"Mit der Lernmaschine vom E-Learning zum
E-Doing - oder: Wie kann man Können lernen?" (4)
Wissenlernen mit der Lernmaschine
kann einerseits in speziell reservierten Lernzeiten erfolgen:
Man macht sich am PC mit Lerninhalten vertraut oder beantwortet
Fragen mit oder ohne den Einsatz einer Lernkartei, die den
Frageprozess selbsttätig und erfolgsabhängig steuert.
Allerdings ermöglicht die Lernmaschine auch ein E-Doing:
Die Teilnehmer können z.B. den Lehrstoff umgestalten
und umstrukturieren oder ihn mit neuen Inhalten und Fragen
ergänzen (dabei könnten Teletutoren wertvolle
Hilfe leisten). Aber die Lernmaschine bietet noch eine weitere
interessante Lernvariante: Lernprozesse lassen sich fast
beliebig über die Arbeitszeit verteilen. So kann man
sich z.B. zwei Stunden am Vormittag 10 zufällig ausgewählte
Fragen (bzw. Fertigkeiten) zu einem bestimmten Bereich stellen
(bzw. präsentieren) lassen. Dies ist erheblich leichter
zu realisieren als das “Freischaufeln” fester
Lernzeiten, sorgt wie nebenbei für die erforderlichen
Wiederholungen sowie für motivierende Lernerfolge,
verankert die abgefragten bzw. wiederholten Lerninhalte
im Kontext “Praxis” und erhöht dadurch
die Zugriffsgeschwindigkeit im beruflichen Alltag erheblich.
Natürlich kann man
auch für das Könnenlernen spezielle Übungszeiten
einplanen. Ist aber genau bekannt, welche Mini-Fertigkeit
man warum wie tun sollte, wäre das Zeitverschwendung.
Die Lernmaschine gewährleistet nämlich das “Microlearning
by Microdoing”, weil Sie etwas kann, das uns in der
Hitze eines Gesprächs meist misslingt: Sie vergisst
nie den Vorsatz, heute etwas Neues auszuprobieren, und erinnert
uns daran. Dies ist eine andere Variante von E-Doing. Steht
für den Nachmittag ein einstündiges Kundengespräch
im Kalender, liefert uns die Lernmaschine während dieser
Zeit eine frei bestimmbare Anzahl von Erinnerungen: Ist
mein Kunde am Telefon, lasse ich die Hinweise ausführlich
und deutlich auf meinem Bildschirm erscheinen. Sitzt er
mit mir zusammen vor meinem PC, erinnert mich ein kleines
unauffälliges Symbol und ein leiser Signalton daran.
Und fahre ich zu meinem Kunden, dann erinnert mich die Lernmaschine
durch unauffälliges Vibrieren des Handys an meinen
Vorsatz. Denn alle Erinnerungs- und Timerfunktionen der
Lernmaschine stehen auch auf dem Handy und damit unterwegs
zur Verfügung.
Wie mehrfach erwähnt steht und fällt der Einsatz
der Lernmaschine mit der Vorarbeit des Trainers. Dazu gehören
einerseits inhaltlich und grafisch entsprechend aufbereitete
Unterlagen einschließlich Übungsfragen und/oder
Trainingsaufgaben.
Diese können den
Teilnehmenden in einer offenen oder einer geschlossenen
Lernmaschinen-Version zur Verfügung gestellt werden.
Erstere besitzt den Vorteil,
dass die Teilnehmer ihre Trainingsinhalte individuell aufbereiten
und auch andere Inhalte erfassen und bearbeiten können.
Letztere hat den Vorteil, dass Trainer eine preiswerte Möglichkeit
besitzen, ihren Teilnehmern das Wissen- und Könnenlernen
nach einem Seminar zu ermöglichen, diese aber die mitgelieferten
Trainingsinhalte nicht individuell bearbeiten können.
Neben den Inhalten ist natürlich auch eine aktivierende
Trainingsdidaktik Voraussetzung, die bereits während
des Seminars für nachhaltige Lerneindrücke und
ausreichende Motivation sorgt.
Selbstverständlich stellt die Lernmaschine
kein Allheilmittel für viele der oben besprochenen
Lernprobleme dar. Deshalb ist sie auch in der kritischen
Phase nach einer Weiterbildung weder Ersatz für einen
Coach noch für einen Teletutor, kann jedoch von beiden
als wertvolles Hilfsmittel eingesetzt werden. Indirekt hilft
sie vielen Menschen, weil sie ihnen eine der wichtigsten
Ausreden nimmt (dass man angeblich keine Zeit zum Lernen
bzw. Üben hat). Direkt hilft sie vielen Menschen, weil
sie das praktische Umsetzen ihrer Vorsätze erleichtert.
Und allen, die nichts mehr lernen müssen, kann sie
sogar als Wissensdatenbank gute Dienste leisten.
Wolfgang J. Linker: Einfach
Können können - das Buch zur Lernmaschine (in
Vorbereitung) Claudia Monnet (Hrsg.): Turbo-Workshops, Bonn 2005 Colin Rose, Malcolm J. Nicholl: MASTER-Learning
- Die optimale Methode für leichtes und effektives
Lernen, Landsberg am Lech, 2000 Colin Rose, Mary Jane Gill, Claudia Monnet: TEP
- MASTER-haft trainieren, Flensburg 1999
Dr. Wolfgang J. Linker war ab 1987 Professor
für Marketing an der FH Flensburg. Seit seiner
Pensionierung 2006 trainiert er dort sein Spezialgebiet
Kommunikationstechniken mit einem Lehrauftrag im
Rahmen eines eigenen kleinen Schwerpunktes. Seit
30 Jahren ist er Gesellschafter eines mittelständischen
Industrieunternehmens, davon 10 Jahre als geschäftsführender
Gesellschafter. Jeweils mehrere Jahre war er Vorstandsmitglied
des RKW Hessen, Handelsrichter und Präsident
des Marketing-Clubs Nordhessen. Seine wichtigsten
Beratungs- und Trainingsschwerpunkte: Marketingforschung,
Potential-, Strategie- und Konzeptionsworkshops,
Moderationstechnik, spezielle Methoden und Techniken
der zwischenmenschlichen Kommunikation.