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Renate Irena Mahr:

"Email-Coaching – nur neuer Wein in alten Schläuchen?" (2)

Was war das Ergebnis?
Herausgekommen ist ein Zyklus mit dem Namen: „Eigene Ziele finden und erreichen – Schritt für Schritt“. Das hört sich an wie jeder beliebige Seminar-Titel oder das Coaching-Versprechen auf irgendeiner Internet-Seite eines Anbieters. Der Inhalt ist jedoch in der Wirkweise anscheinend sehr gut gelungen.
Über ein viertel Jahr erhielt meine Coachee wöchentlich mindestens eine Email mit einer Aufgabe, teilweise auch mehrere Emails mit Hinweisen, „Schmankerln“, Augenöffnern, Geschichten um sie „am Ball zu behalten“.
Also führen 12 Aufgaben-Emails meinen Coachee von einer Situation in eine andere.
Diese Aufgaben beginnen genauso wie bei einem „echten“ Coaching damit, dass der Coachee selbst seine Situation bewertet, ergründet, analysiert und die guten Elemente von den störenden Elementen trennt.
Der zweite Teil sind die psychologischen Stufen des mentalen Veränderungsprozesses (oder auch Einstellungsänderung genannt, Belief-Coaching) und endet mit einem Vertrag mit sich selbst – also mit der Zieldefinition.
Nun setzt der schwierigste Teil ein: Denn wie kann ein Coach eine Zielerreichung begleiten, die er nicht kennt? Hier kam mir meine Zick-Zack-Laufbahn zugute: Als ausgebildeter Limbic-Coach arbeite ich oft bei 4-Augen-Coachings über Emotionen und Körpergefühle anstelle von konkreten Situationsbeschreibungen – und genau das lässt sich wunderbar übertragen in eine Lese-Hypnose.

Welches Handwerkszeug erachte ich als das Wichtigste beim Email-Coaching?
Motivation!
Und wie erkenne ich die Motivation des einzelnen Coachees? Das tue ich nicht! Und wenn ich es denn versuchte, wäre die Wirkung sogar geringer und nicht etwa größer! Denn über die Mechanismen der hypnotischen Sprachmuster überträgt jeder Leser die Metaphern und Parabeln in meinen Emails in sein eigenes Universum und findet so immer passgenau die eigenen Motivatoren für seine individuelle Motivation. Ist das nicht praktisch?


Was ist denn nun das Neue und Fortschrittliche, das Email-Coaching darstellen kann?
Hypnose schriftlich!
Dass das funktioniert, das wissen wir alle von spannenden Büchern, in die wir einmal versunken waren und darüber die Zeit und die Wirklichkeit vergessen haben. Die Kunst ist, einen Leser ohne Geschichte von seiner eigenen Situation und seinen Möglichkeiten der Veränderung so zu faszinieren, dass er tatsächlich seine Realität mit einer Trance tauscht und sich so für die selbstinduzierte Veränderung öffnet.

Welchen Schluss ziehe ich aus meinem Experiment Email-Coaching?
Die schwierigsten Probleme bzw. Nachteile für mich waren: Geschriebenes Wort und gesprochenes Wort sind von ihrer psychologischen Wirkung sehr unterschiedlich – dies setzt eine zusätzliche Qualifikation des Coaches voraus!
Der Augenkontakt und damit unser wichtigster Sinn fehlt sowohl für den Coach als auch für den Coachee – nur bei relativ technischen Themen funktioniert Email-Coaching ohne Kompetenz in Hypnose oder Limbischem Coaching!

Emails können weitergeleitet werden und so zu Menschen gelangen, die sie in einem unpassenden Kontext oder mit falscher Voraussetzung oder Interpretation ausfüllen – und hinterher taugt wieder einmal das Coaching an sich nichts, das Ansehen des Coaches nimmt Schaden .... Also Achtung bei der Formulierung! Und meines Erachtens ist die Individualisierung der Emails hier eine gute Möglichkeit, dem Problem zu begegnen!
Die wichtigsten Vorteile für mich sind:
Auch zeitversetzt ist Email-Coaching möglich, wenn Coach und Coachee nicht zu einem zeitlichen Termin zusammenfinden.
Räumliche Entfernung, Anfahrtswege und –zeit spielen keine Rolle und werden eingespart.
Bei schwierigen Themen kann der Coachee über einen Zeitraum hinweg sich selbst beobachten, Verhaltensweisen ausprobieren, Feedbacks einholen und dann seine Übung beenden.
Auch wenn der Coach schwierige und zeitaufwendige andere Aufgaben annimmt, kann er die Coaching-Inhalte vorbereiten und dann nur noch für den Coachee in der Situation anpassen.

Ein Universitäts-Dozent sagte einmal während einer Übung: „Etwas kompliziert zu machen ist leicht! Etwas wirklich leicht zu machen, das ist oft sehr schwer!“ – er rügte damals eine (zu) komplexe Ausführung eines Kommilitonen.
Email-Coachings sind einfach: Emails sind einfach zu versenden und zeitversetzt zu öffnen, Anhänge in bestimmten Formaten sind von jederman zu öffnen, selbst Sound-Dateien bieten ungeahnte Möglichkeiten (eingesetzt habe ich meine Entspannungs-CD mit bilateralen Hemisphären-Stimulationen zur Herstellung von assoziierten und dissoziierten Zuständen bei meinen Coachees). Und Email-Coachings sind schwer: Oft habe ich mehr als einen Tag daran gebastelt, eine einzelne DIN A4-Seite zu erschaffen, die auch wirklich den gewünschten Effekt auslöst!

Würde ich es wieder tun?
Oh ja, und bezeichnenderweise stoßen seither regelmäßig Menschen auf mich als ihren Coach, für die genau dieses Format „Prozessbegleitung zur Veränderung“ angemessen und sinnstiftend ist!
Ich tue es regelmäßig und ich bin überzeugt davon! Probiert es doch auch einmal ... und wenn nicht jetzt, wann dann???

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Renate Irena Mahr http://www.managementor.de

Renate Irena Mahr ist eine Expertin für Persönlichkeits- und Teamentwicklung und zählt zu den innovativen Coaches der neuen Generation. Ihr Schwerpunkt liegt auf der unternehmensinternen Führungskraft- und Teamentwicklung. Auch mit Privat-Coachings zur Führungskraftentwicklung und Blockaden-Coachings hat sie branchenübergreifenden Erfolg. Manager aus Top-Unternehmen und Führungskräfte aus dem Mittelstand zählen zu ihren Kunden. In Intensiv-Coachings begleitete sie in den letzten 6 Jahren über 500 Führungskräfte aus unterschiedlichen Branchen in Blockadesituationen und beim persönlichen Veränderungsmanagement.
Renate Irena Mahr ist an zwei deutschen Hochschulen Honorardozentin für den Themenkreis Führungskraftentwicklung und Teamentwicklung.

Online Tutoring Journal, Ausgabe 3(6), Juli 2007, Mahr, R.I.: E-Mail-Coaching, S. 2.  

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