Online
Tutoring Journal: Frau Komarek, bitte stellen Sie
sich kurz vor.
Iris Komarek: Ich
habe Soziologie, Psychologie und Pädagogik studiert und
nach meinem Abschluss als Programmforscherin bei einem großen
Fernsehsender gearbeitet. Schon während meines Studiums
bin ich auf NLP (Neurolinguistisches Programmieren) gestoßen
und war schnell fasziniert von seinen Möglichkeiten.
Seit dem Jahr 2000 bin ich selbstständige NLP-Trainerin
und habe vor 3 Jahren begonnen, eine NLP-Grundausbildung
(NLP-Practitioner) als Blended Learning Variante zu entwickeln.
Auf die Idee bin ich während der Net-Trainer-Ausbildung
an der FH Furtwangen gekommen. Jetzt kann ich meine beiden
Leidenschaften wunderbar zusammenbringen: NLP Seminare geben
und Online-Trainings betreuen.
Online
Tutoring Journal: Unter
Ihrer Leitung fand 2005 die weltweit erste NLP-Ausbildung
mit Online-Unterstützung statt. NLP hat doch sehr viel
mit Körpersprache und der Interpretation nonverbaler
Signale zu tun. Wie hat man sich eine solche Ausbildung computerbasiert
vorzustellen?
Iris Komarek:
Richtig, NLP hat viel mit Körpersprache und nonverbalen
Signalen zu tun, aber das ist nur ein Teil dieses komplexen
Kommunikations-Modells. Kurzdefinitionen wie „NLP ist
eine Gebrauchsanweisung fürs Gehirn“ oder „das
Schweizer Taschenmesser der Kommunikation“, beschreiben
sehr gut, um was es bei NLP vor allem geht: um mentale Techniken
für positive Veränderung und Kommunikation. In den
computerbasierten Teilen der NLP-Ausbildung werden die Grundlagen
von NLP und die theoretischen Hintergründe der einzelnen
Techniken vermittelt und anhand spezieller Online-Übungen
praktisch umgesetzt. An den Präsenztagen werden dann
alle Themen und Formate mit den anderen Teilnehmern in Rollenspielen
und Kleingruppen ausprobiert und geübt. Ich nenne mal
ein Beispiel: Zu Beginn des Kurses lernen die Teilnehmer,
wie man Ziele gehirngerecht formuliert, damit die Ziele eine
sehr hohe Chance haben, erreicht zu werden. NLP ist ein äußerst
ziel- und lösungsorientiertes Modell, deswegen haben
Ziele einen sehr hohen Stellenwert. Es gibt eine Reihe von
Kriterien, die bei der Zielformulierung beachtet werden müssen,
z.B. „positiv formuliert“ oder „sinnesspezifisch
beschreiben“. Zu jedem Kriterium werden die Hintergründe
erläutert, negative und positive Beispiele gegeben und
Tipps für eine gute Zielearbeit gegeben. Das ist die
Theorie. Praktisch wird das umgesetzt, indem die Teilnehmer
die Aufgabe haben, ein beliebiges Ziel nach den Wohlgeformtheitskriterien
für Ziele niederzuschreiben und an einen vorher definierten
Kurs-Kollegen zu mailen. Dieser meldet zurück, was gut
war und was noch besser hätte formuliert werden können.
Zum Schluss gibt es noch ein Feedback von mir an beide. Im
Präsenztraining taucht dieses Thema dann wieder auf,
z.B. wenn eine Beratungssituation im Rollenspiel geübt
wird und zu Beginn das Ziel herausgearbeitet wird. In der
Regel sind die Teilnehmer dann schon so fit in den Grundtechniken,
dass die Übungen in den Live-Trainings auf sehr hohem
Niveau stattfinden können.
Online Tutoring
Journal: Gibt es Online-Methoden,
z.B. Rollenspiele im Chat o.ä., die sich besonders
für die Integration in Ihr Konzept eignen oder gibt
es auch weniger geeignete?
Iris Komarek:Ich
habe schon in der Testphase für den Blended Learning
Practitioner festgestellt, dass die entscheidenden Kriterien
für den Lernerfolg weniger spezielle Online-Methoden
sind, sondern erstens ein klarer, anschaulicher und gehirnfreundlicher
Aufbau der Inhalte - also kurze Texte mit vielen praktischen
Beispielen. Und zweitens die erfolgreiche Ermunterung zur
direkten Anwendung und Umsetzung in den persönlichen
(Berufs-)Alltag. Das wird über sorgfältig ausgewählte
Übungen erreicht.
Online Tutoring
Journal: Muss demnach
auch das Unterrichtsmaterial speziell gestaltet werden?
Iris Komarek: Die
Unterrichtsmaterialien bilden ein wichtiges Element in diesem
Online-Kurs. Wenn diese langweilig und schwierig zu lesen
sind, dann macht Online-Lernen keinen Spaß, Unmotiviertheit
bis hin zu Abbruch des Kurses können die Folge sein.
Deswegen lege ich sehr großen Wert darauf, dass die
Freude am Lesen der Inhalte immer da ist und die Aufmerksamkeit
von Anfang bis Ende gefesselt wird. Z.B. vermeide ich lange
Fließtexte, sondern gestalte die einzelnen Seiten
mit Bildern, Zeichen, Symbolen, Randnotizen und arbeite
mit vielen verschiedenen Beispielen. Auch auf eine annehmbare
Länge achte ich: kein Thema bekommt mehr als 7 Seiten
Platz. Ich bin der Meinung: selbst sehr komplexe Sachverhalte
müssen kurzweilig und knapp darstellbar sein. Und zur
Demonstration von einzelnen Techniken können Fotostorys
oder kurze Video- oder Audiosequenzen eingesetzt werden.
Diese können mittlerweile problemlos produziert werden,
z.B. mit der Fotodigitalkamera – es soll ja kein verkaufsfähiges
Produkt herauskommen, sondern eine Demo von guter Qualität.
Diese verschicke ich per Post als DVD.
Online Tutoring
Journal: Worin liegen
denn die Unterschiede zwischen klassischem NLP-Training
und der NLP-Online-Variante aus der Sicht des Teletutors
bzw. Online-Trainers?
Iris Komarek: Das Tolle
ist, dass ich mich bei der Online-Variante ganz den Teilnehmern
widmen kann. Die Inhalte sind ja schon alle fertig, so dass
ich mich in erster Linie um eine gute Kommunikation, um
das Gruppengefühl und das Feedback-Geben zu den Übungen
kümmern kann. Dadurch bin ich näher dran an den
Teilnehmern, d.h. ich habe im Online-Training viel stärker
eine Coach-Funktion als im Präsenztraining, in welchem
persönliche Themen nicht so stark eingebracht werden.
Außerdem muss man als Online-Trainer sehr gut organisiert
sein und Freude daran haben, viel zu schreiben. Und natürlich
braucht ein Online-Trainer zusätzliche Kompetenzen
für das Online-Training, das ist ja klar.
Online Tutoring
Journal: Von Ihnen stammt folgendes Zitat: „Es
gibt auch im virtuellen Raum unzählige Möglichkeiten,
NLP anzuwenden – was den meisten eTrainern fehlt.“
Was meinen Sie damit genau? Sollten nun nach Ihrer Ansicht
Teletutoren und eTrainer zusätzlich eine NLP-Ausbildung
absolvieren? Können denn mit NLP auch textbasierte
Botschaften, die ja im Online-Lernen hauptsächlich
auftreten, besser entschlüsselt werden?