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Thanh-Thu Phan Tan/Michaela Krey:

Vom Selbstlerner zur Lerngemeinschaft: Aha-Erlebnisse auf der Lernplattform (3)

Die Teilnehmerin, die den Austausch initiiert hatte, wählte anschließend eine Methode aus, um sie im laufenden Seminar umzusetzen. Ihre Erfahrungen damit dokumentierte sie anschließend im Lerntagebuch.
Der Zuspruch und die Beteiligung anderer Teilnehmender im Verlauf der Forumsdiskussion förderte die Reflexion der Fragestellerin wie auch die der Mitdiskutierenden. Aus dem ICH wurde ein WIR. Fragen wurden geteilt, Antworten wurden multipliziert. Im Forum gelang es, die Vorteile einer kollegialen Beratung sehr deutlich erlebbar zu machen. Jeder Teilnehmer hat Erfahrungen in seiner eigenen Lehrpraxis und ist damit Experte in seinem Feld. Rasch können unterschiedliche Lösungsideen generiert werden und bereichern sich gegenseitig.

Was können Onlinedozentinnen tun, damit Selbstlerner zur Lerngemeinschaft zusammenrücken?

Aus Dozentinnensicht fassen wir hier zusammen, welche Aspekte wichtig und welche Schritte zu gehen sind, um „Selbstlerner“ auf ihrem Online-Weg zur „Lerngemeinschaft“ zu unterstützen. Viele dieser Aspekte sind aus Stolpersteinen entstanden, die uns zur Optimierung unseres Workshops-Angebots angeregt haben.

Die Onlinelernumgebung benötigt informativen Content:
Um Workshopinformationen leicht verdaulich und anregend zu gestalten ist es ratsam, mit eher kurzen überblicksartigen Texten, kognitiven Landkarten, leicht verständlichen Leitfäden, Checklisten und Methodenblättern zu arbeiten. Im Workshop „Lehre planen“ gab es z.B. vielfältig Kurztexte zu didaktisch relevanten Planungselementen, Arbeitstechniken und Leitfragen für die Grob- und Feinplanung von Veranstaltungen. In den methodenorientierten Workshops wurden übersichtliche Methodenblätter und Leitfragen für den Praxistransfer angeboten. Im Workshop „Mündlich Prüfen“ gab es z.B. kurze Filme und Audiobeiträge, die den Ablauf und die Gesprächstechniken einer Mündlichen Prüfung darstellten.

Konkrete Arbeitsaufträge:
Um die Aktivität der Lerngruppe zu fördern hat es sich bewährt, kleine wöchentliche Arbeitsaufträge zu erteilen. Z.B. bekam die Lerngruppe im Workshop „Mündlich Prüfen“ die Aufgabe, einen Kurzfilm zu mündlichen Prüfungen zu analysieren. Die Arbeitsaufträge müssen eindeutig, klar und konkret formuliert sein, da durch das asynchrone Arbeiten Missverständnisse nicht unmittelbar geklärt werden können.

Neugierde aufrecht erhalten:
Überraschungen auf der Lernplattform motivieren die Lernenden. Beispiele sind anregendes Filmmaterial, das nach und nach auf die Plattform eingestellt wird, die Ankündigung bisheriger Arbeitsergebnissen oder Lernquizzes, für deren Lösung es besondere Belohnungen gibt.

Tägliche Präsenz der Dozentinnen in der Online-Lernumgebung:
Wenn möglich sollten Online-Dozenten tägliche Präsenz in der Onlinelernumgebung gewährleisten. Die Teilnehmenden bemerken deren Präsenz in der Onlinelernumgebung, wenn sie immer wieder neue Inhalte auf die Seiten stellen. Außerdem ist es für die Teilnehmenden motivierend, wenn neue Beiträge zeitnah und wertschätzend kommentiert werden.

Hilfestellung beim Formulieren von Schlüsselfragen für das Forum:
Um die kollegiale Beratung zu einzelnen Problemstellungen im Forum effektiv zu gestalten, ist es ratsam den Teilnehmenden Hilfestellung bei der Formulierung des Anliegens und der Schlüsselfrage, die beraten werden soll, zu geben. Wenn das Anliegen klar und die Schlüsselfrage lösungsorientiert formuliert ist, kann eine Lerngruppe rasch Ideen und Problemlösungen sammeln. Impulsfragen für das Formulieren der Schlüsselfragen können hier helfen: „Wie kann ich erreichen dass…?“ „Was kann ich tun, damit…“ Wenn Schlüsselfragen unmissverständlich und lösungsorientiert formuliert sind, dann kann es Aha-Erlebnisse hageln.

Kernpunkte aus den Forumsbeiträgen in den Wiki-Bereich übertragen:
Forumsdiskussionen sind insbesondere durch die sich asynchron vollziehende Beteiligung meist nur mit hohem Zeitaufwand vollständig zu überblicken. Kernaussagen sollten aus den Beiträgen der Teilnehmenden wie auch aus den Kommentaren der Workshopleitung in übersichtlicher und geordneter Form zusammengefasst und an einem festen Ort (z.B. im Wiki) präsentiert werden.

Motivationsmails spornen die Teilnehmenden an:
Einmal pro Woche können so genannte „Motivationsmails“ oder „Guten-Morgen-Mails“ mit wertschätzendem Feedback zu bisherigen Arbeitsprozessen und Ergebnissen an die Teilnehmenden verschickt werden.

Über den Workload aufklären:
Vor Workshopbeginn sollte bekannt sein, wie viele Stunden die Teilnehmenden wöchentlich auf der Plattform verbringen werden. Den Teilnehmenden sollte empfohlen werden, mehrmals wöchentlich die Lernumgebung zu besuchen und mindestens einen Lerntagebucheintrag zu verfassen.

Kommunikationsstil:
Ein einfacher, eher umgangssprachlich und zugleich sehr wertschätzender Kommunikationsstil fördert die Kommunikation. Emotionale Symbole, wie z.B. Smileys, die Spaß machen, verbreiten eine angenehme Lernatmosphäre.

Lerntagebuch des Dozierenden:
Es ist ratsam, den Teilnehmern ein Vorbild zu sein und ein Lerntagebuch aus Dozierendensicht selbst zu schreiben.

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Über die Autorinnen

Dr. Thanh-Thu Phan Tan

Wissenschaftliche Mitarbeiterin am
Kompetenzzentrum Hochschuldidaktik für Niedersachsen (KHN), einer zentralen
Einrichtung der TU Braunschweig. Dort führt sie hochschul-didaktische
Weiterbildungskurse zum Thema eLearning für Teilnehmende aus nahezu allen
Hochschulen Niedersachsens durch. Des Weiteren berät und begleitet sie
Hochschullehrende der TU beim Einsatz von Neuen Medien in der Lehre.

Dipl.-Päd. Michaela Krey

Wissenschaftliche Mitarbeiterin am
Kompetenzzentrum Hochschuldidaktik für Niedersachsen (KHN), einer zentralen
Einrichtung der TU Braunschweig. Dort führt sie lehrbegleitendes Coaching
und Workshops zu hochschuldidaktischen Themen für Lehrende niedersächsischer
Fachhochschulen und Universitäten durch.


3
Online Tutoring Journal, Ausgabe 1(12), April 2009, Phan Tan/Krey:Vom Selbstlerner zur Lerngemeinschaft, S. 3. 

Thema der aktuellen Ausgabe: "Stolpersteine und Hürden beim Online-Lernen"

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