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Thanh-Thu Phan Tan/Michaela Krey:

Vom Selbstlerner zur Lerngemeinschaft: Aha-Erlebnisse auf der Lernplattform

Im Leben eines Hochschullehrers…

Es ist 6.00 Uhr morgens. Der Wecker hat geklingelt. Ich stehe auf und wandere unter die Dusche. Was steht heute an? Oh je, ich muss meine Grundlagenvorlesung durchplanen. Folien überarbeiten, Skript checken, hm…was noch? Auch die Übungsaufgaben könnten eine Überarbeitung vertragen. Hui, das wird wieder ein Krampf neben all den laufenden Projekten. Außerdem weiß ich gar nicht, was ich noch machen soll, damit die Studierenden mal ein bisschen mehr aktiv sind. Es macht wirklich keinen Spaß, wenn es überhaupt keine Resonanzen in den Veranstaltungen gibt – träge Masse.

Am Frühstückstisch…

Da fällt mir ein, dass es da ja so eine "Hochschuldidaktische Weiterbildung" gibt. Online-Workshops für Hochschullehrer zu den ganzen Sachen: „Lehre planen“, „Zeitmanagement“, „Prüfungen vorbereiten“ usw. Ob das etwas für mich ist? Was steht da auf dem Flyer? „In diesem Online-Workshop erweitern Sie Ihre individuellen Kenntnisse über die Gestaltung von Lehrveranstaltungen. In sieben Wochen bekommen Sie grundlegende Informationen darüber, wie Sie Ihre Lehrveranstaltungen lernförderlicher strukturieren und mit aktivierenden Methoden bereichern können. Sie erarbeiten für die verschiedenen Phasen einer Lehrveranstaltung neue Ideen und Methoden. Am Ende des Workshops werden Sie Ihr individuelles Handlungsrepertoire erweitert haben, und Sie werden neue Elemente bei der teilnehmer- und zielorientierten Planung von Lehrveranstaltungen integrieren können.
Inhalte: Einstiegsphase einer Lehrveranstaltung: Steigerung der studentischen Mitarbeit und Disziplin, Lehr-/Lernziele, Stoffreduktion, Feedback. (…)“

Das klingt gut, da melde ich mich an.

„WindH online“ steht für Weiterbildung in der Hochschullehre – und zwar online

Lehrveranstaltungen zu planen und durchzuführen, gehört neben der Forschung zum Arbeitsalltag von Hochschullehrenden. Häufig fehlt es jedoch an Zeit und kollegialem Austausch über Inhalte und Methoden. Immer wieder wird uns von Hochschullehrern zurückgemeldet, wie wertvoll ein reflexiver Austausch mit anderen Kollegen ist, und wie selten Lehrende sich in der Planung und Durchführung ihrer Veranstaltung Unterstützung und Impulse von außen holen.
Die Erfahrungen, die wir hier schildern, wurden in unserem E-Learning-Projekt „WindH online“ gemacht. „WindH online“ ist ein hochschuldidaktisches Weiterbildungsprogramm für Hochschullehrende, welches sich aus Online- und Blended-Learning-Workshops zusammensetzt. Das Projekt verlief über 2 Jahre und wurde in Zusammenarbeit mit drei Hochschulstandorten Osnabrück, Oldenburg und Braunschweig und insgesamt fünf erfahrenen Didaktikerinnen bzw. Online-Dozentinnen durchgeführt.

Das Workshopszenario

Die einzelnen Workshops von WindH online hatten alle eine Dauer von 4 bis 8 Wochen. Während der Laufzeit fanden bis zu drei moderierte Videokonferenzen statt, welche an verschiedenen Hochschulstandorten besucht werden konnten. Mit der ersten Videokonferenz lernten sich die Teilnehmer kennen und wurden in die Technik und Onlinearbeitsform eingeführt. In weiteren Videokonferenzen wurden Arbeitsergebnisse, Erfahrungen und Fragen zu den Workshopthemen besprochen. Jeder Workshop wurde von zwei Online-Dozentinnen betreut. Zu den Aufgaben der Dozentinnen zählten die Einführung der Teilnehmenden in Inhalte und Technik, Unterstützung der Onlineaktivitäten durch Kommentare, Feedbacks und anregende Fragen, Moderation der gemeinsamen Videokonferenzen, Moderation des Forums, Bereitstellung von Arbeitsaufträgen, sowie Beratung bei technischen Schwierigkeiten oder inhaltlichen Unklarheiten. Darüber hinaus gaben die Dozentinnen auch telefonische Hilfestellungen zu Einzelfragen.
Im Lernszenario der Workshops wurden nur sehr leicht zu erlernende Technologien und Werkzeuge verwendet: Lernplattform (Stud.IP), Wiki (PmWiki), Forum und Videokonferenzen. Im Wiki fanden die Teilnehmerinnen Informationstexte, Filme und Checklisten zu den Workshopthemen. Hier konnte heruntergeladen, gelesen, kommentiert und diskutiert werden. Die Kommunikation verlief asynchron.
Jedem Workshopteilnehmer wurde eine Wikiseite zur Verfügung gestellt, die als Ort für Fragen, Ideen, Erkenntnissammlung in einer Art Lerntagebuch genutzt werden konnte. Diese „Lerntagebücher“ oder Arbeitsjournale waren für alle Workshopteilnehmer lesbar und kommentierbar. Ein weiterer Ort für den schriftlichen Austausch war das Forum. Hier wurden Diskussionen angezettelt und z. B. Fragen, die sich aus den Praxiserfahrungen ergaben, kollegial beraten.

 

Abbildung 1: Ein sechswöchiger Online-Workshop-Ablauf mit drei Videokonferenzen, Wiki und Forum

Online-Workshops auf die Bedarfe von Hochschullehrern zugeschnitten

Wir können davon ausgehen, dass die Zielgruppe der Hochschullehrenden aufgrund ihrer Lernbiografie (Studium, Lehre, Forschung) über eine überdurchschnittlich starke Lernkompetenz verfügt. In aller Regel bestehen sehr günstige Voraussetzungen für selbst- organisiertes und individuelles Lernen, denn zum Arbeitsalltag der Dozenten gehört das ständige Aufbereiten von Informationen für Vorträge, Vorlesungen und Seminare. Dieser gemeinsamen Voraussetzung unserer Zielgruppe steht allerdings ihre ausgeprägte Heterogenität in Bezug auf die Fachdisziplin, ihre Fachkultur, ihre didaktischen Vorkenntnisse und E-Learning-Kompetenzen entgegen.

- Lesen Sie weiter auf S. 2 -

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Online Tutoring Journal, Ausgabe 1(12), April 2009, Phan Tan/Krey: Vom Selbstlerner zur Lerngemeinschaft, S. 1. 

Thema der aktuellen Ausgabe: "Stolpersteine und Hürden beim Online-Lernen"

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 Editorial

 Experteninterview mit Mirja Mahringer (tele-akademie Furtwangen)

 Andrea Scheurlen Theler: Gemeinsam Lernen im Netz

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 Luka Peters: E-Learning als Abenteuer

 Rüdiger Keller: Usability im E-Learning

 Annett Kienitz: Online-Lernen mit Betreuung - ein Erfahrungsbericht

 Proposals Ausgabe 2/2009

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