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Luka Peters:

E-Learning als Abenteuer – ein Spezialisierungsmodul in der Erprobungsphase

Das Seminarkonzept

Das Thema “E-Learning” ist als Spezialisierungsmodul Bestandteil des Studiengangs Kommunikations- und Multimediamanagement an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Fachhochschule Düsseldorf. Im Wintersemester 2008/2009 sollte das Modul nun erstmalig angeboten werden.

Das Konzept des Seminars sieht die theoretische wie auch praktische Annäherung an E-Learning vor. Neben aktuellen Technologien, Standards, Normen und wirtschaftlichen Aspekten sind auch die Prozesse eines E-Learning-Projekts inklusive Zieldefinitionen, Konzeption, Umsetzung und Evaluation Themen des Moduls, und das zudem aus Sicht unterschiedlicher Akteure. Da die Module der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät grundsätzlich projektbezogen sind, ist auch für dieses Modul eine Projektarbeit und -dokumentation Teil des Seminarziels. Es bietet sich an, dies alles nicht nur theoretisch zu erörtern, sondern auch praktisch erfahren zu lassen. Daher war schnell klar, dass das Seminar als Blended-Learning-Angebot durchgeführt werden sollte. Die sechs Semesterwochenstunden wurden in 4 Präsenz- und 2 Onlinestunden je Woche aufgeteilt.

Und hier beginnt bereits das Abenteuer. Normalerweise sind die Zeiteinheiten von Blended-Learning-Konzepten großzügiger bemessen; auf eine Präsenzphase folgt eine längere Onlinephase, meist von mehreren Wochen. Kann man solche kurzzeitigen Wechsel durchführen? Wie können die beiden "Blöcke" inhaltlich und technisch sinnvoll miteinander verzahnt werden? Wird das Seminar in dieser Form zum gewünschten Lernerfolg führen?

Die Ausgangssituation
Zur Lehr- und Lernunterstützung sollte auf jeden Fall ein Lern-Content-Management-System (LCMS) her. Uns wurde von Dokeos Deutschland eine kostenlos zu nutzende Installation von Dokeos inklusive aller sonst kostenpflichtigen Zusatzmodule zur Verfügung gestellt. Dokeos ist ein Open-Source-LCMS. Neben diesem LCMS gab es für die Studierenden während der Veranstaltung Einblick in eine weitere Lernplattform.

Zusätzlich habe ich ein Wiki sowie ein Weblog installiert. Das Ganze wurde durch eine eigene Domain abgerundet:
www.elearning-wirtschaft.de. Das Weblog zeigt direkt auf diese Domain, die anderen Werkzeuge - CMS und Wiki - liegen auf Subdomains. So hatten die Studierenden Zugriff zu allen primären Ressourcen unter einer Domäne.

Evaluationen wurden zu Semesteranfang und während des Semesters als mündliches Feedback sowie summativ am Semesterende in schriftlicher Form, zum Teil online, durchgeführt.

Medienkompetenz zum Semesterstart
Die Evaluation am Semesteranfang zeigte, dass die "Net Generation", aus der die Studierendengruppe zu bestehen schien, doch nicht die Medienkompetenz hatte, die man dieser Zielgruppe gerne unterstellt (siehe z.B. Oblinger, Diana, and James Oblinger: Educating the Net Generation: Introduction). Keine/r der Studierenden hatte zuvor mit einem Wiki gearbeitet, keine/r hatte zuvor ein LCMS kennen gelernt, und nur 25% wiesen Erfahrung mit einem Weblog auf. Die Nutzung von Skype und verschiedenen Instant Message Clients sowie Foren gehörte für die Studentinnen und Studenten dagegen zum Alltag.

Man kann also die Online-Tätigkeiten in zwei Kategorien unterteilen, in kommunikative einerseits und produktive andererseits, und feststellen, dass die Studierenden dieses Semesters im Einsatz kommunikativer Onlinedienste geübt waren, die Produktion von Internetinhalten aber noch nicht zu ihrem medialen Repertoire gehörte.

Daher bestand der erste Praxisteil für die Seminarteilnehmer darin, sich mit dem Umgang der zur Verfügung stehenden Software vertraut zu machen. Jeweils ein Student erarbeitete sich eine Funktion des LCMS oder den Umgang mit Wiki respektive Weblog und schulte im nächsten Präsenztermin seine Kommilitonen darin, während ich vertiefende oder korrigierende Ergänzungen beitrug. Auf diesem Weg haben wir eine sehr schnelle Grundlagenbildung der nötigen Softwarekompetenz für alle Seminarteilnehmer/-innen erreicht.

Der Semesteralltag
Angesichts der Stundenverteilung pro Woche und der komplexen formellen wie inhaltlichen Struktur der Veranstaltung wurde von den Studierenden entsprechend viel Disziplin verlangt. Sie mussten sich auf die Präsenz- wie auch auf die Online-Termine vorbereiten. Während die Präsenztermine entweder der Theorie gewidmet waren oder zur Gruppenarbeit und Ergebnisdiskussion genutzt wurden, konnten wir während der Online-Termine u.a. einen Gastredner begrüßen, per Chat inhaltliche Projektabstimmungen vornehmen oder auch einmal spielerisch das bisherige Wissen überprüfen.

Dabei wurden die Studentinnen und Studenten mit Technologien konfrontiert, mit denen sie oft noch nicht vertraut waren - und mit denen ich zum Teil ebenfalls noch den Umgang üben musste. Unter anderem mussten wir kurzfristig auf ein externes Online-Konferenzsystem mit interaktivem Whiteboard zugreifen, da das in Dokeos integrierte "Virtuelle Klassenzimmer" nicht einsatzbereit war.

Die abschließende Evaluation zeigt aber, dass das Angebot sowohl thematisch als auch technologisch einen sehr positiven Eindruck bei den Studierenden hinterlassen hat.

Die Meinung der Studierenden
Die summative Online-Evaluation umfasst 32 Fragen, die sich gezielt auf den Einsatz der E-Learning-Werkzeuge beziehen und gerade auch die Zufriedenheit der Studierenden mit den angebotenen Möglichkeiten hinterfragt. Neben den üblichen grundlegenden Multiple-Choice-Fragen zur Einschätzung einzelner Tools und technischer Aspekte wie beispielsweise der Erreichbarkeit des LCMS und dessen Usability, geben die Antworten auf Freitextfragen einen Einblick in die Lern- und Lernumgebungswünsche der Studenten und Studentinnen.

Wichtig erscheint mir vor allem, dass für 75% der Studierenden die Lernplattform "zu einem großen Teil" unterstützende Wirkung hatte, weitere 25% sehen dies immerhin noch "zu einem geringen Teil" erfüllt. Die Lernunterstützung durch alle eingesetzten Medien und Werkzeuge zusammen wird noch positiver bewertet: 25% fühlen sich "eindeutig", 50% "zum größten Teil" und weitere 25% "zu einem geringeren Teil" in der Erreichung ihrer Lernziele gefördert. Auch der Einsatz des Wikis wird überwiegend positiv bewertet und die zukünftige Verwendung in der Lehre würde von 75% begrüßt, weitere 25% sehen dieses Tool als mögliche Ergänzung in der Lehre.

Als positive Aspekte der eingesetzten E-Learning-Werkzeuge wurden u.a. die neue Art der Zusammenarbeit, die Schnelligkeit, die Zeit- und Ortsunabhängigkeit und das praktische Kennenlernen der in der Theorie thematisierten Möglichkeiten genannt. Einen Auszug der Evaluation mit den meiner Meinung nach im Kontext dieses Aufsatzes relevanten Fragen stelle ich hier als Download (PDF) zur Verfügung.

Resümee
Die Ergebnisse zeigen, dass trotz des teilweise nicht unerheblichen Aufwands für die Studierenden, trotz der gelegentlichen technischen Schwierigkeiten, und trotz des technologischen Neulands für die meisten der Seminarteilnehmer der positive Effekt in Bezug auf die Lernunterstützung stärker wiegt. Das Weblog wurde nur sehr rudimentär genutzt, erfüllte aber dennoch seinen Zweck, diese Technik den damit noch nicht vertrauten Studierenden nahe zu bringen. Verbesserungen des Seminars sind möglich und wurden aktiv von den Studentinnen und Studenten vorgeschlagen. Das belegt auch, neben der gelungen Projektarbeit des Seminars, dass E-Learning nicht bloße Theorie geblieben, sondern der Transfer zur Praxis gelungen ist.

Download des Artikels als PDF

 

Über den Autor

Luka Peters, M.A., www.edaktik.de
Seit 15 Jahren in der Erwachsenenbildung tätig. Berät freiberuflich im Themenbereich Blended-Learning, Online-Learning, Wissensmanagement und Authoringtools, konzipiert Lernangebote, schreibt Storyboards und führt Seminare durch.
Aktuelle Arbeitsschwerpunkte: Wissenschaftlicher Mitarbeiter im HeinEcomp-Team der Universität Düsseldorf; Lehrauftrag an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der FH Düsseldorf.

Online Tutoring Journal, Ausgabe 1(12), April 2009, Peters, L.: E-Learning als Abenteuer  

Thema der aktuellen Ausgabe: "Stolpersteine und Hürden beim Online-Lernen"

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