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Kortenkamp/Müller:

"Wo ist denn hier das Undo?" (2)

Dabei war es zugleich möglich, die Studierenden in SL zu sehen, mit ihnen über den SL local chat zu „reden“, sie per instant messaging in SL anzusprechen oder von ihnen angesprochen zu werden, sie im Raum zu beobachten, mit ihnen (real) zu sprechen, ihnen etwas über die Projektion des Dozentenrechners zu zeigen, E-Mails zu versenden/zu empfangen (von und an andere Teilnehmerinnen und Teilnehmer), per iChat, Skype und Handy mit dem jeweiligen Dozenten auf der anderen Seite (Weingarten) zu sprechen, und Einträge im Stud.IP zu bearbeiten und zu lesen. Alle diese Möglichkeiten wurden in der Tat ausgiebig genutzt, so dass diese 90 Minuten kommunikativ äußerst anstrengend waren. Hier kann man mit Recht von einem echten communication overload sprechen! Dieses Grenzerlebnis ist nicht zur Nachahmung empfohlen!

Es wurde rasch klar, dass SL nicht die notwendigen Strukturen zur Ergebnissicherung bereitstellt, die man als Lehrender aus dem „ersten Leben“ gewohnt ist. Es ist unerlässlich, dafür zusätzliche Hilfsmittel zur Verfügung zu stellen, damit die Teilnehmerinnen und Teilnehmer miteinander auch asynchron kommunizieren und ihre Arbeit dokumentieren können. Dafür wurde die Lernplattform Stud.IP mit dem darin verfügbaren Wiki benutzt. Eine bessere Vernetzung dieses Kommunikationsmittels mit SL wäre hier hilfreich gewesen. Da aber ohne Authentifizierung nicht auf die Inhalte der Lernplattform zugegriffen werden kann, war es nicht möglich, die dortigen Beiträge automatisiert in SL zu integrieren.

Ein zentrales Ziel der Veranstaltung war es, Studierende selbst an das Modellieren von dreidimensionalen Modellen in Second Life heranzuführen. Dabei ist zu bemerken, dass das Erzeugen von Objekten – also das Bauen – in Second Life nur auf Grundstücken möglich ist, die man selbst besitzt oder bei denen man von einem der Besitzer die Rechte zum Bauen bekommen hat. Die Innovationsagentur des Landes Baden-Württemberg (MFG) stellte für die Veranstaltung die notwendigen Rechte zur Verfügung. Second Life besitzt Mechanismen, mit denen Besitzer eines Grundstückes neue Benutzergruppen erstellen können, denen solche Baurechte zugeteilt werden, und in die dann individuelle Nutzer eingeladen werden können.


Prinzipiell sind somit also Möglichkeiten zur gezielten Vergabe von Berechtigungen gegeben. Auf der Ebene der Grundstücke mangelt es hier jedoch an Flexibilität: So ist es in Second Life nicht entsprechend einfach möglich festzulegen, dass ein neuer Benutzer mit Baurechten zwar neue Objekte schaffen und die wiederum verändern kann (in unserem Fall die Exponate sowie die baulichen Erweiterungen für die Ausstellungsgebäude), die bereits existierenden Gebäude jedoch nicht verändert werden dürfen. So kam es im Verlauf der Veranstaltung immer wieder dazu, dass Studierende versehentlich Teile des ursprünglichen Gebäudekomplexes löschten oder veränderten. Ungeschickterweise ist es zudem nicht möglich, solche unbeabsichtigten Änderungen rasch rückgängig zu machen – weder durch den Verursacher noch durch den ursprünglichen Erzeuger der Objekte.

Eine wichtige Lehre dieser Veranstaltung ist es daher, dass, wenn Lernende in Second Life auch selbst modellieren können sollen, Strukturen vorbereitet werden müssen, die es erlauben, sehr detailliert zu kontrollieren, in welchen Räumen welche Objekte verändert werden können und welche nicht. Dies hat in der Tat weitreichende Auswirkungen, z.B. auf die Modellierungsstrukturen von Gebäuden und Objekten, die in Second Life erstellt werden. Aus Sicht der Lehrenden sind hier flexiblere Mechanismen dringend notwendig.
Ein weiteres bemerkenswertes Ergebnis der Verwendung von Second Life in der Lehrveranstaltung und der Gruppenarbeit im virtuellen Seminar war die deutlich bemerkbare sehr hohe Motivation der teilnehmenden Studierenden, sich auch mit anspruchsvollen technologischen Details zu beschäftigen. Studierende, die sich bislang nie oder nur widerwillig mit informatischen Grundkonzepten auseinander gesetzt hatten, arbeiteten sich selbstständig in LindenScript, die Scriptsprache in Second Life, ein, um auf dieser Grundlage eigene Modelle mit Animation und Interaktion anzureichern. Diese Motivation kann man in üblichen Einführungskursen zur Programmierung nicht beobachten.

Im Rahmen der Veranstaltung kam es auch ab und zu zu sehr speziellen Situationen. Da die Veranstaltung nicht in einem geschützten Raum, sondern quasi unter freiem Himmel stattfand, kamen auch von Zeit zu Zeit andere Avatare vorbei, die vermutlich durch die große Gruppe in baden-wuerttemberg 2 neugierig gemacht wurden.

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Online Tutoring Journal, Ausgabe 3(10),Juli 2008, Kortenkamp/Müller: Wo ist denn hier das Undo?, S. 2.  

Thema der aktuellen Ausgabe: "Game Based Learning"

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 Editorial

 Experteninterview mit Matthias Rückel (time4you): Wie lernt man in Second Life und anderen virtuellen Welten?

 Artikel: Axel Nattland: Lernen in Second Life: Welten verbinden - Welten erfinden

 Artikel: U. Kortenkamp/ W. Müller: Wo ist denn hier das Undo? Erfahrungen beim Einsatz von Second Life in Lehrveranstaltungen

 Artikel: Hajnalka Beck: Möglichkeiten und Grenzen des Fremdsprachenunterrichts in einer virtuellen Welt

 Artikel: Silvia Dreer: Realisierung von Second Life in berufsbildenden Schulen

 Proposals Ausgabe 4/2008

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