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Annett Kienitz:

Online-Lernen mit Betreuung - ein Erfahrungsbericht

Seit Anfang der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts bin ich im Weiterbildungsbereich tätig. Dabei veränderten sich sowohl meine Unterrichtsinhalte als auch die Teilnehmer/innen, die Rahmenbedingungen und natürlich auch die eingesetzten Unterrichtsformen.
In einer Phase der beruflichen Neuorientierung entdeckte ich das Online-Lernen für mich. Als Dozentin würde ich auch vom Home-Office aus arbeiten können. Und auch als Teilnehmerin könnte ich so einiges an Fahrtzeit zum Kursort sparen und zeitlich flexibel und ortsungebunden mein Wissen erweitern.
Die Idee war also geboren. Nun ging es daran, geeignete Online-Lernangebote für mich selbst zu finden. Denn zunächst wollte ich selbst aus Teilnehmersicht Online-Kurse erleben
Ich suchte also nach Angeboten, die mich fit für meine zukünftige Rolle als Online-Trainerin machten und solche, in denen ich andere Online-Trainer erlebe und gleich noch etwas für mich Sinnvolles lerne.

Doch der Reihe nach:

Online-Kurse für Online-Trainer

Zunächst ging ich auf die Suche nach Kursen für Online-Trainer: Und ich fand einige Angebote, die mir inhaltlich zusagten. Jedoch waren die Rahmenbedingungen sehr verschieden: Die Kursdauer reichte von einigen Wochen bis hin zu mehr als einem Jahr. Es gab Kurse mit Präsenzphasen und solche ohne. Auch die Art der Leistungsnachweise war verschieden. Ein Kurs war eher ein Selbststudium, die meisten Kurs boten eine von Teletutoren begleitete Ausbildung in Lerngruppen an. Und die Kosten solch einer Ausbildung waren natürlich ebenfalls ein Auswahlkriterium. Meine Entscheidung fiel, und ich belegte einen halbjährigen rein internetbasierten Online-Kurs an einer schon lange auf diesem Gebiet erfahrenen Institution mit einem sehr guten Ruf.

In einer Lerngruppe mit fünf Teilnehmer/innen und von einer Teletutorin sehr gut und kompetent betreut lernte ich, einen Online-Kurs zu konzipieren und diesen dann auch als Online-Trainerin durchzuführen. Inhaltlich ging es von der Kurs-Idee über die Festlegung der Lernziele, die didaktische Konzeption des Online-Kurses und die Gestaltung der Online-Lernmaterialien bis hin zu Aspekten des Projektmanagements bei der Einführung von Online-Lernangeboten. Parallel zu der Erarbeitung unseres eigenen Konzeptes erlernten wir durch praktisches Üben in der Lerngruppe die verschiedenen Aspekte teletutorieller Betreuung.

Wie lief nun der Kurs ab?
Zum Abrufen der Lernmaterialien sowie der Kommunikation untereinander und der Bearbeitung der Aufgaben stand eine Lernplattform zur Verfügung. Obwohl der Kurs in fünf Module auch zeitlich getaktet war, konnte ich schon zu Kursbeginn alle Lehrbriefe einsehen und ausdrucken, was mir sehr gefiel.
Es gab neben Einzelaufgaben etliche Gruppen- und Tandemaufgaben, wobei die Gruppen- und Tandemzusammensetzung wechselten. Dies war eine sehr gute Übung für die Kommunikation in Online-Kursen, z. B. für aktives “Zuhören” sowie einfühlsames, wertschätzendes Formulieren von Feedbacks.
Die Arbeitsergebnisse stellten wir zum großen Teil in einem Forum bereit, teilweise arbeiteten wir mit E-Mail und auch regelmäßig mit einem Chat.
Der Teletutorin und uns Teilnehmer/innen gelang es auch ohne vorherigen persönlichen Kontakt eine vertrauensvolle Lernatmosphäre zu schaffen - so hat Online-Lernen Spaß gemacht!

Nun wollte ich selbst einige Online-Kurse als Teilnehmerin erleben. Dabei ging es mir darum, von anderen Online-Trainern zu lernen, wie diese Online-Kurse durchführen. Meine Kursinhalte wählte ich nach zwei Aspekten aus: Einmal meine eigenen Schulungsthemen, nämlich EDV-Anwendungen, und zum anderen allgemeine für den Beruf nützliche Themen.

Wieder begab ich mich auf die Suche nach Online-Kursen. Diesmal sollte die Kursdauer nicht zu lange sein, ein Gruppenkurs sollte es auch sein. Und ich fand einige Angebote, die ich dann buchte, die meist als Online-Workshops bezeichnet wurden.

Online-Workshops mit Betreuung durch eine/n Workshopleiter/in

Ein inhaltlicher Schwerpunkt waren EDV-Themen, nämlich ähnlich meinen eigenen Unterrichtsthemen:

Zunächst buchte ich einen 6-wöchigen Kurs zu einem MS-Office-Programm, welches ich zwar kannte, mit dem ich bis dahin aber selten arbeitete. Und mir ging es ja auch nicht nur um den reinen Inhalt.
In diesem Kurs erhielt ich pro Woche eine Lernunterlage, mit Beispielen und Übungsaufgaben. Diese Unterlagen waren sehr verständlich und auch logisch gut aufgebaut, ebenso die Aufgabenstellungen. Die Kommunikation mit der Kursleiterin erfolgte per E-Mail, Rückmeldungen zu den eingesendeten Aufgaben sowie Antworten auf Fragen bekam ich immer zügig, auch Anregungen für weitere Arbeiten. Dies gefiel mir gut, allerdings war ich dann als Teilnehmerin alleine, es gab keine Lerngruppe.

Dann buchte ich einen Online-Workshop über digitale Bildbearbeitung. Hier gab es die Lernunterlagen in kleinen Häppchen: zu jedem Aspekt eine kurze theoretische Erklärung mit der Umsetzung im Programm sowie einer Übungsaufgabe, die an Hand von Beispielfotos oder eigenen Fotos umgesetzt werden konnte. Auch hier erlebte ich wieder gut formuliertes und aufgebautes Material und jeweils eine superschnelle Reaktion der Workshopleiterinnen auf vorliegende Übungsergebnisse. Diesmal erfolgte das Bereitstellen des Materials, das “Einsenden” von Arbeitsergebnissen sowie die Kommunikation innerhalb der Lerngruppe und mit den Workshopleiter/innen über ein recht einfach aufgebaute Lernplattform, welche im wesentlichen aus einer Forenstruktur sowie einem System zum Senden von persönlichen Nachrichten bestand. Somit konnten wir Teilnehmer/innen auch sehen, welche Ergebnisse die anderen erzielt hatten und uns gegenseitig Anregungen geben, was auch geschah. Der Kurs hätte sicher auch als Einzelkurs funktioniert (E-Mail-Kurs oder klassisches Fernlernen), in dieser Lerngruppe hat es aber sicher mehr Spaß gemacht.
Ein weiteres EDV-Thema, auf das ich sehr neugierig war, ist die Erstellung von Webseiten. Dazu buchte ich sogar zwei Kurse bei verschiedenen Anbietern. Bei einem Kurs wurde neben der eigentlichen Webseitenerstellung auch thematisiert, wie man denn seine Webseite tatsächlich im Internet veröffentlichen kann. Die Webseite selbst wurde schrittweise mit einem kostenlosen Programm erstellt.

Der andere Kurs war ein Crashkurs und führte innerhalb von vier Wochen in die Themen HTML sowie CSS ein, in jeder Woche gab es Lernunterlagen sowie Aufgaben. Dazu stand den Teilnehmer/innen ein Übungswebserver zur Verfügung. Der Inhalt sowie dessen Aufbereitung gefiel mir gut, zusätzlich zur Webseite standen die meisten Inhalte auch zum Download zur Verfügung.

Die Workshopleiterin gab hier auch rasch und sehr detailliert Feedback zu den erarbeiteten Lösungen. Ein Blick in die Lösungen der anderen Teilnehmer/innen ergab zusätzlich die eine oder andere Anregung für die eigene Arbeit. Bei diesem Kurs waren die Lernunterlagen sowie das Forum, über welches die Kommunikation innerhalb des Kurses stattfand, in die Gesamtlernplattform, auf welcher ein riesiger Pool an Lernmaterialien zur Verfügung steht, eingebunden. Natürlich waren die Kursunterlagen nur für die angemeldeten Teilnehmer/innen zugänglich, eine bessere - zumindest optische - Abgrenzung zur Gesamtlernplattform hätte die Übersichtlichkeit jedoch erhöht. Störend empfand ich eine gewisse Anonymität im Kurs. Alle Teilnehmer/innen wurde mit ihrem Benutzernamen für die Gesamtlernplattform angezeigt. Und dieser war häufig nicht der richtige Name.

Nun belegte ich noch einige Kurse, die eher allgemein interessant für verschiedene Aspekte meiner beruflichen Tätigkeit waren, z. B. zu den Themen Kreativitätstechniken, Schreiben im Beruf, Einnahme-Überschuss-Rechnung. Die Lernunterlagen standen wieder getaktet, meist fast täglich, auf der Lernplattform zur Verfügung, und im Forum wurden die Arbeitsergebnisse veröffentlicht und von den Workshopleiterinnen - und teilweise auch von den anderen Teilnehmer/innen - kommentiert. Da die Kurse eine recht kurze Dauer hatten, musste man eigentlich auch täglich die Lernaufgabe/n bearbeiten, um auf dem Laufenden zu bleiben.

- Lesen Sie weiter auf S. 2 -

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Online Tutoring Journal, Ausgabe 1(12), April 2009, Kienitz, A.: Online-Lernen mit Betreuung, S. 1.  

Thema der aktuellen Ausgabe: "Stolpersteine und Hürden beim Online-Lernen"

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