powered by
Jobbörse für qualifizierte Teletutoren

Dr. Wolfgang Linker:

"Mit der Lernmaschine vom E-Learning zum E-Doing - oder: Wie kann man Können lernen?" (4)

Wissenlernen mit der Lernmaschine kann einerseits in speziell reservierten Lernzeiten erfolgen: Man macht sich am PC mit Lerninhalten vertraut oder beantwortet Fragen mit oder ohne den Einsatz einer Lernkartei, die den Frageprozess selbsttätig und erfolgsabhängig steuert. Allerdings ermöglicht die Lernmaschine auch ein E-Doing: Die Teilnehmer können z.B. den Lehrstoff umgestalten und umstrukturieren oder ihn mit neuen Inhalten und Fragen ergänzen (dabei könnten Teletutoren wertvolle Hilfe leisten). Aber die Lernmaschine bietet noch eine weitere interessante Lernvariante: Lernprozesse lassen sich fast beliebig über die Arbeitszeit verteilen. So kann man sich z.B. zwei Stunden am Vormittag 10 zufällig ausgewählte Fragen (bzw. Fertigkeiten) zu einem bestimmten Bereich stellen (bzw. präsentieren) lassen. Dies ist erheblich leichter zu realisieren als das “Freischaufeln” fester Lernzeiten, sorgt wie nebenbei für die erforderlichen Wiederholungen sowie für motivierende Lernerfolge, verankert die abgefragten bzw. wiederholten Lerninhalte im Kontext “Praxis” und erhöht dadurch die Zugriffsgeschwindigkeit im beruflichen Alltag erheblich.

Natürlich kann man auch für das Könnenlernen spezielle Übungszeiten einplanen. Ist aber genau bekannt, welche Mini-Fertigkeit man warum wie tun sollte, wäre das Zeitverschwendung. Die Lernmaschine gewährleistet nämlich das “Microlearning by Microdoing”, weil Sie etwas kann, das uns in der Hitze eines Gesprächs meist misslingt: Sie vergisst nie den Vorsatz, heute etwas Neues auszuprobieren, und erinnert uns daran. Dies ist eine andere Variante von E-Doing. Steht für den Nachmittag ein einstündiges Kundengespräch im Kalender, liefert uns die Lernmaschine während dieser Zeit eine frei bestimmbare Anzahl von Erinnerungen: Ist mein Kunde am Telefon, lasse ich die Hinweise ausführlich und deutlich auf meinem Bildschirm erscheinen. Sitzt er mit mir zusammen vor meinem PC, erinnert mich ein kleines unauffälliges Symbol und ein leiser Signalton daran. Und fahre ich zu meinem Kunden, dann erinnert mich die Lernmaschine durch unauffälliges Vibrieren des Handys an meinen Vorsatz. Denn alle Erinnerungs- und Timerfunktionen der Lernmaschine stehen auch auf dem Handy und damit unterwegs zur Verfügung.

Wie mehrfach erwähnt steht und fällt der Einsatz der Lernmaschine mit der Vorarbeit des Trainers. Dazu gehören einerseits inhaltlich und grafisch entsprechend aufbereitete Unterlagen einschließlich Übungsfragen und/oder Trainingsaufgaben.

Diese können den Teilnehmenden in einer offenen oder einer geschlossenen Lernmaschinen-Version zur Verfügung gestellt werden.

Erstere besitzt den Vorteil, dass die Teilnehmer ihre Trainingsinhalte individuell aufbereiten und auch andere Inhalte erfassen und bearbeiten können. Letztere hat den Vorteil, dass Trainer eine preiswerte Möglichkeit besitzen, ihren Teilnehmern das Wissen- und Könnenlernen nach einem Seminar zu ermöglichen, diese aber die mitgelieferten Trainingsinhalte nicht individuell bearbeiten können. Neben den Inhalten ist natürlich auch eine aktivierende Trainingsdidaktik Voraussetzung, die bereits während des Seminars für nachhaltige Lerneindrücke und ausreichende Motivation sorgt.

Selbstverständlich stellt die Lernmaschine kein Allheilmittel für viele der oben besprochenen Lernprobleme dar. Deshalb ist sie auch in der kritischen Phase nach einer Weiterbildung weder Ersatz für einen Coach noch für einen Teletutor, kann jedoch von beiden als wertvolles Hilfsmittel eingesetzt werden. Indirekt hilft sie vielen Menschen, weil sie ihnen eine der wichtigsten Ausreden nimmt (dass man angeblich keine Zeit zum Lernen bzw. Üben hat). Direkt hilft sie vielen Menschen, weil sie das praktische Umsetzen ihrer Vorsätze erleichtert. Und allen, die nichts mehr lernen müssen, kann sie sogar als Wissensdatenbank gute Dienste leisten.

Download des Artikels als PDF

Literatur:

Wolfgang J. Linker: Einfach Können können - das Buch zur Lernmaschine (in Vorbereitung)
Claudia Monnet (Hrsg.): Turbo-Workshops, Bonn 2005
Colin Rose, Malcolm J. Nicholl: MASTER-Learning - Die optimale Methode für leichtes und effektives Lernen, Landsberg am Lech, 2000
Colin Rose, Mary Jane Gill, Claudia Monnet: TEP - MASTER-haft trainieren, Flensburg 1999

Weitere Informationen zur Lernmaschine: www.konfuxius.de

Weitere Informationen zum Aktivierenden Lernen: www.focus-marketing.de

Dr. Wolfgang J. Linker war ab 1987 Professor für Marketing an der FH Flensburg. Seit seiner Pensionierung 2006 trainiert er dort sein Spezialgebiet Kommunikationstechniken mit einem Lehrauftrag im Rahmen eines eigenen kleinen Schwerpunktes. Seit 30 Jahren ist er Gesellschafter eines mittelständischen Industrieunternehmens, davon 10 Jahre als geschäftsführender Gesellschafter. Jeweils mehrere Jahre war er Vorstandsmitglied des RKW Hessen, Handelsrichter und Präsident des Marketing-Clubs Nordhessen. Seine wichtigsten Beratungs- und Trainingsschwerpunkte: Marketingforschung, Potential-, Strategie- und Konzeptionsworkshops, Moderationstechnik, spezielle Methoden und Techniken der zwischenmenschlichen Kommunikation.


Online Tutoring Journal, Ausgabe 3(6), Juli 2007, Linker, W.: Lernmaschine, S. 4.  

Thema der aktuellen Ausgabe: "Mobile Learning und Web 2.0"

 Startseite

 Editorial

 Experteninterview mit Uwe Weinreich (SMS-Coaching)

 Artikel: Mit der Lernmaschine vom E-Learning zum E-Doing

 Erfahrungsbericht: E-Mail-Coaching

 Proposals Ausgabe 4/2007

 Archiv

 Impressum