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Jobbörse für qualifizierte Teletutoren

Interview mit den Geschäftsführerinnen von „Frauen coachen Frauen“ Andrea Juchem-Fiedler und Daniela Sauermann


"Brauchen Online-Lernende Coaching?"

Online Tutoring Journal: Moderne Online-Lernszenarien fordern mehr von einem Teletutor, als Lerninhalte häppchenweise an die Teilnehmer zu verteilen. Immer häufiger wird daher ein neues Rollenverständnis gefordert: Der Teletutor solle zum „Lerncoach“ werden, womit gemeint ist, dass Lernende von ihm durch Beratung und Intervention beim Aufbau und bei der Erweiterung von Lernkonzepten, beim Selbstmanagement und bei der Wissensorganisation unterstützt werden sollen. Müssen Teletutoren nun über klassische Coaching- und Beratungskompetenzen verfügen um diesem Anspruch gerecht werden zu können?

Daniela Sauermann: Meiner Ansicht haben sich in den letzten Jahren die Anforderungen der Lernenden geändert, im Online-Lernen ebenso wie im Präsenz-Lernen. Die neuen Medien haben dies beschleunigt, auch aufgrund der vielfältigen Möglichkeiten zur Aneignung von Wissen, die jederzeit bereitstehen.
Ein guter Lehrer ist heute im allgemeinen eher das, was im landläufigen Sinne unter einem Coach verstanden wird: er begleitet, unterstützt, fördert individuell usw. Dies gilt ebenso für Teletutoren. Allerdings denke ich, dass die Ziele und Aufgaben, die Teletutoren und Coaches in ihrer Arbeit verfolgen, unterschiedlich sind. Der Teletutor muss nicht zwangsläufig ein Coach sein.

Online Tutoring Journal: Von welchen Faktoren (z.B. bestimmte Zielgruppen, Ziele, Themen...) hängt es Ihrer Meinung nach ab, wie hoch der Bedarf an „Coaching“ bei Online-Lernenden überhaupt ist?

Andrea Juchem-Fiedler: Ich glaube, Sie beziehen sich mit Ihrer Frage auf das, was umgangssprachlich/ im allgemeinen unter einem Coach verstanden wird. Also eine Person, die dran bleibt, die fördert und begleitet, aber diese Aspekte alleine werden den Aufgaben eines Coaches nicht gerecht. Der Coach ist nicht dazu da, seinem Klienten etwas beizubringen, ihm Wissen zu vermitteln, so wie es Lehrer in Präsenzsituationen oder Teletutoren in Virtuellen Situationen tun. Man sollte die Begrifflichkeiten also exakt trennen. Wenn Sie danach fragen, wie groß der Coaching-Anteil bei Tele-Szenarien ist, dann hängt dies sicher von der Fragestellung, den Klienten und den Themen ab. Also: komplexe Themen verlangen mehr Einsatz des Teletutors, aber auch eine bessere und zielgruppenspezifische Aufbereitung der Inhalte und Einsatz von verschiedenen technischen Möglichkeiten.

Online Tutoring Journal: Die Wiedereinsteiger oder Berufsrückkehrer gehören zu den so genannten „lernentwöhnten Zielgruppen“. Diese Zielgruppe hat sicherlich andere Erwartungen an die Betreuung in einem Online-Kurs als Lern- und Weiterbildungserfahrene. Was genau benötigt diese Zielgruppe aus Ihrer Sicht?

Andrea Juchem-Fiedler: Eine regelmäßige und sehr enge Betreuung, auch außerhalb der eigentlichen Sitzungen. Eine einfache Aufbereitung der Lerninhalte, die nicht zu technisch ist und das tatsächlich vorhandenen medienspezifische Know How der Teilnehmerinnen beachtet. Bei Frauen coachen Frauen erleben wir, dass Frauen sich durch den hohen Anteil an technischen und computerspezifischen Elementen in der virtuellen Lernsituation schnell überfordert und allein gelassen fühlen. Die Kommunikation alleine vor dem Bildschirm entspricht nicht ihrem täglichen Kommunikationsverhalten. Um den Bedürfnissen der Frauen besser gerecht zu werden, haben wir in unseren Kursen auch Präsenzanteile eingebaut. Mit dem Konzept des Blended Learning erfahren wir, dass diese Mischung sich positiv auf die Gruppendynamik und Motivation auswirkt.

 

Online Tutoring Journal: Über Ihre Plattform „Frauen coachen Frauen“ bieten Sie eine Weiterbildung für Coaches zum Online-Coach an. Neben Medienkompetenzen sind sicherlich weitere Kenntnisse und Fähigkeiten erforderlich, um online als Coach arbeiten zu können. Welche sind das? Und wo sehen Sie die Schnittmenge zum Teletutoring?

Andrea Juchem-Fiedler: Zu den grundlegenden Anforderungen an einen Coach zählen fundiertes Fachwissen aus den Bereichen Psychologie und Betriebswirtschaft ebenso wie zahlreiche persönliche Kompetenzen wie Selbst- und Lebenserfahrung, das aktive Zuhören können und ein Interesse am Menschen. Der Coach verfügt über Wissen und Erfahrung, ist jedoch nicht allwissend und muss dies auch nicht sein.
Um als Coach jedoch als Online-Coach in Einzel- oder Gruppencoaching arbeiten zu können, sind weitere Kompetenzen notwendig, abhängig davon, mit welchem Werkzeug er arbeitet. Z.B. asynchrone Kommunikation per mail oder newsgroup; synchrone Kommunikation per Telefon, Chat, virtual classroom.
Im Einzelnen zählen zu diesen speziellen Kompetenzen des Online-Coaches die Medienkompetenz, die didaktisch-methodische Kompetenz, die sozial-kommunikative Kompetenz und die internetbasierte Kompetenz. Medienkompetenz umfasst technisches Wissen über das jeweilige Kommunikationswerkzeug und dessen sachgerechte Handhabung. Weiterhin zählt dazu die sog. semantische Kompetenz. Ein Online-Coach sollte neben den o.g. Kompetenzen auch über besondere sozial-kommunikative Kompetenzen verfügen um ein, für den Klienten, erfolgreiches internetbasiertes Coaching durchführen zu können.

Die Schnittmenge zum Teletutor sehe ich vor allem bei den didaktisch-methodischen Kompetenzen, wenn ein Online-Coach mit einer Lernplattform arbeitet und dabei eine Lernumgebung gestalten muss. In dieser Lernumgebung stellt der Online-Coach dann unterschiedliche Materialien, Informationsträger und Hilfen bereit, die aufeinander abgestimmt sind. Im Vordergrund hier steht das Lernen der Klienten/Teilnehmer. Dieses Werkzeug des Online-Coachung eignet sich vor allem für das Gruppencoaching.

Online Tutoring Journal: Online-Coaching tut sich auf dem freien Markt noch schwer. Wie sind da Ihre Erfahrungen? Wer ist die Zielgruppe für Online-Coaching? Welche Vorteile bietet Online-Coaching?

Daniela Sauermann: Vielleicht ist das Online-Coaching noch ein bisschen behäbig, dennoch ist Bewegung da, siehe das neue Buch von Prof. Dr. Geißler namens E-Coaching, siehe die XING-Gruppen "Online–Coaching" und "E-Coaching" und die rege Diskussion im Online-Forum von Christopher Rauen. Das Interesse am Online-Coaching ist da, nur viele wissen tatsächlich nicht, was es eigentlich ist.
Doch die Kunden verlangen nach einem orts- und zeitunabhängigen Coaching. Dabei kann beim email-Coaching auch im eigenen Tempo gearbeitet werden; die schriftliche Auseinandersetzung mit dem Anliegen führt oft schon zu einer ersten Klärung. Darüber hinaus bieten wir unserer Zielgruppe der hoch mobilen und beruflich stark beanspruchten Frauen sowie den Frauen mit meist kleinen Kindern, die zeitlich nicht flexibel sind, aber auch Frauen, die sich aus den unterschiedlichsten Gründen coachen lassen wollen, eine eigene Online-Coaching–Methode an, die wir zur Zeit weiterentwickeln. Wer eine Affinität zum Schreiben hat, lässt sich gern auf die Arbeit mit Poesie oder poetischer Sprache ein. Dabei ist es nicht wichtig, besondere literarische Fähigkeiten oder Wissen zu besitzen, um Poesie auf sich wirken zu lassen. Aber durch den Einsatz von angebotenen Gedichten oder Texten oder selbst geschriebenen Gedichten oder Texten kann ein direkter und unmittelbarer Zugang zur Kundin hergestellt werden.

Online Tutoring Journal: Herzlichen Dank für dieses interessante Interview!

Download des Interviews als PDF

Andrea Juchem-Fiedler und Daniela Sauermann, "Frauen coachen Frauen" (Berlin)

Online Tutoring Journal, Ausgabe 4(11), Oktober 2008, Experteninterview

Thema der aktuellen Ausgabe: "Wie viel Coaching brauchen Online-Lernende?"

 Startseite

 Editorial

 Experteninterview mit Daniela Sauermann und Andrea Juchem-Fiedler (fcf): Brauchen Online-Lernende Coaching?

 Artikel: Konrad Fassnacht: Der Teletutor als Lernberater und -coach

 Artikel: Anja Röck: Teletutor, Coach, Lernberater - was denn nun?

 Artikel: Sibylle Tuschter: Wie viel Coaching brauchen Online-Lernende?

 Artikel: Brigitte Koch: Was ist Online-Coaching?

 Proposals Ausgabe 1/2009

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