"Tests
und Tutoring – zwei Säulen für den Lernerfolg"
Abstract
Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Bedeutung von
Tests in Online-Lern-Szenarien und der Rolle, die computergestützte
Werkzeuge und Teletutoren als Feedbacklieferanten dabei einnehmen
können.
Das Bedürfnis
des E-Learners nach Leistungskontrolle
Während von Seiten der Personalentwickler versucht wird,
den Begriff „Assessment“ bzw. „Assessment-Center“
aus dem Vokabular zu streichen, da dieser meist mit diffusen
Ängsten besetzt ist, erfährt der Begriff in seiner
Bedeutung als Testwerkzeug im Kontext von Online-Lehr- und
Lernszenarien seit einiger Zeit eine Art Renaissance. In diesem
Kontext dienen Assessments durchaus unterschiedlichen und
berechtigten Interessen.
Das Interesse auf Seiten der Bildungsanbieter ist die Evaluierung
und Qualitätssicherung der angebotenen Szenarien
und Programme. Auftraggeber bzw. Nachfrager nutzen diese als
Nachweis der eingesetzten Mittel in Bezug auf das Erreichen
der angestrebten Lernziele (Effizienz und Nutzen).
Klassischerweise dienen Assessments oder Tests jedoch als
Leistungsnachweis, mit dem Ziel der Selektion der Teilnehmer
einer Maßnahme oder der Zugangsbeschränkung zu
einer gewünschten Position oder Institution. Tests in
Form von Wissenstests und Übungen sollen dem Lernenden
die Möglichkeit bieten, das eigene Wissen unmittelbar
zu überprüfen und Lernfortschritte zu kontrollieren.
Dabei wird vor allem eine unmittelbare Auswertung von Testergebnissen
bis hin zu mehr oder weniger individuellem Feedbacks über
die aktuelle Lernzielerreichung besonders geschätzt.
Wie beispielsweise die Studie „Was will der E-Learner
2006?“ [Link]
zeigt, ist für die überwiegende Zahl der E-Learner
(82% der Befragten) das Angebot an Einstufungs-, Zwischen-
und Abschlusstests ein wichtiges Entscheidungskriterium bei
der Auswahl eines Online-Trainings. Für 83% der an der
Umfrage teilnehmenden Personen nahm das unmittelbare, direkte
Feedback den größten Stellenwert ein, wobei die
traditionelle E-Mail hierbei als bevorzugte Kommunikationsmöglichkeit
genannt wurde. Die Ergebnisse dieser und anderer Studien geben
Hinweise auf das Bedürfnis des Lerners nach Leistungskontrolle,
um den genauen Wissenstand und eventuelle Defizite zu erfahren
und sie verweisen zugleich auf die Bedeutung persönlicher
Betreuung durch einen Teletutor oder Lernbegleiter.
Computergestützte
Lernerfolgsmessung
Mit der Forderung nach betreuter Lernerfolgskontrolle stellt
sich die Frage nach der Qualifikation der Testentwickler,
da reliable Tests und Lernerfolgskontrollen (die messen, was
sie zu messen vorgeben) für Online-Kurse in der Regel
eigens konzipiert werden müssen. Die Erstellung von komplexen,
intelligenten und angemessenen Lernfragen ist alles andere
als banal und erfordert neben fundiertem Fachwissen hinsichtlich
der Kursinhalte Kreativität, didaktische Kenntnisse und
Erfahrung im Einsatz von Leistungskontrollinstrumenten.
° Redaktionelle Bearbeitung
durch Gabriela Pflüger
Bei der Umsetzung dieser Kenntnisse in
eine valide Testkonstruktion sind die Entwickler auf spezielle
Softwarewerkzeuge angewiesen. Die meisten Autorentools bieten
heute das Erstellen sowie die Auswertung von Testaufgaben
und Übungssequenzen an. Diese Testfunktionen reichen
allerdings nicht an die vielfältigen Funktionen heran,
die eigenständige Assessment-Tools bieten. Chapman
& Hall (2002) empfehlen in ihrer Klassifikation von
Entwicklungswerkzeugen dafür die Software „Perception“
von Questionmark [Link].
Zu den Vorteilen von Perception zählen Chapman &
Hall die zahlreichen integrierten Aufgabentypen über
die Standardaufgabentypen hinaus, die flexible Zusammenstellung,
die Auswahl aus Testpools und die mächtigen Reportfunktionen
einschließlich der komplexen statistischen Auswertungen.
Didaktische Aspekte
des Testeinsatzes
Dennoch kann auch die beste Software nicht das Wissen um die
notwendigen didaktischen Vorüberlegungen ersetzen. Für
alle Lernkontrollformen gilt: Sie sollten nur dort eingesetzt
werden, wo Wissen sinnvoll überprüfbar ist, ihr
Einsatz darf kein Selbstzweck sein. Die Erfahrungen bei der
frühen Entwicklung von CBT (Computer Based Training)
und der programmierten Instruktion zeigen, dass die starke
Zergliederung des Lernprozesses den Anforderungen an eine
komplexe Umwelt nicht gerecht wird und von den meisten Lernern
abgelehnt wird. Dennoch hat sich der behavioristische Ansatz
als didaktisches Element bei der Konzeption mediengestützter
Lernangebote - neben den modernen Ansätzen des Konstruktivismus
und der Problemorientierung, die diesem diametral entgegenstehen
- bis heute halten können. Das Modell „Events of
Instruction“ von Robert Gagné, das behavioristische
Vorstellungen in ein Modell des kognitiven Lernens integriert,
gilt in den USA als populärer Ansatz. Gagné beschrieb
eine Folge von neun Ereignissen, die seines Erachtens bei
jedem erfolgreichen Lehr-Lernprozess stattfinden müssen.
Aufgrund der Kritik an der starren Vorgehensweise, die individuelle
Lehrziele und die jeweilige Zielgruppe zu wenig berücksichtigt,
wurden die Überlegungen von Gagné zum 3-2-1-Modell
weiterentwickelt, in das der „Test“ als didaktisches
und methodisches Element integriert ist.
Die Notwendigkeit von Tests ergibt sich nach Gagné
vor allem aus der Analyse der Rahmenbedingungen. Beispiele:
Dient die Rückmeldung der Selbsteinschätzung oder
der Zertifizierung? Dient das Lernen als Vorbereitung auf
eine festgelegte Prüfung? Überwiegt extrinsische
gegenüber intrinsischer Motivation? Je nach Rahmenbedingung
sollen unterschiedliche Test-Tools zum Einsatz kommen
Haupteinsatzbereiche
von Test-Tools
Shepherd und Godwin unterscheiden in ihrem Whitepaper „Assessments
im Lernprozess“ [siehe Download-Link
auf Seite 3 dieses Artikels] fünf Haupteinsatzbereiche
von Testing-Tools: Das diagnostische Assessment,
welches in erster Linie dazu dient, den Bedarf und die Vorkenntnisse
der Teilnehmer zu eruieren, um die am besten geeignete Lernerfahrung
zu ermitteln. Das formative Assessment, das dem Lernenden
die Möglichkeit bietet, sein erworbenes Wissen in Übungsform
abzurufen. Im Anforderungsassessment werden Können,
Fähigkeiten und Einstellungen einer Gruppe bestimmt um
eine Bedarfsanalyse zu unterstützen. (Mit einer Bedarfsanalyse
wird die