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Brigitte Koch:

Was ist Online-Coaching?

Ich biete onlineCoaching an:
Online bedeutet dabei asynchrone, computervermittelte Kommunikation in einem virtuellen und sicheren Raum. Das heißt: Kommunikation findet nicht gleichzeitig, und in schriftlicher Form auf einer ssl-verschlüsselten, web-basierten Lernplattform statt.
Coaching definiere ich als eine personenbezogene Beratung für Menschen im beruflichen Feld. Die Coachees verbessern die Erreichung selbstkongruenter Ziele und verändern und entwickeln sich bewusst durch ergebnisorientierte Reflexionen und Selbstreflexionen (1).

Ein professionelles onlineCoaching-Angebot

Seit Ende der 80er Jahre setze ich in Führungskräfteentwicklungsprogrammen Lerntagebücher (2) ein. Erfahrungen mit schriftlichen Diskussionen in meiner Fortbildung für Lernen und Lehren im Internet, vor allem aber mein Erleben von Verbundenheit, Rahmen und Unterstützung trotz Virtualität führten zur Entwicklung eines onlineCoaching-Angebots unter http://www.moodeln.de.

Der Ablauf des Prozesses verläuft wie bei einem Präsenzcoaching in vier Phasen: Zunächst wird geklärt, ob das Anliegen (mit dem der Coachee Coaching nachfragt) in einem onlineCoaching bearbeitet werden kann und ob der Coachee mit mir und dem Medium arbeiten will (Vorbereitungsphase). Dies kann mündlich oder per E-Mail besprochen werden. Die Klärung des Anliegens führe ich aus Sicherheitsgründen und zur Nachlesbarkeit immer auf der Plattform durch. Dann wird ein Kontrakt geschlossen über das Ziel, die Vorgehensweise, die Dauer und die Spielregeln (Einstieg und Kontrakt). Nach der ergebnisorientierten Bearbeitung der Themen (Arbeitsphase) wird der Prozess beendet (Trennungsphase). Die Coachees haben nach dem Ende noch 3 Monate Zugang zu ihrem virtuellen Coachingraum zum Nachlesen oder für Rückmeldungen.
Natürlich können die Coachees jederzeit Präsenzsitzungen mit mir vereinbaren.

Die Anliegen meiner Coachees waren bisher Klärungsprozesse zur beruflichen Neuorientierung, z.B. nach Firmenverkauf oder Merger und Führungsthemen wie die ersten 100 Tage in einer neuen Position oder Probleme mit einem Mitarbeiter oder Kollegen.

Vorteile von onlineCoaching

Die Unabhängigkeit von Raum und Zeit ist ein großer Vorteil. Aber den Hauptnutzen sah und sehe ich vor allem in den Möglichkeiten, die sich für den Beratungsprozess aus einer schriftlichen Kommunikation ergeben:
„Der Prozess des Schreibens unterstützt und fokussiert die Reflexion und hilft so, Ordnung in Erlebtes zu bringen, Erfahrungen miteinander zu vergleichen, Unbewusstes teilweise bewusst zu machen - und wirkt häufig emotional entlastend.“ (3)

Meine Coachees fügen diesen Vorteilen von onlineCoaching weitere hinzu:

„Einen weiteren großen Vorteil bietet das onlineCoaching dadurch, dass alles in schriftlicher Form abläuft. So war ich gezwungen, meine Gedanken, Überlegungen auf den Punkt zu bringen. Ich konnte nicht, wie es leicht in einem Gespräch passiert, um den "heißen Brei herumreden" oder auch eben gemachte Aussagen schnell wieder relativieren oder sonstige Tricks anwenden.
Es war immer die Essenz. Deine Fragen, Anregungen und Hinweise trafen zudem immer den Punkt, veranlassten mich weiter zu denken, umzudenken, hinzuspüren, anders zu schauen, genau hinzuschauen und brachten mich dadurch schnell weiter.“

„Die Wahrscheinlichkeit von Missverständnissen ist zwar beim online höher, dafür kommen dadurch auch Dinge „hoch“, die in einem persönlichen Gespräch nicht bewusst würden.“

 

„Ich gehe sogar soweit zu sagen, dass ich vermute, dass unsere Arbeitsbeziehung sich so wie sie heute ist, bei einem f2f nicht entwickelt hätte! Allein die – manchmal gar nicht bewussten - Unterschiede von Mann und Frau können Beziehungen beeinflussen (so verfällt ein Mann – insbesondere in Führungspositionen – in einen Reflex sich besonders zu „produzieren“, das natürliche Imponiergehabe). Das online erleichtert es, eine eher neutrale Beziehung und somit eine sachlichere aufzubauen. …(… Man(n), oder zumindest ich, ertappt sich schon mal, dass man(n) einer Frau (ob Vortragende, Zuhörerin oder Gesprächspartnerin) wo ganz anders hinschaut (Augen, Nase und auch weiter unten) und nicht nur „neutral“ gegenübersteht. Umgekehrt sieht man(n) den Mann als Vortragender, Zuhörer oder Gesprächspartner auch mal als „Rivale“ oder „Konkurrenten“. Das ist beim online weniger ausgeprägt und stört nicht so sehr.“

„Ich gehe sogar so weit zu sagen, dass ich Ihnen im Coaching Dinge offenbaren würde, die ich noch nicht einmal meinem besten Freund oder meiner Frau anvertrauen würde. Das liegt aber wohl an der „Schweigepflicht“. Im online spricht man gleichsam mit einem „schlauen Spiegel“, der kritisch zuhört und Fragen stellt. Ist der Augenblick vergangen, ist auch das Spiegelbild verschwunden und es bleiben keine „Spuren“. Es ist ein gutes, ein sicheres Gefühl!“

„Das ist online anders, da man sich viel intensiver damit beschäftigen muss. Ein Satz ist schnell gesprochen, aber man braucht ein Vielfaches an Zeit, um ihn zu schreiben – und um diesen Zeitfaktor länger beschäftigt man sich auch damit!“

„Sehr geschätzt habe ich auch, dass der Coaching-Raum nach dem Ende der Arbeit an dem Thema für mich offen geblieben ist zum Nachlesen.“

Welche Kompetenzen braucht ein Online-Coach?

Neben der Beratungs- und Feldkompetenz und dem dazugehörigen Fachwissen braucht ein Coach in hohem Maße persönliche Kompetenzen, wie z.B. Selbst- und Lebenserfahrung und Empathie (4).

Der onlineCoach muss vor allem über psychologische und kommunikative Skills in der medien-basierten Beratung sowie natürlich über Internet- und Sicherheitskompetenz verfügen. (5)

Was ist der wesentliche Unterschied zwischen Online-Coach und Teletutor?

Coaching ist in erster Linie beratendes und Teletutoring pädagogisches Handeln. Dies impliziert u.a. unterschiedliche Beziehungsgestaltung, Rollen und Vorgehensweisen. Gegenstand von onlineCoaching ist die Bearbeitung eines bestimmten Problems oder Themas aus der (beruflichen) Lebenswelt des Coachees. Beim Teletutoring geht es um Wissensvermittlung und die Nutzung der Neuen Medien zur Unterstützung der Lern- und Lehrprozesse.
D.h., aus einer TeletutorIn, die nicht mehr vorrangig inhaltliches Wissen vermittelt, sondern den Lernprozess motivational und emotional begleitet, die mehr Fragen stellt als Antworten gibt, wird damit noch lange nicht ein Online-Coach.
Aber möglicherweise wäre ein onlineCoaching / onlineSupervision zur Erweiterung der professionellen Handlungskompetenz hilfreich.

(1)GREIF, S. (2008): Coaching und ergebnisorientierte Selbstreflexion, S. 69.
(2)BOLTON, G. (2001): Reflective practice, S. 155f.)
(3)MÜLLER, U.(2002): Professionelles Handeln lernen durch Selbstbildung? Eine integrative Rahmenkonzeption zur Weiterbildung der Weiterbildner. , S. 8.
(4)RAUEN, Ch.: Coaching-Report
(5)DGOB (Deutsche Gesellschaft für Online-Beratung): Qualitätsstandards für Online-Beratung



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Brigitte Koch, Diplom-Psychologin, Supervisorin (DGSv), Online-Beraterin (DGOB), seit 1989 u.a. in der Führungskräfteentwicklung und –beratung tätig, seit 2006 als onlineCoach auf www.moodeln.de

Online Tutoring Journal, Ausgabe 4(11), Oktober 2008, Koch, B.: Was ist Online-Coaching?  

Thema der aktuellen Ausgabe: "Wie viel Coaching brauchen Online-Lernende?"

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 Editorial

 Experteninterview mit Daniela Sauermann und Andrea Juchem-Fiedler (fcf): Brauchen Online-Lernende Coaching?

 Artikel: Konrad Fassnacht: Der Teletutor als Lernberater und -coach

 Artikel: Anja Röck: Teletutor, Coach, Lernberater - was denn nun?

 Artikel: Sibylle Tuschter: Wie viel Coaching brauchen Online-Lernende?

 Artikel: Brigitte Koch: Was ist Online-Coaching?

 Proposals Ausgabe 1/2009

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