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Monika Schröter:

"Kunstgeschichte via E-Learning"

Abstract
Dieser Artikel geht der Frage nach, welche Rolle E-Learning in den kunstgeschichtlichen Lehr- und Lernprozessen spielt bzw. spielen könnte.

1. Versuch einer Definition der Kunstgeschichte
Kunstgeschichte als historische Disziplin erforscht alle Formen des künstlerischen Schaffens von der Spätantike bis zur Gegenwart. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf der Malerei, der Skulptur, der Architektur und dem Kunstgewerbe. Es werden aber auch moderne Medien wie Fotografie, Film, Video und auch die sogenannte „Netzkunst“ mit einbezogen.
Welche Fähigkeiten impliziert dieses „Erforschen“ der künstlerischen Ausdrucksformen?
Um Kunstwerken gerecht werden zu können, geht es darum...

... zu sehen und zu analysieren:
Sehen zu lernen ist die fundamentale Grundlage für das Verständnis von Kunst. „Sehen lernen“ meint die genaue Wahrnehmung von den künstlerischen Gestaltungsmitteln: Welche Farben hat der Künstler/die Künstlerin verwendet? Wie sind die Farben aufgetragen? Wie ist die Wirkung der Farben? Wie ist das Bild komponiert? Perspektive? Proportionen? Bewegung? Was erzählt ein Bild, ein Relief oder eine Skulpturengruppe an einer gotischen Fassade?
Diese Fragen geben einen kleinen Einblick darüber, wie wichtig der genaue Blick auf ein Kunstwerk ist. Um das Gesehene auch analysieren und in Worte fassen zu können, ist sowohl die Beherrschung einer Fachterminologie und kunsthistorisches Grundlagenwissen als auch die Fähigkeit sich schriftlich und mündlich auszudrücken notwendig.
Natürlich darf bei der Wahrnehmung von Kunst nie außer Acht gelassen werden, dass sie geprägt ist von der Zeit und Kultur in der wir leben und dementsprechend beeinflusst wird.

...zu deuten:
Was ist ein Bild? Was ist Kunst? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Kunstgeschichte seit ihren Anfängen und es gibt bis heute keine eindeutige Antwort.
Verschiedene methodische Ansätze versuchen sich dieser Frage zu nähern. So gibt es die formanalytische-formgeschichtliche und die ikonographische-ikonologische Methode. Weiterhin werden Kunstwerke daraufhin betrachtet, ob sie eine religiöse, politische, ästhetische oder abbildende Funktion erfüllen.
Diese Auswahl an Methoden – und es gibt deren noch mehr – verdeutlicht, wie vielschichtig Kunst und ihre Versuche sie zu verstehen sind. Jede dieser Methoden hat ihre Berechtigung und sie sollten sich gegenseitig bereichern. Entscheidend ist auch der konstruktive Austausch mit anderen Disziplinen, wie der Theologie, Philosophie, der Geschichte und Literatur. Ohne entsprechende Kenntnisse aus diesen Bereichen können Kunstwerke nicht angemessen verstanden und gedeutet werden.

...kreativ zu sein:
Die „traditionelle“ Kunstgeschichte vermittelt keine praktischen oder künstlerischen Fähigkeiten. Es ist ein rein theoretisches Fach. Aber ein handlungsorientierter Zugang zur Kunst kann eine wertvolle Ergänzung zu der rein theoretischen Beschäftigung mit Kunst darstellen.


2. E-Learning in der Kunstgeschichte: Beispiele für webbasierte Seminare
Der Computer und das Internet haben auch in das Fach Kunstgeschichte Einzug gehalten. Der Computer wird selbstverständlich zur Recherche, zur Kommunikation, zur Text- und Bilddistribution und natürlich zur Textproduktion selbst genutzt.
Aber vor allem im Bereich der Gegenstandssicherung (Bauaufnahme, Materialuntersuchung und Rekonstruktion von Kunstwerken etc.) und der Archivierung und Dokumentation von Bildmaterial (Stichwort: Digitalisierung von Bildern in der Lehre und Forschung; Kohle/ Kwastek, 2003, 105-115) sind die neuen Technologien für die Kunstgeschichte von großer Bedeutung.
Aber welche Rolle spielt E-Learning in den kunstgeschichtlichen Lehr- und Lernprozessen?
Und wie kann E-Learning die oben beschriebenen Fähigkeiten zu sehen, zu deuten und auch kreativ zu sein konstruktiv unterstützen?
Um mich dieser Frage zu nähern gehe ich im folgenden auf einige webbasierte kunsthistorische Seminare ein. Ich werde sie im Hinblick darauf untersuchen, in welcher Weise die Potenziale der neuen Medien – wie zum Beispiel Interaktivität, virtuelle Kommunikation, abwechslungsreiche Aufbereitung der Lerninhalte (z.B. Medienkombination, linear und/oder vernetzt) - für einen konstruktiven Lern- und Lehrprozess genutzt werden.

Webbasierte Seminare:
„Art as Experiment Art as Experience [Link]“:
„Art as Experiment Art as Experience“ präsentiert kunstinteressierten Erwachsenen 15 Werke aus der Sammlung Anderson des Museums of Modern Art in San Francisco. Klickt man in den gesonderten Bereich dieser Sammlung, so wird man begrüßt von weiblichen und männlichen Stimmen, die ihre Museumseindrücke schildern. Ist diese Einführung beendet oder überspringt man sie, so gelangt man auf eine Einstiegsseite, auf der man u. a. zwischen den Navigationspunkten „Reflexionen: Über das Machen von Kunst und Gedanken über Kunst“ und „Aktivitäten: Seherfahrung, Alltagsgegenstände und Galerieerfahrung“ wählen kann.
„Reflexionen“ bietet den Besucher/innen Interviews mit den Künstlern, aber auch mit Kunsthistoriker/innen und Sammlern an. Hinter „Aktivitäten“ verbergen sich drei interaktive Angebote: In „Seherfahrung“ müssen Bildausschnitte an der „richtigen“ Stelle im Gesamtbild platziert werden. In „Alltagsgegenstände“ nähert man sich den Kunstwerken durch Zuordnung von Alltagsgegenständen und In „Galerieerfahrung“ können sich die Besucher/innen ihre eigene Galerie zusammenstellen und die Wirkung der Bilder im Raum erfahren.

Bezug zu „sehen“ und „kreativ“:
Die Präsentation der Sammlung Anderson geht mit seinen spielerischen und interaktiven Gestaltungselementen über eine „klassische“ Museumspräsentation hinaus. Hier werden die Kunstwerke nicht nur gezeigt, beschrieben und mit Hintergrundsinformationen erläutert, sondern die Besucher/innen werden in eine kreative Auseinandersetzung mit den Kunstwerken einbezogen. Ziel ist es die Neugierde und die Lust auf Kunst zu wecken.

Artcampus
Die erste Phase des Projekts „Artcampus“ (2000-2004) [Link] war als Online Einführungskurs in die Kunstgeschichte konzipiert. Dieser Kurs behandelte die wichtigsten Epochen der abendländischen Kunstgeschichte und legte einen besonderen Schwerpunkt auf die Vermittlung kunsthistorischer Kernkompetenzen, wie zum Beispiel Bildanalyse und methodisches Denken. 2006 wurde das von der Bundesinitiative Swiss Virtual Campus und der Universität Bern geförderte Projekt abgeschlossen.
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Online Tutoring Journal, Ausgabe 3, 2006, Schröter, M.: Kunstgeschichte via E-Learning, S.1.  

Thema der aktuellen Ausgabe: "Fachspezifische Aspekte teletutorieller Betreuung"

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 Editorial

 Experteninterview mit Iris Komarek

 Artikel: Kunstgeschichte via E-Learning

 Artikel: Tests und Tutoring

 Proposals Ausgabe 1/2007

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