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Hajnalka Beck:

"Möglichkeiten und Grenzen des Live-Online-Fremdsprachenunterrichts in einer virtuellen Welt" (3)

Problematische Punkte und mögliche Schwierigkeiten mit dem Unterricht im Second Life

Wie vielfältig und abwechslungsreich man den Unterricht im Second Life gestalten kann, hängt sehr stark von der „SL-Kompetenz” der Teilnehmer und des Lehrers ab. Die passive Benutzung der vorhandenen Gebäude und anderer Einrichtungen bedarf eigentlich keiner besonderen Kenntnisse. Man kann sich in die virtuelle Welt einloggen und einfach spazieren gehen. Wie man von einem Punkt zum anderen kommt oder wie man seinen Avatar bewegt, lernt man sehr schnell. Es ist zwar gewöhnungsbedürftig, aber nicht kompliziert. Hat man sich diese Grundfunktionen angeeignet, kann man sofort lehren und auch lernen.

Anders sieht es aber mit der aktiven Benutzung der Plattform aus! Dazu muss man schon mindestens grundlegende, SL-relevante Programmierkenntnisse haben. Man muss einfache Scripte erstellen, Gegenstände bauen, Texturen hochladen und tauschen können – und im allgemeinen muss man sich über die Funktionalität der virtuellen Welt im Klaren sein. Genauso gilt das für die Teilnehmer: Können diese ihre Avatare nur mit Mühe bewegen, können sie sich auf Spielfeldern nicht bewegen, Informationen nicht lesen, Stationen nicht finden. Kennen die Lerner die Welt sehr gut und kommen damit sehr gut zurecht, kann man als Lehrer zum Beispiel sogar ein Dominospiel vorbereiten, bei dem die Teilnehmer die Dominosteine selber auswählen und legen können. Aber sie können nach den Anweisungen des Lehrers auch selber Inhalte, Gegenstände oder Spielfelder erstellen, diese mit Texturen beziehen oder ändern.

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Ein eindeutiger Nachteil des SL ist, dass man für die Vorbereitung einer wirklich spannenden und kreativ gestalteten Stunde sehr viel Zeit und Energie braucht. Man muss alles selber bauen (oder hilfsbereite Avatare finden, die das gerne tun), die Scripte muss man selber schreiben und man muss auch die Bilder oder Muster für die Texturen selber vorbereiten, hochladen und damit die Gegenstände beziehen. Genau dasselbe gilt für Videosequenzen oder Audiodateien. Es existieren zurzeit noch keine SL-kompatiblen Lehrwerke, Lehrerhandbücher oder Ergänzungsmaterialien, die die Arbeit erleichtern könnten.

Neben den oben genannten Problemen der technischen Kompetenz und der enorm langen Vorbereitungszeit muss auch ein anderer Punkt erwähnt werden, der die Arbeit im SL erschwert – die (innere) Einstellung der Avatare bzw. "Lernenden". Viele Avatare betrachten Second Life wirklich nur als Spielplatz, dementsprechend ist ihre Einstellung zum Lernen dort. Sie kommen zur Unterrichtsstunde ohne Mikrofon und Kopfhörer dabei zu haben, und ohne die SL-Voice Funktion installiert zu haben. Ohne das Sprechen und Hören kann man aber definitiv keine Fremdsprache lernen. Andere Avatare haben keine Manieren, scheinen nicht genau zu wissen, wie man sich in einer virtuellen Unterrichtsstunde verhalten sollte. Es ist auch problematisch, eine relativ stabile Gruppe zusammen zu bekommen, in der Stunde erscheinen außerdem immer wieder andere (fremde) Personen, was das kontinuierliche Arbeiten erschwert.

Second Life birgt in sich Möglichkeiten, die den live-online Sprachunterricht besonders lebendig, interessant und wirkungsvoll machen können, aber es gibt noch einige Hindernisse, die bewältigt werden müssen. Nicht nur die Technik des SL sollte ausgefeilter und leichter bedienbar werden, sondern auch die Lehrer müssen lernen, kreativer zu denken, und nicht unbedingt die Unterrichtsszenarien aus dem traditionellen Klassenzimmer auf die virtuelle Welt übertragen, sondern ganz andere, extravagante und eigene Lösungen finden.

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Hajnalka Beck: 1998 habe ich in Ungarn mein Germanistikstudium abgeschlossen. Seit 1996 arbeite ich als Lehrerin für Deutsch als Fremdsprache. Mit dem live-online Sprachunterricht habe ich 2005 angefangen und seitdem unterrichte ich DaF ca. 10-15 Stunden die Woche live-online, auch im Second Life. Ich arbeite außerdem noch an der Georg-August-Universität in Göttingen als Lehrbeauftragte am Lektorat für Deutsch als Fremdsprache.

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Online Tutoring Journal, Ausgabe 3(10), Juli 2008, Beck, Hajnalka: Fremdsprachenunterricht in SL, S. 3.  

Thema der aktuellen Ausgabe: "Game Based Learning"

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 Editorial

 Experteninterview mit Matthias Rückel (time4you): Wie lernt man in Second Life und anderen virtuellen Welten?

 Artikel: Axel Nattland: Lernen in Second Life: Welten verbinden - Welten erfinden

 Artikel: U. Kortenkamp/ W. Müller: Wo ist denn hier das Undo? Erfahrungen beim Einsatz von Second Life in Lehrveranstaltungen

 Artikel: Hajnalka Beck: Möglichkeiten und Grenzen des Fremdsprachenunterrichts in einer virtuellen Welt

 Artikel: Silvia Dreer: Realisierung von Second Life in berufsbildenden Schulen

 Proposals Ausgabe 4/2008

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