. Die “handverlesenen”
Teilnehmenden zeigten sich offen, interessiert und motiviert,
die Gruppendynamik gestaltete sich entsprechend toll, das
Feedback war hervorragend. So kam der Wunsch nach Folgeseminaren
auf und alles lief ab wie vorher - mit einer Ausnahme: Ich
stellte fest, trotz idealer Voraussetzungen wusste man vom
ersten Seminar nur noch wenig und konnte so gut wie nichts.
Aus Unternehmenssicht war das Training letztendlich ein teurer
Schlag ins Wasser. Seit dieser Zeit befasse ich mich mit der
Frage, wie das zu ändern ist. Und meine letzte Antwort
darauf ist die Lernmaschine.
Diese Software besitzt eine
Vielzahl von Funktionen zum Erfassen, Bearbeiten, Archivieren
und Einprägen von Wissen (um die es hier weniger gehen
soll). Ihre Hauptaufgabe besteht jedoch im Helfen beim Könnenlernen.
Dass dies in der Praxis meist scheitert, hat viele Gründe
(von denen ich einige der wichtigsten im Folgenden behandele).
Als besonders störend hat sich jedoch für mich Im
Laufe der Jahre herauskristallisiert: zu allgemein gehaltene
Lehrinhalte und eine falsche Auffassung von Lernen. Diese
Punkte sind die Hauptursache dafür, dass man das Erich-Kästner-Prinzip
“Es gibt nichts Gutes, außer: Man tut es!”
nicht anwenden kann. Und Könnenlernen ohne Tun ist unmöglich.
Daher setzt die Lernmaschine, wie wir sehen werden, den Hebel
auch genau an dieser Stelle an.
Der Einfachheit halber unterteile ich
die zahlreichen Möglichkeiten der Aus- und Weiterbildung
anhand von zwei mal zwei Eigenschaften in vier Felder: Wir
trennen den Lernprozess in die beiden Stufen Auswählen/Aufnehmen
sowie Verankern der Lerninhalte und wir unterscheiden zwischen
fremd- und selbstgeleiteten Lernprozessen (Abb. 1).
Das in der
letzten Ausgabe des Online Tutoring Journal behandelte
“selbstorganisierte Lernen” spielt sich daher
in den Feldern 3 und 4 ab, herkömmliche Schulungen
in den Feldern 1 und 4, Teletutoren tummeln sich in den
Feldern 1 und/oder 2 und die Lernmaschine lässt sich
in allen Feldern einsetzen.
Selbstgeleitetes Lernen ist unter Kostengesichtspunkten
ideal: Man spart Trainer und/oder Tutoren - mit ein Hauptgrund
für die anfänglich kritiklose Begeisterung für
E-Learning (EL). Da man jedoch feststellte, dass nachhaltige
Lernerfolge und niedrige Kosten meist unvereinbar sind,
trat Ernüchterung ein und Blended Learning bzw. "BL"
auf den Plan. Dabei ergänzt man EL zum Steigern des
Lernerfolgs durch Ansätze der Felder 1 und 2. Aber
egal ob EL oder BL, beide Begriffe besitzen für mich
einen Nachteil: Sie engen den Blickwinkel zu sehr auf elektronische
Medien ein. Schließlich gibt es viele effektive Alternativen,
z.B. BuL, KL, TL, FL, PL und last but not least TrL oder
TuL (Buch-Lernen, Kopfhörer-Lernen, Tafel-Lernen, Folien-Lernen,
Pinnwand-Lernen sowie Trainer-Lernen oder Tutor-Lernen.)
Auch wenn diese Aufzählung nicht ganz ernst gemeint
ist: Sie unterstreicht, dass der durch Louis H. Sullivan
berühmt gewordene Satz nicht “Function follows
form” sondern “Form follows function”
heißt. Zumal der Volksmund weiß: Wer nur einen
Hammer hat, macht alle Welt zum Nagel. Das Planen nachhaltig
wirksamer Lernprozesse sollte daher grundsätzlich von
der gesamten Bandbreite an Lehr- und Lernformen ausgehen.
Diesen überaus erfolgreichen Denkansatz bezeichnet
man seit rund 30 Jahren im Englischen als “Accelerated
Learning” oder kurz AL, von der AL-Expertin Claudia
Monnet als “aktivierendes Lernen” in den deutschen
Sprachraum eingeführt.