Experteninterview
mit Iris Komarek: "NLP
im virtuellen Raum" (2)
Iris Komarek:
NLP ist ein effektives Kommunikationsmodell und eTrainer machen
ja nichts anderes als zu kommunizieren – im virtuellen
Raum. Insofern glaube ich, dass auch Online-Trainer von NLP
profitieren können. Eine klassische Technik des NLP ist
das Pacen: damit ist das Anpassen bzw. Angleichen
an den Kommunikationspartner gemeint. Dass Menschen, die einen
guten Draht zueinander haben, sich auf vielen verschiedenen
Ebenen angleichen, ist ein altbekanntes Phänomen. Das
äußert sich zum Beispiel in einer ähnlichen
Körperhaltung, in ähnlichen Gesten oder einer ähnlichen
Art zu sprechen. Richard Bandler und John Grinder –
die Gründer des NLP in den 70er Jahren – haben
dies auf den Kopf gestellt: Sie probierten aus, was es bewirkt,
wenn man eine ähnliche Körperhaltung, eine ähnliche
Gestik und eine ähnliche Sprache verwendet wie das Gegenüber.
Und verblüffend: tatsächlich wird auf diese Weise
in der Regel eine gute Atmosphäre geschaffen! Im NLP
wird dieser gute Draht zum anderen „Rapport“
genannt. Rapport ist die Basis für jede konstruktive
Zusammenarbeit und kann auch im Online-Training eingesetzt
werden: ich kann die virtuelle Kommunikation pacen (angleichen)!
Ich achte zunächst darauf, wie der Teilnehmer schreibt:
eher lang und ausführlich oder eher kurz und knapp? Eher
schnodderig, jugendlich oder eher ausgefeilt und korrekt?
Verwendet er viele Emoticons oder gar keine? Ist sein Sprachstil
elaboriert oder einfach? Schreibt er auch Privates oder bleibt
es auf der Sachebene? Es gibt so Vieles worauf man achten
kann. Dann passe ich mich seinem Schreibstil an und stelle
fest, dass es ganz schnell geht, eine gute, herzliche Beziehung
herzustellen. So macht es für beide Seiten noch mehr
Spaß!
Ein weiteres Konzept
im NLP ist das Herausfinden und Beachten der verschiedenen
Wahrnehmungstypen. Es gibt den überwiegend visuellen,
auditiven oder kinästhetischen Typ (VAK). Das kann man
ganz gut herausfinden, indem man darauf achtet, welche Wörter
in E-Mails, Chat oder Forum verwendet werden. Dann kann man
sich als Online-Trainer darauf einstellen: Den visuellen Typen
bediene ich durch Schaubilder, eine bildhafte Sprache, Übersichten
oder Verwendung von Symbolen. An den auditiven Typen gleiche
ich mich durch einen guten Sprachstil, eine klare Struktur
und einen guten roten Faden an, und an den kinästhetischen
Typen durch viele Beispiele und praxisrelevante Übungen.
Ich könnte nun noch eine ganze Palette anderer Möglichkeiten
aufzählen, aber das würde zu viel werden. Dennoch
denke ich nicht, dass ein Online-Trainer eine ganze NLP-Ausbildung
absolvieren sollte. Aber einige gezielt herausgegriffene,
relevante Elemente aus dem NLP würden sicherlich eine
Bereicherung darstellen ;-)!
Online
Tutoring Journal: Online-Kurse
wie Ihrer, in denen Verhaltenskompetenzen netzbasiert vermittelt
werden, sind noch selten. Wäre aus Ihrer Sicht der Einsatz
eines virtuellen Klassenzimmers (z.B. Centra, Netucate...)
mit Audio- und Videokanal eine geeignete Unterstützung
um zukünftig vermehrt Online-Kurse dieser Art anbieten
zu können?
Iris Komarek:
Ich denke, dass in der Möglichkeit, gemeinsam in der
Gruppe z.B. Videos zu bestimmten Verhaltensweisen anzuschauen
und anschließend zusammen zu kommentieren und zu analysieren,
eine große Chance und letztlich auch die Zukunft liegt.
Vieles wird dadurch möglich und anschaulich. Aber: bis
jetzt finde ich persönlich die meisten Klassenzimmer
zu kompliziert und schlecht in die eigene Lernplattform zu
integrieren. Vielleicht sollte ich noch mehr Zeit für
die Suche nach geeigneten Möglichkeiten aufwenden. Bis
jetzt habe ich mir immer mit Videos auf DVD, die per Post
an die
Teilnehmer verschickt werden, beholfen. Und ich habe ein ganz
klares Feedback von den Teilnehmern: wichtig ist in erster
Linie eine klare, einfache Lernoberfläche, jeder technische
„Schnickschnack“ (den ich als Online-Trainer vielleicht
als tolle Möglichkeit empfinde) wird eher kritisch beurteilt.
Deswegen ist meine Devise immer: Einfachheit siegt!
Online Tutoring
Journal: Halten Sie
es grundsätzlich für sinnvoll oder gar notwendig
spezielle didaktische Konzepte für verschiedene Themen
und Fächer zu entwickeln, also eine Art Online-Fachdidaktik,
oder glauben Sie, dass ein einmal erfolgreiches Konzept
für jede Art von Thema und Fach angewandt werden kann?
In welcher Hinsicht sind Ihrer Ansicht nach Modifikationen
notwendig?
Iris Komarek: Ich denke,
dass es schon jetzt unterschiedliche Konzepte für verschiedene
Themen gibt: ein Excel-Kurs ist sicherlich anders aufgebaut
als eine Teletutor-Ausbildung – und das ist gut so.
Ich bin sehr dafür, dass man sich für jeden einzelnen
Kurs genau Gedanken macht, wie die Inhalte am besten, d.h.
am erfolgversprechendsten, vermittelt werden können.
Ob beispielsweise nur online oder als Blended Learning Variante,
in der Gruppe und auch mit Einzelpersonen, mit Live-Kommunikation
oder nicht, mit Videos oder nicht und mit welchen Materialien
und Übungen gearbeitet wird. Ein Online-Kurs hat so viele
Facetten, da könnte man aus meiner Sicht niemals einen
„Prototyp“ festlegen!
Online
Tutoring Journal: Sollten auch bezüglich der
Rolle des Teletutors bzw. in Bezug auf das Betreuungskonzept
fächer- oder themenspezifische Adaptionen oder Modifikationen
vorgenommen werden?
Iris Komarek: Ich glaube,
dass auch hier das Thema die Rolle des eTrainers bestimmt.
Reine Sachthemen erfordern einen anderen Trainer als ein verhaltensorientierter
Kurs. In dem Online-NLP-Kurs bin ich ja nicht nur „Lehrer“,
sondern auch Vorbild, d.h. ich muss das NLP-Modell vorleben
und in jeder Kommunikation demonstrieren. Und ich bin, wie
schon erwähnt, auch Coach, d.h. die Teilnehmer kommen
auf mich zu und fragen um Rat, wie sie bestimmte persönliche
Themen aus NLP-Sicht am besten anpacken können. Auf diese
Rollen muss man sich als Online-Trainer einstellen und am
besten spezielle Kompetenzen im eCoaching mitbringen.
Online Tutoring
Journal: Frau Komarek, vielen Dank für dieses
interessante Gespräch!
Interviewerin: Gabriela Pflüger
Iris
Komarek, Jahrgang 1970
Studium der Soziologie, Psychologie, Ethnologie, Pädagogik;
Diplom Soziologin 1997
Programmforscherin für ProSieben 1997 - 2004
NLP-Lehrtrainerin der DVNLP e.V.
NLP-Trainerin (INLPTA)
Net- Trainerin (FH Furtwangen)
Lerncoach /-beraterin (nlpaed)
seit 2000 Trainer-Kooperation mit mind systems!
seit 2004 Institutsleiterin von mind
systems!
seit 2006 National Coordinator der INLPTA Germany
eine Tochter: Felicitas (Jg. 1995)